Lehmanns in der Klietzer Seestraße denken dieser Tage oft an den Juni 2013. Ein Jahr ist es her, dass ihr Grundstück am Ufer des Sees geflutet wurde. Sie blicken mit Wehmut zurück auf die Dinge, die verloren sind, freuen sich aber auch über Neues.

Klietz l Das Fischbecker Deichbruchwasser erreichte in der Nacht zum 13. Juni Klietz und ließ den See um drei Meter anschwellen. Lehmanns und ihre Nachbarn in der Seestraße konnten zugucken, wie das Wasser über die Ufer des Sees stieg und Meter um Meter erst den Garten bedeckte und dann auch das Haus erreichte. Die Kaninchen in den Buchten der Gartenlaube holte Uli Lehmann noch schnell im Rucksack durch das schon bauchhoch stehende Wasser. Voller Sorge beobachteten er und seine Frau Karla die immer bedrohlicher werdende Situation, räumten Möbel aus und brachten in Sicherheit, was möglich war.

Wasser, Öl und Fäkalien bilden stinkende Brühe

Das Wasser kam aber nicht nur vom See auf das Haus zu, sondern auch über das schon geflutete Bundeswehrgelände die Seestraße entlang von vorn und setzte die Grundstücke unter Wasser. Plötzlich sprudelte auch noch das Grundwasser in Fontänen durch den Kellerboden. Und zu allem Überfluss drückte das Abwasser durch die Leitungen Fäkalien in Lehmanns Keller. Zusammen mit dem Öl der dem Druck nicht standhaltenden Ölbehälter bildete alles eine stinkende, schmierige Masse, die bis zur Decke stand. Und zwar lange. Sieben Wochen dauerte es, bis der Keller wieder leer war. Lehmanns, die zusammen mit ihrem West White Highland Terrier "Velo" vorübergehend bei der Bundeswehr Quartier bezogen hatten und dann bei der befreundeten Familie Westfeld aufgenommen wurden, richteten sich nach rund drei Wochen in der oberen Etage mehr schlecht als recht ein und begannen mühsam mit dem Aufräumen. Die Sanierung des Hauses, das wie alle anderen in der Seesiedlung aus dem Jahr 1936 stammt, koordinierte die Versicherung. "Wir hatten wirklich Glück, dass uns diese Aufgabe durch den Handwerkerservice unserer Versicherung abgenommen wurde. Größtenteils waren es heimische Firmen, die beauftragt wurden." Uli Lehmann, Zivilbeschäftigter bei der Bundeswehr, erzählt, dass die Außenwände von der Kellersohle bis ins Erdgeschoss drei Meter hoch komplett erneuert wurden, die Kellerdecke ist neu eingezogen worden. "Nur so konnten wir den Gestank beseitigen", sind Lehmanns froh, dass die Bauarbeiten sich jetzt dem Ende neigen. Drinnen hat sich nur wenig verändert, denn die Möbel, sogar die Einbauküche, konnten ja gerettet werden.

Bäume am Seeufer müssen gefällt werden

Dagegen sieht es im Garten ganz und gar nicht aus wie früher. Das sich langsam zurückziehende Wasser hatte eine Brachlandschaft und viele tote Fische zurückgelassen. Die fünf Meter hohe Hecke mit Lebensbäumen als Grenze zum Nachbargrundstück ist verschwunden, der schöne Kirschbaum steht nicht mehr, die hier selten vorkommende Hemlocktanne hat die Nadeln verloren, der Apfelbaum mickert vor sich hin und die großen Bäume direkt am Ufer müssen im Herbst wohl auch gefällt werden. Statt Gemüsebeeten wachsen lediglich Kartoffeln im Garten, nur ein paar bunte Blumen gibt es. "Den Garten bestellen wir erst nächstes Jahr neu, das war jetzt nicht zu schaffen."

Karla Lehmann erzählt, wie sie nach der Flut Hilfe vom DRK bekamen, das drei ältere Herren schickte, um beim Wegschippen des Schlamms zu helfen. "Die haben sich wirklich abgemüht! Allein hätten wir das gar nicht geschafft." Lehmanns sind nicht nur den Kindern, den Freunden und den Hilfsorganisationen dankbar, sondern insbesondere der Bundeswehr, die Quartier und Abstellplatz zur Verfügung stellte und auch beim Aufräumen half.

"Wichtig ist, dass wir uns haben!"

Hadern Lehmanns mit den Folgen der Flut? "Um viele Dinge ist es schade, vor allem um die großen, schattenspendenden Bäume. So viel Lebenszeit bleibt nicht mehr, um neue Bäume groß wachsen zu sehen. Die ganze Situation hat an den Nerven gezerrt und tut immer noch sehr weh. Aber wir freuen uns auch an Neuem und wenn wieder ein Stück geschafft ist. Wichtig ist doch, dass wir uns haben. Andere haben noch mehr verloren als wir - das Schicksal teilen wir mit vielen anderen Flutopfern im Elbe-Havel-Land." Wenn alle Arbeit geschafft und der Garten neu angelegt ist, können Lehmanns ihr schönes Seegrundstück, auf dem sie seit 1981 zu Hause sind, auch wieder genießen.

In der Gemeinde Klietz waren 14 Grundstücke mehr oder weniger stark von der Flut betroffen.

 

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