Sandau | Das Grundwasser in Sandau wird immer mehr zum Problem: Im Wulkauer Weg drang es inzwischen in alle Keller vor, weitere Höfe stehen unter Wasser. Manfred Kaluza wohnt seit 16 Jahren in seinem neuen Haus, dass Wasser in seinem Garten stand, musste er bis dato noch nicht erleben. Jetzt gelangt er trockenen Fußes nicht mehr zu seinen Fahrrädern. Als Alternative musste er einen Steg bauen, aber auch Gummistiefel helfen gegen die Misere. Er hofft, dass die jungen Obstbäume das alles überleben.

Zehn Zentimeter hoch steht seit einigen Tagen das Wasser im Keller von Volkhard Meyer am anderen Ende des Weges. Es ist wohl weit über 20 Jahre her, dass er dies erleben musste. Früher habe Sandau ein funktionierendes Grabensystem besessen, davon ist leider nicht mehr viel übrig geblieben, bedauert er.

Die Vernässung am Wulkauer Weg, die von den Anwohnern so noch nie erlebt worden war, begann vor drei Jahren. Seit zwei Jahren steht das Wasser permanent an der Erdoberfläche, teilweise ist die angrenzende Böschung des Kirchberges bereits abgerutscht. Für die Bewohner ist dies eine enorme Belastung, denn es droht am Ende die Unbewohnbarkeit der Häuser.

Kürzlich wurde der Landtagsabgeordnete Nico Schulz (CDU) mit der Problematik konfrontiert. Er bat den Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft LHW um eine Stellungnahme. "Die Anwohner haben den Schaden nicht verursacht, darum muss ihnen jetzt auch geholfen werden", begründete der Osterburger.

Doch das Problem ist nicht auf Sandau beschränkt, vor allem der Süden und die Mitte Sachsen-Anhalts weisen hohe Grundwasserstände auf, erhielt er als Antwort. Die Ursachen sind vielfältig. Seit vier Jahren sind verstärkte Niederschläge zu verzeichnen, teils über 40 Prozent mehr als in den Vorjahren. Eine weitere Ursache ist die verringerte Unterhaltung der Gräben, geschuldet auch der Tatsache, dass das Land die Förderung der Verbände auf Null zurückgefahren hat. Hinzu kommen eine stark verminderte Entnahme von Grundwasser für Trinkwasser, Landwirtschaft und Industrie sowie die oftmals fehlende Berücksichtigung der Grundwasserverhältnisse bei Baumaßnahmen. Die Hälfte der über 500 Grundwassermessstellen weisen landesweit bislang nie erreichte Höchstwerte auf.

Eine Entspannung ist erst mal nicht im Sicht, eher das Gegenteil: Im Gefolge des Hochwassers der Elbe wird das Grundwasser noch weiter ansteigen.

Nico Schulz hofft, dass der LHW bei der Ursachensuche unterstützt, da es ein landesweites Problem ist. Zusammen mit LHW, Unterhaltungsverband und Kommune sollte eine Lösung für Sandau gefunden werden. Das Thema wird auch im Mittelpunkt der nächsten Ratssitzung stehen, kündigte Bürgermeister Henry Wagner an. Doch wie dem Problem beizukommen sei, weiß auch er derzeit nicht. Zumal der finanzielle Spielraum der Stadt äußerst eng begrenzt ist.