Klietz ist beim Havelberger Wasserverband TAHV derzeit das "Sorgenkind": Nicht nur die Abwasserentsorgung muss neu geplant werden, auch die Wasserversorgung ist jetzt ein Problem: Das in der Wuster Heide geplante Wasserwerk kann nicht gebaut werden.

Klietz/Sandau l "Die Verbandsversammlung beschließt die sofortige Einstellung aller vorbereitenden Maßnahmen zur Errichtung eines neuen Wasserwerkes", heißt es lapidar im Beschlusstext des kürzlich in Sandau tagenden Gremiums. Bis zum Beschluss des Wirtschaftsplanes 2015 muss eine Lösung gefunden werden, heißt es weiter.

Das Problem: Vor dem Bau müssen Pumpversuche laufen, um die möglichen Fördermengen festzustellen. Diese begannen 2008. Die Naturschutzbehörde in Stendal forderte zudem einen Feldversuch zum Anstauen der Gräben, um so die Grundwasserabsenkung durch die Wasserentnahme auszugleichen. Dieser konnte aufgrund des Hochwassers im Vorjahr erst im Frühjahr starten, jetzt liegt das Ergebnis vor: Die Grundwasserabsenkung von maximal zehn Zentimetern kann nicht ausgeglichen werden. Damit wird es auch keine Erlaubnis für den Bau geben, denn hier handelt es sich um ein sensibles Niedermoorgebiet.

"Die Grundwasserstände schwanken allerdings laufend", gab Stadtwerkeleiter Günter Hasstedt zu bedenken. Als 2008 die Messungen begannen, lag der Wasserspiegel sogar noch einen halben Meter niedriger. Viel Zeit sei seitdem vergangen, man sei keinen Schritt weitergekommen.

Bis Juli 2015 Lösung finden

Doch die Uhr tickt: Spätestens im Juli kommenden Jahres muss eine Lösung für Klietz gefunden sein. Das Wasserwerk Wuster Heide sollte eigentlich schon im Vorjahr in Betrieb gehen. "Der TAHV kann nun keine Verantwortung mehr dafür übernehmen", begründete Günter Hasstedt den abrupten Ausgabenstopp.

Havelbergs Bürgermeister Bernd Poloski wies auf die Kehrseite des geplanten Wasserwerkes hin: Das Grabensystem im Niedermoor sei sensibel, darauf hatte der Unterhaltungsverband bereits hingewiesen. Man müsse klären, unter welchen Auflagen eine Schutzzone möglich wäre. Oder alternativ das Trinkwasser von anderswo heranholen.

"Es ist nicht zu fassen, dass die Wasserversorgung für Klietz in Frage gestellt wird - nur weil die Natur Einbußen hat!" ereiferte sich hingegen Bürgermeister Alfons Dobkowicz aus Schönhausen. Und Jürgen Masch aus Klietz meinte, dass in der DDR die Belastung viel höher gewesen sei.

Lange hatte es gedauert, bis endlich ein geeigneter Standort nahe des Wuster Dammes gefunden werden konnte, der alle hydrogeologischen Vorgaben erfüllte. Die Bundeswehr sicherte eine Beteiligung an den Kosten zu, denn das jetzige Wasserwerk, was sich am Rande des Übungsplatzes befindet, kann dort nicht weiter betrieben werden. Denn es benötigt wie alle Wasserwerke eine Schutzzone, die sich quer über den Übungsplatz erstrecken würde. Mit der Konsequenz, dass ein Übungsbetrieb dann nicht mehr möglich wäre. Zudem werden im Klietzer Wasser die Grenzwerte für Eisen überschritten.

Jetzt ist wieder alles auf Anfang. Viel Zeit bleibt dem TAHV nun aber nicht mehr...