Übers Katastrophenmanagement wurde kürzlich in Klietz informiert: Ein Gast der Versammlung der Bürgerinitiative Hochwasserschutz war Sebastian Stoll vom Landkreis.

Klietz l Bei Hochwasser ist es sehr wichtig, die Wasserstandsprognosen zu kennen. Im Bundesland ist dafür der Hydrologe Frank Goretzka zuständig, der Angestellte des Landesbetriebes für Hochwasserschutz ist zugleich Chef der Vorhersagezentrale. Diese war nach den Erfahrungen der Flut von 2002 geschaffen worden, die damaligen Meldewege waren ineffizient gewesen.

Die Zentrale ist auch für die Nebenflüsse der Elbe wie Saale und Mulde zuständig, im Ernstfall ist sie mit bis zu acht Leuten besetzt, normal mit fünf. Die Saale als Flut-Entstehungsgebiet hatte im Vorjahr eine bedeutende Rolle gespielt. Die Zentrale wertet unter anderem die Daten des Wetterdienstes aus, die Informationen fließen an die Landkreise. Insgesamt 26 Pegel und 67 Pegelstationen gibt es zwischen Torgau und Geesthacht, im Süden ist Dresden zuständig.

Das Problem im Vorjahr: Ein Durchfluss von 5000 Kubikmetern Wasser pro Sekunde war in Magdeburg noch nie dokumentiert worden. Das Computermodell zur Berechnung der Flut war nur auf den Stand von 2002 kalibriert gewesen, die Vorhersagen 2013 waren entsprechend ungenau.

Im Landkreis ist der Beigeordnete Sebastian Stoll für den Katastrophenschutz zuständig. Dazu zählen neben Fluten auch Brände, Stürme oder Epedemien. Der Krisenstab wird im Katastrophenfall zur technischen Einsatzleitung - er hält Verbindung zu den Kommunen, den Wasser- und Feuerwehren sowie zu Firmen. 20 Einsatzschwerpunkte hatte es im Landkreis während der Flutkatastrophe gegeben.

Enormer Personalaufwand

Die Wasserwehr-Satzung der Verbandsgemeinde ist seit 2007 in Kraft, informierte Bernd Witt. 44 Kilometer Deichanlagen sind zu verteidigen - ein erheblicher Personalaufwand von etwa 130 Leuten. Die Deichläufer müssen rund um die Uhr wachsam sein: Im Vorjahr waren in der Region immerhin 360 Schadstellen an den Schutzwällen registriert worden, sogar an deren Füßen gab es Risse.

Das Material für die Deichwachen wird im Amt gelagert, bei Hochwasser müssen die Wachen organisiert und ausgerüstet sowie die Deiche gesperrt werden. Ein Problem, das noch nicht gelöst werden konnte, sind die bei Stromausfall unterbrochenen Kommunikationswege. "Wir sind noch nicht dort, wo wir hinwollen", resümierte Bernd Witt.

Fischbecks Bürgermeister Bodo Ladwig hatte die Kommunikation nach dem Deichbruch als ebenso katastrophal in Erinnerung: Fünf Tage lang war die Rinderanlage dort auf sich allein gestellt gewesen, bei einem Not-Telefonat wegen einer raschen Evakuierung wurde er in Stendal auf den nächsten Tag vertröstet. "Die Betreuung von Stendal aus funktionierte nicht, das muss kreisübergreifend erfolgen" meinte Landwirt Dieter Northe mit Blick nach Genthin. Mit Wust habe das gut geklappt, bekräftigte ihn Klaus Wittmüß.

Landwirt Otmar Kapl will als Konsequenz eine zweite Verteidigungslinie um die Scharlibber Schweinemastanlage ziehen, eine Evakuierung der 8000 Tiere ist unmöglich. Auch sei Klietz ein geeigneter Ort für den Krisenstab - dann wäre er mitten im Geschehen.

Das Land dürfe sich beim Hochwasserschutz nicht nur auf die Bauwerke verlassen, es seien weitere Retentionsräume und zweite Verteidigungslinien um die Orte nötig, erklärte BI-Vorsitzender Arno Brandt aus Kamern zum Abschluss.

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