Wie wird die berufliche Zukunft für junge Leute in der Region eingeschätzt? Das ist eine der Fragen, zu der die Volksstimme mit ihrer gestern gestarteten Umfrage die Meinung der Leser kennenlernen möchte. Heute lesen Sie, was die Schulabgänger selbst darüber denken.

Von Nelly Simon

Havelberg. Die Volksstimme hat sich bei den Schulabgängern in der Sekundarschule und dem Gymnasium in Havelberg umgehört und wollte wissen, wie sie ihre beruflichen Chancen in der Region einschätzen und was sie nach ihrem Abschluss vorhaben. Zwar haben die befragten Schüler unterschiedliche Ziele, doch eines haben sie alle gemeinsam: Die berufliche Perspektive spielt für jeden eine wichtige Rolle. Für viele hängt davon ab, ob sie hier bleiben oder die Stadt verlassen.

Alexander Deutschmann will zum Beispiel unbedingt in der Umgebung bleiben und als Kfz-Mechatroniker oder Lackierer arbeiten. "Ich glaube, dass ich hier in diesen Berufen gute Möglichkeiten habe", sagt er. Bei der Klietzer Bundeswehr hatte er bereits ein Vorstellungsgespräch und hofft jetzt, dass sie sich für ihn entscheiden. Seine Klassenkameradin Annika Herrmann ist ebenfalls optimistisch. Sie sucht gerade in der Nähe nach Ausbildungsstellen als Großhandelskauffrau. "In der Gegend gibt es einige Firmen, die den Beruf ausbilden. Hoffentlich bekomme ich irgendwo eine Stelle."

Sollte es nicht klappen, müsste sie sich nach Lehrbetrieben, die weiter weg liegen, umschauen, auch wenn sie im Moment lieber in der Umgebung bleiben möchte.

<6>Lars Franke würde ebenfalls gerne weiterhin in Havelberg leben. Doch er hat einen Beruf gewählt, der ihm das nicht ermöglicht. Lars möchte nach seinem Abschluss beim Zoll arbeiten. "In Havelberg kann ich in diesem Beruf nicht arbeiten. Aber ich möchte diesen Job eben unbedingt machen."

<7>Für die Ausbildung wegziehen, das würden fast alle Befragten in Kauf nehmen. Adrian Ruß hat sich als Gesundheits- und Krankenpfleger sowohl in der Region als auch in Städten wie Hamburg, Berlin, Magdeburg und Hannover beworben.

<8>"Wo ich hingehe, mache ich davon abhängig, wo ich einen Platz bekomme.. Diese Einstellung teilt er mit Katharina Buchholz. Nach dem Realschulabschluss wird sie vorerst auf der Schule in Stendal ein Berufsgrundbildungsjahr absolvieren. Danach möchte sie Bankkauffrau werden. Sie geht davon aus, dass sie eher in einer größeren Stadt wie Magdeburg einen Platz findet, als in der ländlichen Umgebung. "Hier gibt es ja nur wenige Bankfilialen."

<9>Für Mitschüler Tom Böhm steht fest, dass er Havelberg verlassen wird. Seine älteren Geschwister sind auch weggezogen. Das macht er ihnen nach und will in einer Stadt, am liebsten irgendwo im Norden, als Restaurantfachmann oder Bürokaufmann arbeiten.

<10>"In der Großstadt gibt es mehr Lehrstellen"

<11>"In der Großstadt gibt es mehr Firmen und somit auch mehr Lehrstellen", erklärt er und fügt hinzu: "Ich will aber nicht nur aus beruflichen Gründen weg. Ich will einfach mal was Neues erleben."

Auch Liesa Henke wird wegziehen. Die Sekundarschülerin hat bereits eine Lehrstelle in Uelzen als Gesundheits-und Krankenpflegerin. "Ich denke, in einer großen Klinik habe ich größere Übernahmechancen. Auch die Weiterbildungsmöglichkeiten sind besser."

Das sieht auch Joan Schulze so, die in diesem Jahr ihren Abschluss auf dem Gymnasium macht.

Die künftige Abiturientin möchte den selben Beruf erlernen. "Ich habe mich überall im Umkreis beworben. Einerseits glaube ich, dass ich in einem großen Krankenhaus besser auf die Berufswelt vorbereitet werde, aber andererseits will ich nicht weit weg ziehen. Ich werde dorthin gehen, wo ich genommen werde."

Ihre Klassenkameradin Franziska Caro hat bereits eine Lehrstelle ergattert. Als Bankkauffrau in Ratzeburg in Schleswig-Holstein. In Havelberg hat sie sich nicht beworben, weil ihr Vater in einer Bankfiliale tätig ist. "Ich wollte nicht, dass es heißt, ich hätte den Platz nur wegen ihm bekommen", stellt sie klar.

Doch was ist mit den Jugendlichen, die nach der Schule studieren wollen? Denen bleibt gar nichts anderes übrig, als Havelberg den Rücken zu kehren. Maximilian Stendel besucht die zwölfte Klasse des ortsansässigen Gymnasiums. Im Oktober beginnt er sein Studium zum Diplomfinanzwirt in Hamburg. "Dieses Studium wird in der Umgebung nicht angeboten."

Mitschüler Manuel Scharnbeck hat sich auch für die Hansestadt Hamburg entschieden. Er denkt, dass man als Abiturient in der Domstadt überqualifiziert sei.

Es gebe keine Universitäten und keine anderen Möglichkeiten, was aus dem Abitur zu machen. "Ich werde bei der Bundeswehr eine Ausbildung zum Offizier beginnen und dort auch ein Studium in Richtung Wirtschaft machen. Ich freue mich darauf, aber ich kann es mir gut vorstellen, irgendwann wieder zurück zu kommen."