Beisammensitzen, sich an die Ereignisse vor einem Jahr erinnern und berichten, was sich seitdem getan hat - das war das Anliegen der Gemeinde Wust-Fischbeck, die Pfingstmontag zur Gedenkveranstaltung anlässlich des Jahrestages der Flut eingeladen hatte.

Fischbeck l "Ich bin wirklich erstaunt, wie aktiv die Menschen sind und wie viel sie schon wieder aufgebaut haben!" Dieter Striezel gehört zur Löschgruppe Bergfelde im Landkreis Oberhavel. Er und weitere Kameraden waren wie viele andere Helfer der ersten Stunde nun auch zur Dankeschön-Veranstaltung nach Fischbeck gekommen, um zu sehen und zu hören, was sich seit Juni 2013 hier getan hat. "Es sind auf den ersten Blick kaum noch Hinterlassenschaften der Flut zu sehen. Und die vielen Häuser, an denen gebaut wird! Leider gibt es auch ein paar leerstehende Ruinen!" Für ihn als passives Mitglied der Wehr sei es selbstverständlich gewesen, zum Helfen nach Fischbeck zu kommen. Dem schließt sich Marlies Krone aus Bützow in Brandenburg an. Sie und ihr Mann Karlheinz waren im Juni von einer Reise zurückgekommen und durch Fischbeck gefahren. "Hier müssen wir helfen!" sagten sie sich spontan, packten zu Hause ein paar Sachen und zurück ging es nach Fischbeck. Marlies Krone war überwiegend in der Eberstation behilflich, "das ist ein tolles Team, wir haben heute noch Kontakt!"

All den Helfern Danke zu sagen, war das Anliegen von Bürgermeister Bodo Ladwig und den Bewohnern seiner Gemeinde. Deshalb organisierten sie die Veranstaltung am Montag. Nach Gottesdienst, Fußmarsch zum Deich und Gedenksteineinweihung (wir berichteten), ging es gemütlich am Haus der Vereine weiter. Bodo Ladwig wandte sich kurz an die Gäste, dankte stellvertretend für alle der Bundeswehr, den Feuerwehren, dem THW und dem DRK. Und allen, die durch ihren Einsatz und durch ihre Spenden diesen Tag möglich gemacht haben.

Auch in nächster Zeit wird es kaum ruhiger

Für den Bürgermeister selbst blieb auch am Montag kaum Zeit zum Verschnaufen. Ganze drei Tage Urlaub hat er sich im zurückliegenden Jahr gegönnt. Drei Vollzeitjobs hat er unter einen Hut gebracht: Schadensbeseitigung in der Gemeinde und auch bei sich zu Hause, Bürgermeister für alle üblichen anfallenden Arbeiten in der Gemeinde sowie seine eigentliche Arbeit in der Agrargenossenschaft. Und ruhiger wird es wohl vorerst nicht werden. Denn der Wiederaufbau hat bis auf das Dorfgemeinschaftshaus in Kabelitz noch nicht mal richtig angefangen. "Es gibt noch jede Menge zu tun. Da können wir auf die Unterstützung der Verbandsgemeinde bauen", wandte er sich an Bürgermeister Bernd Witt. Beiden wäre es lieber, wenn sich schon mehr tun würde, aber alle Bauprojekte seien ordentlich vorzubereiten und bei manchen Angelegenheiten seien ihnen die Hände gebunden, weil noch Dinge zu klären sind, auf die man keinen Einfluss hat. "Es rührt mich immer wieder sehr, dass in Zeiten der Not Menschlichkeit und Herzlichkeit an erster Stelle stehen", sprach er noch einmal die große Solidarität aus der ganzen Republik an, "dadurch haben wir Kraft und Zuversicht gesammelt!"

Zu den Helfern gehörte beispielsweise das Bildungswerk Blankenburg. Dessen Mitarbeiter Hans Klingner hatte eine ganze Kiste voller "Sorgenfresser-Plüschtiere" mitgebracht. Und als Vorsitzender des Pferdesport- und Naturfreundevereins Blankenburg lud er eine Abordnung des Wuster Kindergartens zur demnächst anstehenden Eröffnung des Erlebnisbauernhofes ein. Dort werden dann auch Ziegen stehen. Eine brachte er mit nach Fischbeck und schenkte sie Bodo Ladwig symbolisch für die Deichpflege.

Eine Skaterbahn für die Jugend der Region

Nachhaltig in der Region helfen wollen auch Ursula und Ulrich Taubert aus Münster: Sie haben bereits Spenden organisiert und sich im November die kaputte Sportanlage angesehen. Da ihnen die Jugend am Herzen liegt, wollen sie hier aktiv werden und eine Skaterbahn errichten. "In Münster ist die Titus GmbH mit dem Urvater des Skateboard-Sports in Deutschland, Titus Dittmann, beheimatet. Wir versuchten, Kontakt zu diesem stark umworbenen Mann herzustellen. Die Gelegenheit bot sich bei dem Weihnachtsmarkt in dem Stadtteil, in dem Herr Dittmann wohnt. Er versteigerte zu Gunsten seiner Organisation ,Skat aid` verschiedene Dinge, die Geld in seine Organisation bringen. Sie baut in der Welt Skateanlagen und organisiert Skateboard-Veranstaltungen. Wir ersteigerten ein Trainingsbrett für das Gleichgewichtstraining, das Titus Dittmann mit einer Widmung von Schauspieler Til Schweiger erhalten hatte. Wir übergaben Herrn Dittmann anlässlich der Übergabe des Bretts einen Brief, in dem wir auf ein mögliches Projekt in Fischbeck hinwiesen." Mit der Übergabe dieses Brettes samt Widmung "...Auf dass ihr bald wieder rollen könnt!" soll sich in Fischbeck und Umgebung eine Skater-Gruppe bilden. Gibt es genügend Interessenten, wollen sich Tauberts für den Bau einer großen Anlage auf dem Sportplatz stark machen.

Mit allerlei Deftigem und Süßem, mit der Blaue-Herzen-Show und Musik der Wedeler Chaotenband, die nach einer Spende im Herbst nun gratis für die Fischbecker spielte, verging der Tag sehr schnell. Abends machte "Music-Fun" aus Schönhausen Musik, so dass die Zeit bis zur Andacht und zum Zeitpunkt des Deichbruchs vor einem Jahr um 0.02 Uhr schnell verging.

Die Kollekte spendet die Kirchgemeinde den Hochwasser-Opfern auf dem Balkan.

   

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