Die finanzielle Hilfe für Privathaushalte und Gewerbetreibende war nur schleppend angelaufen. Der Landkreis selbst beginnt erst jetzt Straßen zu sanieren. Bei der gestrigen Hochwasserkonferenz im Stendaler Landratsamt fielen kritische Worte.

Stendal l Bernd Witt lieferte gestern den emotionalsten Part bei der offiziellen Bilanzveranstaltung zum Hochwasser 2013. Er sei nachts um 0.02 Uhr zur Andacht in der vollbesetzten Fischbecker Kirchen dabei gewesen, wo an den Deichbruch von vor 12 Monaten gedacht wurde, sagte der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land. "Viele Menschen realisieren nach den anstrengenden Monaten jetzt erst so richtig, was passiert ist", sagte Witt. Das Nervenkostüm von vielen sei angespannt. Es gebe seit kurzem Beratungsstunden im Schönhauser Rathaus, um den Menschen beizustehen. "Die sind gut besucht."

502 von 705 Anträgen auf Soforthilfe sind bewilligt

Dass die Soforthilfen an eine ganze Reihe Privatleute noch nicht ausgezahlt worden ist, sei ein belastender Faktor, so Witt. Von 705Anträgen seien 502 mittlerweile bewilligt worden. Im Schnitt gebe es Schäden von 70000 Euro pro Antrag. Ein Drittel der Bevölkerung sei betroffen, bei 987 Grundstücken gab es Schäden. Am Ende werde es rund 20 Häuser sein, die abgerissen werden müssen.

Die Kommune selbst habe 400 Maßnahmen beantragt, von denen gerade einmal zwei abgearbeitet worden seien, sagte Witt gestern im Landratsamt vor rund 70 Verwaltungschefs, Behördenvertretern, Soldaten und Mitarbeitern von Hilfsorganisationen. Das Gesamtvolumen der Anträge seiner Verbandsgemeinde liegt bei rund 80 Millionen Euro, erläuterte Witt. Immerhin konnte der Bürgermeister gestern aus den Händen der Staatssekretärin Anne-Marie Keding aus dem Magdeburger Landwirtschaftsministerium einen Fördermittelbescheid von 3,2 Millionen Euro für den ländlichen Wegebau entgegen nehmen. Keding vertrat gestern kurzfristig den verhinderten Minister Hermann Onko Aeikens (CDU).

Landrat Carsten Wulfänger (CDU) bemängelte, dass die finanziellen staatlichen Hilfen für Privatpersonen und Gewerbetreibende erst spät angelaufen seien, nachdem eine schnelle Unterstützung im vergangenen Jahr zugesagt worden war. Auch an der Infrastruktur der Landkreisstraßen müsse noch viel passieren, bei einer geschätzten Schadenssumme von 16,55 Millionen Euro seien erst 2,935 Millionen bewilligt. "Wir haben noch einen Gutteil vor uns", sagte der Landrat. Wulfänger betonte jedoch auch, dass die Hilfen nicht selbstverständlich seien, wenn man sich die Hochwasser-folgen in anderen Teilen der Welt ansehe. "Wir müssen froh sein, dass es diese Hilfen gibt."

Kritik an zurückliegender Deichsanierung

Im Fokus der Vorträge standen gestern die Deichsanierungen, die nach Angaben von Staatssekretärin Keding bis 2020 im Landkreis Stendal abgeschlossen sein sollen. Die Bauarbeiten bei Fischbeck sollen in den kommenden Wochen anlaufen. Dabei solle die Trasse optimiert werden, wie Burkhard Henning, Leiter des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW), sagte. Für den sieben Kilometer langen Abschnitt zwischen Jerichow und B188 wird mit Kosten in Höhe von 15,2 Millionen Euro gerechnet. An anderen Stellen bei Hohengöhren, Neuermark -Lübars, Havelberg-Nitzow und bei Quitzöbel wird bereits gearbeitet.

Landrat Wulfänger hatte kritisiert, dass aus seiner Sicht im Flussbereich Genthin vor dem Deichbruch die falsche Strategie gefahren worden sei. Im Gegensatz zum Flussbereich Osterburg sei nicht zusammenhängend saniert worden, sondern nur abschnittsweise. Außerdem habe es so gut wie keine befahrbaren Bermen ostelbisch gegeben. Beide Aspekte hätten die Deichverteidigung beim Rekordhochwasser im vergangenen Jahr erheblich erschwert.

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