Havelberg. Dass die Stadtverwaltung Havelberg das Havelhochwasser auf die leichte Schulter nimmt, diesen Eindruck hatte Flussbereichsleiter Reinhard Kürschner vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz gestern. Aus der Zeitung musste er erfahren, dass die Deichwachen im Havelberger Gebiet eingestellt worden waren – obwohl an der Havel noch immer die Alarmstufe IV gilt, also die höchste Stufe. Dass die Wachen abgezogen wurden, darüber war er im Vorfeld nicht informiert worden.

Um das Gesagte zu untermauern, ging es zum Haveldeich am Lütowturm kurz vor Vehlgast. Hier hatten Eisschollen sogar die Grasnarbe vom Deich beschädigt, das Wasser stand hier gestern zudem noch recht hoch. Weiter hinten, neben der Jäglitz, waren Wühltierschäden zu sehen – auch das war dem LHW nicht gemeldet worden. "Deichwachen habe ich hier noch nicht gesehen", sagte auch Arno Mahlke von der LHW-Außenstelle aus Havelberg.

In diesem Bereich streifen der Ortsbürgermeister Udo Mintus aus Vehlgast und Dieter Härtwig vom Havelberg Ordnungsamt, informierte Ordnungsamtsleiter Klaus Heidrich auf Nachfrage. Die Haveldeiche würden nur an ausgewählten Schwerpunkten bestreift, da nicht einmal überall Wasser an den Wällen stehe. In den Ortschaften sind die Ortsbürgermeister Ansprechpartner, das habe bislang immer ganz gut geklappt. Und im Übrigen gelte an der Havel nur noch die Alarmstufe III – aber die Wachen seien nur an den Elbdeichen eingezogen worden. Er wolle sich dennoch selbst ein Bild vom Deich am Lütowturm machen, kündigte der Amtsleiter an.

Die LHW-Fachleute ärgert auch die mangelhafte Kommunikation der Stadtverwaltung, so wurden im Vorfeld die Schwerpunkte nicht abgestimmt. Bei Vehlgast wären dies die Baustelle oder der Deich im Bereich Kümmernitz, wo es einige Fehlhöhen gibt.