Für die Havel galt gestern die Warnstufe 2, der Pegel stand in Havelberg am Vormittag bei 3,77 Meter. Das Wasser steigt weiter. Die Stadt bereitet sich auf die Warnstufen 3 und 4 vor. Auch die Elbe führt Hochwasser. Gestern stand der Pegel bei Tangermünde bei 6,25 Meter. Eine Polderflutung ist aus derzeitiger Sicht nicht erforderlich.

Havelberg. "Wir ziehen die Bauwagen für die Deichwachen zusammen und werden Sand zum Befüllen der Sandsäcke einlagern", nannte Ordnungsamtsleiter Klaus Heidrich gestern Maßnahmen zur Vorbereitung auf das Hochwasser. Die Havel hatte gestern die Warnstufe 2, diese gilt bei einem Wasserstand von 3,60 bis 4 Meter. Die 3 gilt bis 4,30 Meter, die 4 ab 4,30 Meter. Wie weit der Pegel ansteigen wird, lässt sich schwer vorhersagen, denn auch die Gewässer um Berlin und im Spreewald sind voll. "Wir müssen sehen, wie sich der Wasserstand entwickelt", so Klaus Heidrich.

Laut dem Elektronischen Wasserstraßeninformationssystem Elwis werden für Donnerstag bis zu 4,30 Meter am Pegel Havelberg vorhergesagt. Gestern früh waren es 3,77 Meter. Für die Elbe sind es bis Donnerstag 7,10 Meter, gestern stand sie am Pegel Tangermünde bei 6,25 Meter.

Die Stadt bereitet die Deichwachen vor. Für den Bereich an der Elbe ab der Hälfte zwischen Sandau und Havelberg bis zur Landesgrenze bei Quitzöbel werden bis zu 18 Leute für zwei Schichten benötigt, hinzu kommen Deichwachen für die Haveldeiche. Ab Warnstufe 3 werden die Deiche zur Kontrolle befahren, ab 4 dann regelmäßig abgelaufen. Was erforderlich ist, wird sich zum Wochenende zeigen. "Darüber werden wir Donnerstag oder Freitag entscheiden", so Klaus Heidrich. Für die Deichwachen hofft die Stadt einerseits wieder auf freiwillige Helfer, andererseits soll geprüft werden, was über Bürgerarbeit möglich ist.

Nach den Hochwassern von 2002 und 2006 sind in städtischen Garagen in Havelberg und Nitzow rund 150 000 Sandsäcke eingelagert. "Wir gehen davon aus, dass wir damit gut klarkommen", so der Ordnungsamtsleiter. In einer Halle des ehemaligen Baustoffwerkes soll voraussichtlich Sand eingelagert werden, damit er abtrocknen kann. Denn bei möglichem Frost wäre es schwierig, nassen Sand zu verarbeiten. "Es gibt noch etliche Fragezeichen", sagte Klaus Heidrich gestern im Gespräch mit der Volksstimme im Hinblick auf die Vorbereitung.

Mit Baubetrieben wurde vorsorglich abgesprochen, welche Technik zur Verfügung stehen würde, mit den Stadtwerken über die Schmutzwasserentsorgung auf der Stadtinsel gesprochen. Hier gibt es noch immer keine andere Lösung, als bei einem bestimmten Hochwasserstand das Abwasser in die Havel abzuleiten. Im Mühlenholz wird beobachtet, ob die Energieversorgung für den Pferdemarkt abgebaut werden muss. In Nitzow und Havelberg hat die Stadt die Steganlagen im Blick, damit nichts abreißt. Die Klimaanlage an der Touristinformation – an den Terrassen hatte das Wasser gestern die zweite Stufe erreicht – wurde abgebaut.

Etliche der Schwachstellen, die es noch beim Jahrhunderthochwasser 2002 gab, sind behoben, Deiche wurden saniert. Probleme gibt es immer noch auf der Stadtinsel und in Vehlgast, wo Fehlhöhen im Deich möglicherweise durch Sandsäcke ausgeglichen werden müssen, so Klaus Heidrich.

Bei stärkerem Hochwasser stellt sich für die Havelregion immer die Frage nach einer möglichen Polderflutung, die 2002 erstmals zur Kappung des Hochwasserscheitels der Elbe praktiziert wurde und die mittlerweile per Staatsvertrag geregelt ist. Dazu tritt bei Bedarf die Koordinierungsstelle Quitzöbel (früher Sondereinsatzleitung) zusammen. Nach einer ersten Beratung Ende vergangener Woche gab es gestern eine weitere. "Der Elbscheitel wird nicht durch die Flutung der Havelpolder gekappt", informierte der Leiter der Koordinierungsstelle Ragner Wenzel gestern Nachmittag auf Volksstimme-Nachfrage über das Ergebnis. Die Prognosewerte für die Elbe sind so, dass 7,45 Meter nicht überschritten werden. Auf diese Höhe sind die Deiche ausgelegt. Und auch eine mögliche Flutung der Polder zur Entlastung des Havelschlauches ist momentan nicht vorgesehen, da die Prognosen für die Havel unter dem Wert von 4,80 Meter beziehungsweise 26,40 Meter über normal null liegen. "Zurzeit besteht kein dringendes Bedürfnis zur Flutung. Wir beraten erst wieder darüber, wenn wir für die Havel feststellen, dass sie nicht ungehindert in die Elbe abfließen kann und 4,80 Meter erreicht werden", so Ragner Wenzel.

Bürgermeister Bernd Poloski stimmte sich gestern mit Landrat Jörg Hellmuth zur Hochwassersituation und möglichen Maßnahmen ab.