Klietz (asr) l Gern hätten die Pächter der Gartensparte "Waldesruh" am Klietzer Ortsrand der Jury des Kleingartenwettbewerbes ein anderes Bild präsentiert. Aber seit der Flut vor einem Jahr sieht es noch recht trostlos aus auf dem Stück Land, das in 27 Parzellen aufgeteilt ist. Denn nur 13 befinden sich in einem gepflegten Zustand - hier wächst Obst und Gemüse und die Besitzer haben ein gemütliches Plätzchen zum Verweilen.

54 Vereine lassen ihre Anlagen dieser Tage für den jährlich mit Unterstützung der Volksstimme stattfindenden Wettbewerb begutachten. "Waldesruh ist außer Konkurrenz dabei", erklärt der Vorsitzender der Gartenfreunde Stendal, Manfred Meckel. Er war am Dienstag mit Marita Grothe, Bernd Zimmermann und den Fachberatern Georg Wilke aus Tangerhütte und Paul Heim aus Osterburg auch nach Klietz gekommen. In früheren Jahren waren die "Waldesruher" erfolgreicher, einmal haben sie in ihrer Kategorie sogar gewonnen und eine Prämie für ein Fest bekommen. Doch davon sind sie dieses Jahr weit entfernt.

Denn im Juni 2013 war die Anlage westlich der B107 fast komplett geflutet worden, an der tiefsten Stelle stand das Wasser einen Meter hoch. Auch die Parzelle von Helga Lenz und Günther Tredup war betroffen. Zwölf Jahre haben sie sich hier mühsam alles aufgebaut, "die Laube habe ich selbst Stein auf Stein gebaut. Den Beton musste ich mit der Schippe mischen, denn Strom für einen Mischer haben wir hier ja nicht", erzählt der 69-Jährige. Viel Herzblut haben er und seine Partnerin in den Garten gesteckt. Und dann war plötzlich alles hin! Das Inventar in der Laube landete auf dem Müll, "sogar der schwere Gasherd ist im Wasser getrieben". Eine dicke Schlammschicht bedeckte die Beete, auf denen gerade die Erdbeeren reif geworden waren. Nur zwei Apfelbäume überlebten das Stehen im Wasser. "Wir hatten noch angefangen, mit Schippe und Karren die Schicht abzutragen. Aber nach einer Stunde haben wir alles hingeschmissen - es war einfach nicht zu schaffen", erinnert sich Helga Lenz an die Schwerstarbeit ohne sichtbares Ende. Da kam es ganz gelegen, dass Nachbarn in die Sparte "Immergrün" wechselten. Deren Garten hatte zwar auch zur Hälfte im Wasser gestanden, aber die Laube blieb wenigstens trocken. Also wechselte das Paar den Garten. Auf der neuen Fläche ist nichts mehr von der Flut zu sehen: Kartoffeln, Zwiebeln, Erbsen, Salat, Erdbeeren - alles steht gut da. "Die Freude darüber ist allerdings nicht mehr ganz so groß. Es ist eben nicht unser Zuhause, das wir selbst geschaffen haben." Aufzugeben kam den beiden Senioren aber dennoch nicht in den Sinn. "Wir haben eine kleine Wohnung im Ort und verbringen die meiste Zeit hier draußen." Deshalb haben sie sich noch einmal an die Arbeit und alles urbar gemacht.

Das taten auch die anderen in "Waldesruh". Viele sind es nicht mehr. Von den 13 belegten Parzellen hat noch die Arge vier gepachtet. Ein-Euro-Jobber kümmern sich um Frisches für die Havelberger Tafel.

Manfred Meckel bedauert die Situation der Klietzer. "Hier muss dringend geholfen werden. Generell ist eine Lösung für Parzellen zu finden, für die es keine Nutzer mehr gibt. Das Land urbar zu machen und zurück an den Eigentümer zu geben, ist sicher kein Problem. Aber auch die Lauben müssen abgerissen werden, was bei den Bauten aus Stein und oftmals noch Asbest nicht so einfach ist. Aus eigener Kraft können es die Nutzer gar nicht schaffen. Vor allem für die Gefluteten hier in ,Waldesruh` muss die Politik eine Lösung finden", versprach Manfred Meckel, diesen Zustand an vorgesetzter Stelle anzusprechen.

Auch wenn die Zukunft für "Waldesruh" nicht so rosig ist - die Verbliebenen lassen sich die Freude am Gärtnern nicht nehmen. Und im Juli feiern sie auch wieder ihr Gartenfest.

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