Die Bundeswehr in Klietz hat etliche Pläne, den Übungsplatz weiter auszubauen und so für übende Truppen interessanter zu machen. Doch muss die Entscheidung der Regierung, welche Standorte im Zuge der Bundeswehrreform überhaupt erhalten bleiben, erst abgewartet werden. Volksstimme-Redakteurin Anke Schleusner-Reinfeldt sprach mit dem Kommandanten Oberstleutnant Dietmar Nehrig.

Volksstimme: Muss man sich Sorgen um den Fortbestand des Klietzer Platzes machen?

Dietmar Nehrig: Die Entscheidung wird Mitte des Jahres gefällt. Jetzt kann man noch gar nichts sagen, in der Vergangenheit gab es da schon manche Überraschungen. Auch Standorte, die modern waren, sind geschlossen worden. Aber ich hoffe, dass Klietz durch seine Ausstattung und mit den beiden Gewässerübergängen auch in Zukunft benötigt wird. Die Zahl der Bundeswehrstandorte wird sich merklich reduzieren. Unsere Zukunft hängt auch von den standortnahen Truppen wie Havelberg, Burg, Beelitz, Berlin oder Potsdam ab.

Volksstimme: Wieviele Arbeitsplätze bietet die Bundeswehr gegenwärtig in Klietz?

Dietmar Nehrig: Es gibt elf Offiziere, 18 Unteroffiziere und sechs Wehrpflichtige. Dazu kommen für die Kommandantur 56 Zivilbeschäftigte unter anderem in der Feuerwehr und auf dem Sonderübungsplatz. Das Klietzer Service-Center hat weitere 150 Zivilbeschäftigte einschließlich der Lehrlinge. Nicht vergessen darf man außerdem, dass die Bundeswehr auch für beträchtliche Umsätze bei den hiesigen Lebensmittelhändlern sorgt.

Volksstimme: Hat der Übungsbetrieb nach der Weihnachtspause wieder begonnen?

Dietmar Nehrig: Noch nicht. Die ersten Truppen kommen am 22. Januar. Bis dahin gibt es noch einiges zu tun. Beispielsweise gab es zahlreiche Bäume, von denen unter der Schneelast große Äste abgebrochen sind, die jetzt auch Wege blockieren.

Volksstimme: Wie war der Klietzer Platz im vergangenen Jahr ausgelastet?

Dietmar Nehrig: Besser als 2009. Das liegt an der großen Divisionsübung "Eisener Stier", die ja die größte Truppenübung seit der Wende darstellte. Bis zu 3000 Mann waren zeitweise binnen dieser zwei Wochen hier stationiert. Der Divisionskommandeur und auch die beiden Brigadekommandeure haben sich in Dankesschreiben sehr lobend über die vorgefundenen Bedingungen geäußert. Dieses Jahr werden wir diese Auslastung nicht erreichen. Auf jeden Fall kommen aber mit den Briten und Niederländern auch wieder ausländische Truppen.

Volksstimme: Wann ist mit der Fertigstellung der neuen Feuerwache zu rechnen?

Dietmar Nehrig: Bedingt durch den frühen Wintereinbruch und den langen Winter letzten Jahres sind die Firmen in Verzug geraten. Neues Ziel ist es, dass die Feuerwehr im Sommer umzieht.

Volksstimme: Es war mal geplant, dass ein neues Stabsgebäude in der Kaserne am See errichtet und die Kaserne im Walde gänzlich geräumt wird...

Dietmar Nehrig: Diese Pläne sind ganz weit nach hinten gestellt. Denn das Nutzungskonzept sieht vor, dass wir 500 neue Unterkünfte für Großverbandsübungen schaffen müssen. Und dafür werden alle Gebäude gebraucht und sogar jetzt ungenutzte Objekte genutzt.

Volksstimme: Welche Pläne gibt es für dieses Jahr?

Dietmar Nehrig: Als erstes muss erst einmal die Standortentscheidung abgewartet werden, vorher passiert gar nichts. Aber der zweite Teil der Schießbahn 13 wird auf jeden Fall bis Jahresende fertiggestellt. Die ersten Kulissenhäuser stehen und die Verkabelung für die computergesteuerte Zieltechnik beginnt nach dem Winter. Im Übungsbetrieb schränkt uns das nicht groß ein, weil mit der Fertigstellung des ersten Abschnittes im letzten September das Panzerschießen nun wieder möglich ist. Vorgesehen ist, die Waldkampfbahn 6 bei Klietz mit acht Plätzen für Gewehrschützen computergesteuert umzurüsten. Das sollen die Lehrlinge aus dem Bereich Elektrotechnik machen. Bei Göttlin entsteht zudem eine Geländebahn, auf der Fahren mit schweren Fahrzeugen in schwerem Gelände geübt werden kann. Das macht auch unser Service-Center mit Unterstützung des Sonderübungsplatzes Pioniere und der Pioniere aus Havelberg.

Volksstimme: Was ist mit der Rathenower Straße in Klietz, die mit Asphalt versehen werden soll?

Dietmar Nehrig: Auch hier hängt alles von der Standortentscheidung ab. Und dann müssen die Gelder für die zivilmilitärischen Vorhaben freigegeben werden. Außerdem wollen wir dieses Jahr ja auch die Abfahrt zum ,Briefkasten‘ bei Schollene neu gestalten und damit die Verkehrssicherheit erhöhen. Die beiden Kurven sollen entschärft und aus beiden Fahrtrichtungen Abbiegespuren angelegt werden.

Volksstimme: Sind wieder Auslandseinsätze geplant?

Dietmar Nehrig: Ja. Fünf Soldaten werden nach Afghanistan und in den Kosovo gehen, die ersten schon jetzt im Januar. Auch der Einsatz eines zivilen Mitarbeiters ist vorgesehen. Im vergangenen Jahr waren sieben Soldaten und drei zivile Mitarbeiter in den Krisengebieten tätig.

Volksstimme: Worauf freuen Sie sich persönlich in 2011?

Dietmar Nehrig: Auf den Sommerurlaub zusammen mit meiner Frau an der Ostsee. Und ich hoffe sehr, dass die Entscheidung für den Erhalt des Klietzer Platzes fällt, denn für die Region wäre es ein schwerer Schlag, wenn der Standort geschlossen werden würde.

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