Mit einem Glas Sekt in der Hand steht Fritz Kleemann vor den Männern, die ihm vor einer Woche halfen, die vom Hochwasser eingeschlossenen Rinder an Land zu bringen. Er sucht nach Worten des Dankes, "aber dafür gibt es keine Worte. Ich bin einfach unendlich glücklich, dass alles wie am Schnürchen gelaufen ist".

Garz/Molkenberg. "Mit ihm hier hat alles angefangen", schlägt Fritz Kleemann dem Verbandsbürgermeister Bernd Witt dankend auf die Schulter. Ihn und alle anderen Helfer hatte der Molkenberger Rinderzüchter zum Dankeschön-Essen in die Warnauer Fischerstube eingeladen. "Und dann ging alles so schnell. Drei Tage nach dem ersten Hilferuf im Schönhauser Amt konnten wir die Rinder per Fähre von der Wiese holen." Dem Senior, der morgen seinen 79. Geburtstag feiert, ist die Erleichterung anzumerken. "Die letzten beiden Nächte konnte ich endlich wieder durchschlafen", kommt er eine Woche nach der Aktion langsam zur Ruhe. "Ich habe hoch gepokert, als ich glaubte, das Wasser steigt nicht so hoch und die Herde kann auf der Wiese an der Havel überwintern. Ich habe verloren. Aber nicht alles. Denn mit vereinten Kräften konnten wir die Tiere retten, keines hat auch nur eine Schramme davongetragen." Vor genau einer Woche waren die Charolaise mit der alten Sandauer Fähre von der Wiese zum sicheren Ufer an der Garzer Schleuse gebracht worden, nun stehen sie trocken und sicher in Warnau.

Das Schönhauser Verwaltungsamt, das Havelberger Ordnungsamt, Fährbesitzer Ronald Pleil, das Wasser- und Schifffahrtsamt Brandenburg und die Havelberger Wasserschutzpolizei sind die Institutionen, die bei der Rettung halfen, dazu kamen Landwirte der Region. "Man schimpft immer über die Bürokratie in Deutschland. Aber hier hat alles super geklappt! Ich allein hätte das niemals bewältigen können", erzählt Fritz Kleemann.

"Für uns war das selbstverständlich, Hilfe zu organisieren", erklärt Bernd Witt. Auch wenn viel Zeit investiert wurde – in Rechnung gestellt wird sie nicht, "Fritz Kleemann ist gestraft genug". Denn er muss rund 5 000 Euro aufbringen, die der Einsatz des Schubbootes einer Berliner Firma kostet. "Ich kann jetzt nicht jammern. Denn ich bin ja selbst Schuld an der ganzen Sache. Aber lieber so, als wenn die Rinder jetzt in Hamburg treiben würden." So ergeht es vielen Wildschweinen und Rehen, die im Eis eingebrochen sind, berichten die Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes gestern in Warnau. Von der Wiese sei nur noch ein ganz kleines Stück frei, die Rinder hätten längst im Wasser gestanden. 4,18 Meter hoch war die Havel gestern Mittag, etwa 12 Zentimeter kommen noch dazu, so die Prognose für heute. Der Höchststand von 4,47 Metern aus dem Jahr 2002 werde damit laut jetzigem Stand nicht erreicht.

Mit dem Verkauf von Rindern will Fritz Kleemann die Rettung finanzieren. Auf die Frage, wieviele Rinder er denn behalten wolle, sucht er nach einer Antwort. "Nur ein paar", greift seine Frau ins Gespräch ein, "sonst sind wir 90 und haben immer noch Rinder!" Mit einer Kuh hatten Kleemanns nach der Wende mit der Zucht begonnen und sich nach und nach die Muttertierherde aufgebaut.

Dass sie zum Mittagessen eingeladen worden sind, freute die Helfer. Genau wie Fritz Kleemann sind auch sie froh, dass die Rettungsaktion geglückt ist.