70 Grabmale werden zur Bundesgartenschau 2015 Havelregion auf den Mustergräbern zur in Havelberg stattfindenden Friedhofsausstellung präsentiert. Dafür hatte der Buga-Zweckverband einen Steinmetzwettbewerb ausgeschrieben. Gestern wählte die Jury 70 Arbeiten aus.

Nitzow l 44 Steinmetze aus ganz Deutschland sind dem Aufruf des Zweckverbandes gefolgt und haben 130 Entwürfe im Maßstab 1:1 in Papierform eingesendet. Um die "Grabzeichen" der Jury ordentlich präsentieren zu können, war eine große Halle erforderlich. Mit der Festhalle am Schützenplatz in Nitzow wurde ein geeigneter Ort gefunden. Dort wurden die Zeichnungen an Bauzäunen aufgehängt. Hinzu kamen die Modelle im Maßstab 1:10.

Bevor die Jury, der Friedhofsgärtner, Steinmetze, Steinbildhauer sowie Vertreter der Deutschen Bundesgartenschau Gesellschaft (DBG) und des Zweckverbandes angehörten, gestern jedoch tätig werden konnte, entführte sie der Ausstellungsbevollmächtigte der DGB Rainer Berger zum alten Domfriedhof in Havelberg. Der viele Regen hatte für eine hohe Luftfeuchtigkeit gesorgt, weshalb so manche Arbeit in der Ausstellung nicht mehr gehalten hatte und neu aufgehängt werden musste.

Grabmale bilden Basis für die Grabgestaltung

Der Domfriedhof, der in den vergangenen Monaten für den Themenbereich "Grabgestaltung und Denkmal" vorbereitet worden ist, löste Begeisterung bei den Jury-Mitgliedern aus. Das wird ein guter Ausstellungsbereich, ist ihr Fazit. Dieser ist bei Bundesgartenschauen ein vielbesuchter und beachteter Bereich. "Dort werden die zeitgenössischen Meisterwerke der Friedhofsgartenkunst und der Steinmetzkunst sowie des Steinmetzhandwerks präsentiert", erklärte Rainer Berger das Interesse.

Die Grabzeichen bilden die Grundlage für die Grabgestaltung. Die Steinmetze, Holz- und Metallbildhauer - darunter auch Vertreter aus den Buga-Standorten - hatten bestimmte Ausschreibungskriterien zu beachten. Ganz wichtig ist dabei die Schrift, sagte Hermann Rudolph, stellvertretender Bundesinnungsmeister des Deutschen Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerks. Die Formensprache spielt eine Rolle und die Grabmale sollten nicht so laut, schreiend oder plakativ sein. Renate Behrmann von der DBG betonte, dass bei der Auswahl für die 70 Mustergrabflächen Wert auf verschiedene Materialien gelegt wird. Beachtet werden sollte auch der Ort, wo das Grabzeichen stehen soll.

"Es geht um die Erinnerung an Menschen; an die, die nicht mehr da sind", hob Hermann Rudolph die Bedeutung von Grabmalen hervor. Er sprach von Verortung und festem Bezugspunkt. Diese Bedeutung hat sich im Laufe der Jahre gewandelt. Feste Grabstätten sind nicht mehr jedermanns Sache. Die Menschen sind mobiler geworden. Der Wandel in der Gesellschaft zieht sich durch das ganze Leben bis hin zur Bestattungskultur. Doch stellt der Fachmann, der seit 30 Jahren Steinmetz ist und nun die dritte Buga als Jury-Mitglied begleitet, auch ein Hinwenden zu individuellen Grabzeichen fest. Der mittlere Bereich, der einen eher normalen Grabstein mit verhältnismäßig geringem gestalterischen Aufwand bevorzugt, wird kleiner. Dafür entscheiden sich mehr für etwas Individuelles.

Anregungen genau dafür gibt die Friedhofsausstellung im nächsten Jahr zur Buga.

Nach der Wahl der Grabzeichen erfolgt als nächstes die Zuordnung zu den 70 Mustergräbern - Einzel-, Doppel- und Urnengräber - und die Auslosung der Friedhofsgärtner, die das Grab gestalten. Neu sind sogenannte fließende Gräber, die nicht mehr die übliche quadratische oder rechteckige Form haben, sondern eher geschwungen gestaltete Pflanzflächen sind, erklärte Anne Wandke, technische Assistentin im Bereich gärtnerische Ausstellung des Zweckverbandes. Dafür haben Steinmetze extra Entwürfe abgegeben.

Moderner und lebendiger Friedhof ist das Ziel

Der Jury gehörte auch Manfred Freuken vom Bund deutscher Friedhofgärtner an, einst selbst erfolgreicher Teilnehmer bei Gartenschauen. "Der Grabstein ist die Basis für die Grabgestaltung. Ihn muss der Friedhofsgärtner kennen, die Pflanzen müssen dazu passen", sagt er. Er ist ein Verfechter moderner Grabgestaltung. "Es lebe der Friedhof" ist eine Kampagne von Friedhofsgärtnern, die den Friedhof als Ort für die Lebenden sieht. Ein Café oder ein Kinderspielplatz sollten kein Tabu sein. Der Trend gehe dahin, Friedhöfe für alle zu öffnen, sie attraktiver zu machen.

Renate Behrmann ging mit Georg von Gayl durch die Ausstellung. Er ist der Projektplaner der Friedhofsausstellung. Beide legten ihr Augenmerk darauf, wie viel individuelle Gestaltung in den Stein gelegt wird.

Wenn sich am 18. April 2015 die Tore der Bundesgartenschau zum ersten Mal für Besucher öffnen, wird sie auf dem alten Domfriedhof eine aus vielerlei Sicht interessante Ausstellung erwarten. Mit der Restaurierung der Anlage, dem Herstellen alter Wegeführungen und dem Einbringen friedhofshistorischer Pflanzen wurde ein ruhiger Rahmen gelegt. "Die Grabzeichen werden wie Edelsteine auf den einzelnen Mustergräbern stehen", sagte Georg von Gayl.

 

Bilder