Schönhausen (asr) l Im Schönhauser Bismarck-Museum gibt es derzeit eine Sonderschau, in der eine Auswahl der Notgeld-Sammlung von Wilfried und Helga Launert zu sehen ist. Der gebürtige Ostberliner, der seit 1997 mit seiner Frau in Schönhausen lebt, war eigentlich Briefmarkensammler. "Aber das hat viel Geld gekostet, weshalb ich mich entschieden habe, meine Sammlung zu verkaufen. Auf einem Großtauschtag bot man mir für meine Briefmarken Notgeld an." Da damit zu DDR-Zeiten nicht gehandelt werden durften, blieben die Scheine in der Schublade - bis zur Wende. Inzwischen hat Wilfried Launert vieles zusammengetragen, was ausstellungswürdig ist.

Ersatz für staatliche Zahlungsmittel

Was Notgeld ist, erklärte Museumspädagogin Katja Gosdek zur Eröffnung der Ausstellung, an der am Sonntag auch etliche auswärtige Gäste teilnahmen: "Krieg, Krisen, politische Umbrüche oder Inflationen führten in der Vergangenheit mehrfach zu einer anhaltenden Geldknappheit. In diesen Fällen gaben neben den staatlichen Stellen auch Länder, Banken, Städte, Gemeinden, Firmen oder Privatpersonen eigenes Geld heraus - in der Regel mit Ermächtigung oder Duldung durch den Staat. Solche Ersatzzahlungsmittel werden Notgeld genannt. Für eine begrenzte Zeit und Region übernahm es die Funktion von staatlichen Zahlungsmitteln.

Meist lag Notgeld in Form von Münzen oder Papierscheinen vor. Aber auch Pappe, Alufolie, Leinen, Porzellan, Leder oder Seide wurden zur Herstellung verwendet. Auch Fahr- oder Spielkarten, Briefmarken und Schecks wurden als Ersatzgeld genutzt. Die vielfältigen, originellen und zum Teil aufwendig gestalteten Scheine erfreuten sich bereits nach dem Ersten Weltkrieg großer Beliebtheit unter Sammlern."

Parolen und kunstvolle Grafiken als Motive

So unterschiedlich wie die Materialien waren auch die Motive. Die Notgeldscheine in der Zeit des Ersten Weltkriegs sind vergleichsweise schlicht. Gegen 1918 zeigen ihre Grafiken vermehrt Durchhalte-Parolen und soldatische Motive. Bereits nach Kriegsende wurden sie beliebte Sammelobjekte. Zwischen 1919 und 1922 gaben Kommunen, Wirtschaftsbetriebe oder Sparkassen sogenannte Serienscheine in erster Linie für Sammler heraus. Ihre kunstvollen Grafiken zeigten historische Szenen aus der Stadtgeschichte, Sprüche und Gedichte, wichtige lokale Personen oder Sehenswürdigkeiten, mitunter wurde auch die gegenwärtige Politik satirisch kommentiert. Die vielfach als thematische Serien herausgegebenen Notgeldscheine landeten oft druckfrisch in den Alben der Sammler. Ob ein Schein für den Zahlungsverkehr zugelassen war, ist am Bankstempel auf der jeweiligen Note erkennbar.

 

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