Seit 6 Uhr werden die Deiche an der Elbe bewacht. In der Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land sind die Kommunen in Zusammenarbeit mit der Verwaltung in Schönhausen für 14 Abschnitte verantwortlich. Wann die Wachen wieder abgezogen werden können, ist derzeit noch offen.

Schönhausen. "Bereits in der Vorwoche hatten wir die Bürgermeister zu den Wachdiensten informiert, übers Wochenende war genug Zeit, mit den Leuten zu sprechen", berichtete gestern Verbandsgemeindebürgermeister Bernd Witt in Schönhausen. Neu ist in diesem Jahr, dass die Wachdienste komplett über Freiwillige abgesichert werden müssen, 2002 und 2006 hatten dafür noch Kräfte vom zweiten Arbeitsmarkt zur Verfügung gestanden. Doch die Bereitschaft der angesprochenen Bürger ist zum Glück vorhanden – letztendlich geht es im Notfall ja auch um ihr Hab und Gut.

Insgesamt werden in den 14 Abschnitten zwischen Fischbeck und Sandau 112 Deichwächter benötigt, vier Schichten mit je acht Leuten müssen abgesichert werden. Die Stellen sind inzwischen zwar alle besetzt, doch wäre es gut, wenn sich auch noch Reservekader bei den Kommunen meldeten. Denn derzeit weiß niemand, wie lange die Deiche bestreift werden müssen…

Pro Sechs-Stunden-Schicht müssen die Wächterpaare etwa zwölf Kilometer unter die Füße nehmen, sie werden dazu von der Verwaltung mit Handys und Taschenlampen ausgerüstet. Bauwagen als Unterkünfte wurden inzwischen aufgestellt, alle Zuwegungen sind kontrolliert und werden abgesperrt. Dann haben dort nur noch die Wachen und Zuständige von der Verwaltung sowie vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz etwas zu suchen.

In Fischbeck musste ein Weg zur Elbe bereits vorher gesperrt werden, Schaulustige hatten ihn schon arg zerfahren. Der Rüdowweg, der von Wulkau zur Elbe führt, steht sogar schon unter Wasser. Doch ab Alarmstufe III, die ab heute gilt, dürfen die Deiche ohnehin nicht mehr betreten werden. Sie gilt ab einem Pegel von 6,60 Metern bei Tangermünde.

Die beiden Deichbaustellen im fast 38 Kilometer langen Verantwortungsbereich – zwischen den Elbkilometern 43,5 und 81,2 – sind gegen die drohende Flut gesichert, jene nahe Schönfeld war ohnehin fast fertig gewesen. Bei Schönhausen ist ebenfalls eine Sicherung erfolgt, zusätzliches Material wurde aufgetragen, es gab letzte Verdichtungen.

Das Hochwasser ist den Prognosen der Landesvorhersagezentrale zufolge bislang weniger dramatisch als in den Vorjahren, zu dem Stand von 2002 fehlen noch bis zu 70 Zentimeter. Das Problem in diesem Jahr sind allerdings die durch wochenlange Regenfälle arg aufgeweichten Deiche.

Sollte im Notfall Bedarf an Helfern bestehen, stehen die Feuerwehren in den Orten sowie die Wasserwehr in Schönhausen "Gewehr bei Fuß". Die Wasserwehr ist dazu noch mit einem Boot ausgestattet. In der Verbandsgemeinde liegen 2500 gefüllte Sandsäcke bereit – in Hallen in Schönhausen und Sandau. Sand zum Füllen wurde auch in die Hallen der beiden Orte eingelagert, damit er im Notfall trocken ist. – Bei Frost würde es sonst Probleme geben. Und auch einige Sandentnahmestellen sind vorbereitet worden.

Alle Fäden laufen im Ordnungsamt im Schönhauser Amt bei Kathrin Kleinod zusammen, ihr Büro ist dafür rund um die Uhr besetzt. Melden die Deichwächter im Büro ein Problem, informiert dieses die Fachleute vom Hochwasserschutzbetrieb LHW, der dann die entsprechenden Maßnahmen veranlasst. Problematisch wird es zum Beispiel, wenn mit Erde vermischtes Wasser an der Landseite aus dem Deich tritt, dann muss die Schwachstelle mit Sandsäcken verbaut werden. Doch wurden die größten Problemzonen seit 2002 vom LHW bereits nach und nach beseitigt.

Mit eingebunden ist auch der Landkreis, dessen Stab übernimmt die Verantwortung ab der Alarmstufe IV. Diese wird ausgerufen, wenn der Elbpegel Tangermünde die Marke von sieben Metern erreicht hat. Das wird morgen geschehen, der Pegel wird laut Prognose auch am Freitag bei 7,00 Metern verharren. Das sind immerhin zehn Zentimeter weniger als zuerst berechnet. Gestern hatte der Hochwasserscheitel Torgau erreicht, die Tschechen meldeten gestern bereits fallende Wasserstände.