Havelberg liegt bekanntlich am Wasser - entsprechend maritim sind die "Sehstücke", welche das Kulturprojekt Stadtinsel nun in seiner Galerie in der Langen Straße 1 präsentiert. Die Vernissage fand am Sonntag statt.

Havelberg l Wasser ist das beherrschende Thema der Werke, die bis Ende August in der Langen Straße 1 zu sehen sind. Man mag es kaum glauben: Was wegen der klaren Linien auf den ersten Blick wie eine Fotografie aussieht, ist in Wirklichkeit ein Gemälde - und allesamt sind Aquarelle. Der Laie denkt dabei in erster Linie an verwischte Farben - doch der Berliner Künstler Hans Gert Winter versteht sein Handwerk, seine Aquarellstriche sind oft auch sehr fein und klar gezeichnet. In den Wasserspiegelungen erkennt man dann jedoch das typische aquarellhaft Verwischte.

Ins Auge fällt vor allem ein hölzernes chaotisches Gebilde mitten im Wasser. "Es sind Bauten von Fischern in einer mexikanischen Lagune", berichtet der Berliner. Ihr Verwendungszweck ist unklar, sie dienen wohl als Lager. Zu sehen ist zudem eine aufgegebene Werft in Griechenland - die Eurokrise lässt grüßen. Eindrucksvoll ist auch die Lofotenserie - Schiffe mit Bergen im Hintergrund.

Auch experimentelle Zeichnungen sind in der einstigen Schuhmacherei zu sehen: Hierzu benutzte der Berliner altes Malwasser, ein Netz und Folie, was tolle Strukturen und Muster ergibt. Eigentlich ähnelt dieses Werk nun mehr einer Radierung. Der Zufall hatte ihm zu dieser Idee verholfen: Er hatte ein Stück Papier in dem Malwasser vergessen...

Die Bilder entstehen nach Skizzen, die vor Ort angefertigt wurden, auch Fotos sind behilflich. Einige der Bleistiftskizzen sind auch ausgestellt. "Die Bilder wirken wie Stillleben, sind aber nicht inszeniert sondern Alltag", erklärte Kurator Klaus Schröter bei der Vernissage am Sonntag. Die auf den Werken dargestellten Dinge teilen dem Betrachter etwas über jene Menschen mit, die sie zusammengestellt haben.

Der 1945 in Lüdenscheid geborene Hans Gert Winter hatte in Berlin Grafikdesign, Kunstpädagogik und Politologie studiert. An der Hochschule der Künste war er Meisterschüler, anschließend hatte er von 1971 bis 1991 einen Lehrauftrag für Semiotik - der Wissenschaft von den Zeichensystemen. Bis 2008 arbeitete er anschließend als Kunstpädagoge Georg-Büchner-Gymnasium in Berlin.

Die Ausstellung "Sehstücke" ist Mittwoch bis Sonnabend in der Zeit von 14 bis 18 Uhr oder nach vorheriger Anmeldung zu besichtigen.