Havelberger Pioniere starten am morgigen Sonntag nach Lettland, um dort im Rahmen der Kriegsgräberfürsorge einen Friedhof zu gestalten, auf dem gefallene deutsche Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg begraben sind. Seit fünf Jahren ist das Panzerpionierbataillon regelmäßig bei der Kriegsgräberpflege aktiv.

Havelberg l "Sie übernehmen eine verantwortungsvolle Aufgabe in der Kriegsgräberfürsorge und präsentieren in Lettland das Panzerpionierbataillon 803 Havelberg und die deutsche Bundeswehr", sagte Kommandeur Oberstleutnant Stefan Gruhn am Donnerstag zu den zehn Soldaten, die an dem Projekt teilnehmen. Er empfahl ihnen, den Kontakt mit Land und Leuten aufzunehmen, "zur Not auch mit Händen und Füßen", und zeigte sich sicher, dass die Pioniere mit viel Engagement an die Arbeit gehen werden.

Kooperation mit Letten

Die Soldaten unter Leitung des Kommandoführers Hauptfeldwebel Mario Groß steigen morgen in ihre Kleinbusse, um die rund 1200 Kilometer nach Skaistkalne (früher Schönberg) zurückzulegen. Die Stadt liegt rund 80 Kilometer südlich von Riga. Auf dem Friedhof sind gefallene deutsche Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg begraben. Über 40 Kreuze befinden sich auf dem hügeligen Areal, zudem einige Sammelgräber. Die Aufgabe der zehn Havelberger, darunter vier Reservisten, ist es, die teilweise abgebrochenen Kreuze zu reparieren und zu reinigen und das Gelände eben zu machen, damit die Gemeinde vor Ort den Friedhof leichter pflegen kann, erklärt Mario Groß. Mutterboden und Rasen werden aufgebracht, Grabumrandungen angelegt.

4500 Euro stehen vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge für diesen Einsatz insgesamt zur Verfügung. Arbeitsgeräte werden mitgenommen. Ein Teil der benötigten Baumaterialien wurde bereits gekauft, der Rest dann in Lettland. Untergebracht sind die Havelberger in der Militärakademie in Riga. Jeweils eine gute Stunde Fahrt müssen sie also täglich für die Hin- und Rückfahrt einplanen. "Das werden lange Tage", sagt der Kommandoführer, der sich im Mai mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut gemacht hatte. Als Dolmetscher steht ihnen der Geschichtslehrer von Skaistkalne zur Seite. Lettische Soldaten werden ebenfalls bei der Gestaltung des Friedhofes mitarbeiten.

Zum Abschluss des Einsatzes - die Rückkunft ist für den 2. August geplant - gibt es auf dem Friedhof eine Andacht mit einer Kranzniederlegung, eine Zeremonie, die überall üblich ist, wenn Kriegsgräber gestaltet worden sind. Mario Groß hat bereits vor zwei Jahren an einem solchen Einsatz teilgenommen. In Halberstadt wurde ein russischer Friedhof aufgearbeitet.

Freiwillig im Einsatz

"Ich bin Soldat und sehe es als meine Verpflichtung an dafür zu sorgen, dass gefallene Kameraden der Weltkriege und anderer Kriege einen angemessenen Ruheplatz haben." Wichtig ist es auch für Überlebende und Familienangehörige zu wissen, wo die Gefallenen ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Noch immer gibt es viele Suchanfragen von Angehörigen, weil sie nicht wissen, wo etwa ihre Väter oder Ehemänner im Krieg geblieben sind. Auch Bastian Brückner hat bereits Erfahrung in der Kriegsgräberpflege, war ebenfalls in Halberstadt tätig. Der Hauptgefreite hat sich ebenso wie seine Kameraden freiwillig für den Einsatz gemeldet. "Wir sind Pioniere. Wir schaffen etwas Sinnvolles für die Ewigkeit, wenn wir den Friedhof komplett restaurieren." Er freut sich auf interessante Erfahrungen in einem Land, das er bisher noch nicht kennt.

Das Panzerpionierbataillon 803 Havelberg ist seit fünf Jahren regelmäßig in der Kriegsgräberpflege aktiv. Einen Einsatz gab es zum Beispiel auch in Norwegen, berichtet Presseoffizier Mario Dabrowski.