Der neue Lehrling in der Firma Euronics Grunwald in der Havelberger Scabellstraße ist nicht gleich auf Anhieb als solcher auszumachen. Denn Thomas Schenk ist kein Jugendlicher im Alter von 16 oder 17 Jahren mehr. Der neue Auszubildende hat schon einige Jahre mehr an Lebenserfahrung gesammelt: Er begeht in diesem Jahr seinen 27. Geburtstag.

Havelberg. "Manchmal dauert es eben etwas länger, bis der Berufswunsch endlich in Erfüllung geht", schmunzelt Thomas Schenk. Vergeblich hatte er bisher nach einem Ausbildungsplatz zum Informationselektroniker – mit einer Spezialisierung in der Fernsehtechnik und Unterhaltungselektronik – Ausschau gehalten. Im Herbst vergangenen Jahres wurde er in der Firma von Bernd Grunwald endlich fündig. Seit Anfang Oktober ist er hier beschäftigt. "Die Ausbildungszeit, die offiziell als Umschulungsmaßnahme übers Arbeitsamt und das Institut für Berufliche Bildung läuft, geht bis zum Februar 2013", berichtet Thomas Schenk. Und: "Gleich vom ersten Tag an hat es mir in der Firma sehr gut gefallen." Kein Wunder auch, denn während eines vorherigen längeren Praktikums hatte er ausreichend Gelegenheit, seine künftigen Kollegen gleich richtig kennenzulernen. Nach Beendigung der Maßnahme hofft er, hier vielleicht auch eine Weiterbeschäftigung zu finden. "An mir soll‘s nicht liegen", gab Bernd Grunwald seinem Azubi zu verstehen.

Gute Voraussetzungen dafür bringt Thomas Schenk bereits mit. Denn in einigen Fachgebieten der Elektronik kennt sich der in Rathenow geborene und in Schollene aufgewachsene Mann bereits bestens aus. "Von Kindesbeinen an sind die Computertechnik und die Elektronik mein größtes Hobby", sagt der 26-Jährige. Und so war es auch kein Zufall, dass ihn der Wehrdienst ins damalige Fernmeldebataillon 382 nach Havelberg führte. Insgesamt 26 Monate lang war ihm hier sein Wissen und Können von großem Nutzen.

Auf der Suche nach einer Ausbildung hat der Schollener schon so manchen Umzug auf sich genommen. Gleich nachdem er das Gymnasium in Havelberg mit dem Realschulabschluss verlassen hatte, zog er nach Magdeburg, wo er größere Chancen für sich sah, als in der Havelberger Region. Doch auch dort lief es für ihn nicht nach Wunsch; bei der Suche nach einer Lehre biss er sich fast die Zähne aus. Die Musterung und kurz darauf die Einberufung zur Bundeswehr kamen in dieser Situation wie gerufen. Die Zeit bis zum Dienstantritt überbrückte Thomas Schenk mit einer Anstellung als Kundenbetreuer bei Quelle in Magdeburg.

Rechtzeitig vor Beginn der Armeezeit packte er in Magdeburg seine Koffer, zog zurück in die Heimat: nach Schollene. Und als dann nach der Grundausbildung feststand, dass er in der Havelberger Kaserne weiterdienen würde, nahm er sich eine kleine Wohnung in der Domstadt. So lange er sich bei den Fernmeldern die Uniform überstreifen konnte, war die Welt für ihn in Ordnung. Als die 26 Monate, zu denen er sich verpflichtet hatte, dann jedoch abgelaufen waren, "begann für mich eine ziemlich schwierige Zeit", erzählt der Schollener. Denn nun stand er ohne einen abgeschlossenen Beruf auf der Straße und musste die Erfahrung machen, wie bitter es sein kann, ein Arbeitsuchender zu sein. Mit Arbeitslosengeld und in verschiedenen Arbeitsmaßnahmen schlug er sich durch, bis er in der jetzigen Umschulungsmaßnahme bei der Berufsbildungsakademie "Altmark" landete. "Heute betrachte ich das als einen regelrechten Glücksfall, denn dadurch erfüllt wieder viel mehr Freude und Hoffnung mein Leben", erklärt der angehende Informationselektroniker. Zum einen hätte sich nun sein Traum vom Erlernen dieses Berufes erfüllt, und zum anderen könne er diese Ausbildung praktisch auch gleich noch vor seiner Haustür absolvieren. Nur für die theoretische Ausbildung muss er einen etwas weiteren Weg in Kauf nehmen, denn die Berufsschule befindet sich in Radeberg bei Dresden. "Aber das ist mir eigentlich egal", macht er deutlich. "Die Hauptsache ist doch, dass ich am Ende etwas in der Tasche habe. Deshalb ist ein guter Abschluss der Berufsausbildung mein großes Ziel."

Sein Chef Bernd Grunwald sieht dabei bislang kein Problem. Thomas Schenk sei fleißig und lernwillig. "Solche Auszubildenden wünschte ich mir öfter", verkündet er.