Die Tage sind gezählt. Am 1. Januar 2015 gibt es das Führungsunterstützungsbataillon 382 der Bundeswehr nicht mehr. Mit Andacht, Festempfang und Benefizkonzert im beziehungsweise am Havelberger Dom hat sich die Einheit schon einmal von der Region und ihren Einwohnern verabschiedet.

Havelberg l "Schlussakkord in Moll - oder: Schluss mit Pauken und Trompeten" hieß es am Freitagabend auf dem Domplatz. Zum letzten Mal hatten die Führungsunterstützer und die Stadt Havelberg zum seit 2005 zur Tradition gewordenen Benefizkonzert eingeladen.

Der Abend begann mit einer Andacht im Dom, die der Havelberger evangelische Pfarrer Frank Städler und der katholische Militärpfarrer Georg Bäumel aus Burg gemeinsam zelebrierten. Anschließend versammelten sich die geladenen Gäste - darunter mit Heiko Mühlmann und Martin Ordelmans auch zwei ehemalige Kommandeure des Führungsunterstützungsbataillons in der Elb-Havel-Kaserne - im Kreuzgang zu einem Empfang.

Bürgermeister Bernd Poloski nutzte dabei die Gelegenheit, das Wort zu ergreifen. "Das Benefizkonzert heute ist zweifellos eine ganz besondere Veranstaltung", sagte er. "Ich nehme sie mit einem lachenden, aber leider auch mit einem weinenden Auge wahr. Denn mit diesem Konzert verabschiedet sich das Führungsunterstützungsbataillon 382, als aufzulösender Verband in der neuen Struktur der Bundeswehr, aus der Garnisonsstadt und damit auch aus dem Landkreis Stendal und dem Land Sachsen-Anhalt." Diese Tatsache bedauere er zutiefst, so Poloski.

Gemeinsame Herausforderungen

Das Führungsunterstützungsbataillon war in den letzten 13 Jahren - "in diesem Fall ist die 13 ganz und gar keine Glückszahl", fand das Stadtoberhaupt - ein fester Bestandteil der Elb-Havel-Kaserne und des städtischen Lebens. "Ich erinnere mich nur zu gut an die ersten Begegnungen in den Jahren 2000 und 2001", fuhr Bernd Poloski fort. "Das damalige noch Fernmeldebataillon bereitete mit einer Vorhut den Umzug von Blankenfelde nach Havelberg vor. Viele Voraussetzungen für eine komplette Stationierung mussten erst noch geschaffen werden. Unterkünfte, Technikgebäude und Ausrüstung gehörten unter anderem dazu. Es gab reichlich Arbeit für alle Beteiligten. Der erste Bataillonskommandeur, den ich kennenlernen durfte, war Oberstleutnant Jörg Seemeier, ein gestandener Mann, äußerst sympathisch und offenherzig - im zivilen Leben würde man sagen: ein Typ.

Keiner von uns beiden hatte bei diesen ersten Treffen wohl geahnt, welche gemeinsame Herausforderung uns schon einige Monate später erwarten würde." Der Bürgermeister richtete die Aufmerksamkeit damit auf den August 2002, als das sogenannte Jahrhunderthochwasser die Anrainer der Elbe und ihrer Nebenflüsse in Atem hielt. Erstmalig in der Geschichte der Hochwasserschutzentscheidungen kam es zur Öffnung des Neuwerbener Wehres - mit der Folge einer Elbscheitelkappung. Havelberg war in besonderem Maße von dieser Entscheidung betroffen. Nicht nur die gesamte Altstadt wurde mit entsprechenden Notdeichen zusätzlich geschützt. Mit Hilfe der Fernmelder und der Pioniere aus der Elb-Havel-Kaserne wurden auch Ortschaften, Straßen und Wege freigehalten und vor größeren Schäden bewahrt.

In 13 Jahren fünf Kommandeure

Fünf Kommandeure führten in den 13 Jahren das Fernmelde- und später das Führungsunterstützungsbataillon 382: Oberstleutnant Jörg Seemeier, Oberstleutnant Heiko Mühlmann (heute Oberst), Oberstleutnant Martin Ordelmans (heute Oberst), Oberstleutnant Thomas Zimmermann sowie aktuell Oberstleutnant Bernd Hansen. Letzterer befindet sich bis Ende Dezember dieses Jahres im Auslandseinsatz in Mazir-E-Sharif (Afghanistan). In der "Halbzeitpause" des Benefizkonzertes am Freitag wurde er allerdings per Satellit und Beamer live auf eine große Leinwand auf den Domplatz geschaltet, um den Havelbergern auch persönlich seine Grüße übermitteln zu können.

"Alle diese Kommandeure suchten engen Kontakt zu den Havelbergern, brachten sich und ihre Soldaten bei vielen städtischen Höhepunkten und Veranstaltungen immer wieder ein und halfen, wo sie helfen konnten. Es war eine tolle und unvergessliche Zusammenarbeit", würdigte der Bürgermeister und erinnerte daran, dass zusammen mit den Angehörigen des Bataillons noch zwei weitere Katastrophen bewältigt wurden: das Hochwasser 2006 und das Hochwasser 2013. "Jeder Kommandeur hat in Havelberg seinen Schluck Wasser abbekommen", kommentierte der Redner mit einem Schmunzeln. Auch sehr schöne Anlässe und weitere gemeinsame Aktionen habe es gegeben. Zum Beispiel das jährliche Benefizkonzert mit dem Luftwaffenmusikkorps 4 aus Berlin, die Verabschiedungs- und Willkommensappelle der Auslandseinsatzkräfte, der jährliche gemeinsame Neujahrsempfang oder der Bootskorso und der traditionelle Pferdemarkt. Kurzum: "Die Angehörigen des Führungsunterstützungsbataillons haben in all den Jahren zweifellos ihre Spuren in Havelberg hinterlassen. Dafür möchte die Hansestadt Havelberg heute nachdrücklich Dank sagen und dem Bataillon Anerkennung und Hochachtung zollen."

Deep-Purple-Medley als Überraschung

Anschließend erlebten alle Ehrengäste zusammen mit 225 zahlenden Zuschauern - was über 1800 Euro Spendengeld für das Soldatenhilfswerk einbrachte - auf dem Domplatz ein berauschendes Konzert des Heeresmusikkorps Neubrandenburg, in großer Big-Band-Besetzung. Oberstleutnant Christian Prchal, der den Taktstock schwang, erwies sich auch als ein ausgezeichneter durch das Programm führender Moderator. Das Orchester überraschte die Zuhörer mit einem Streifzug durch die verschiedensten Stilrichtungen. Angefangen vom "Alten Dessauer Marsch" über "My Fair Lady", den "tollkühnen Männern in den fliegenden Kisten", Des Großen Kurfürsten Reitermarsch und Bert- Kaempfert-Melodien bis hin zu rockigeren Klängen wie einem Beatles- und einem Deep-Purple-Medley. Und letztlich durfte auch die "Berliner Luft" im Programm nicht fehlen.

Tosender Applaus verabschiedete die Militärmusiker - allerdings erst, nachdem sie dem begeisterten Publikum noch den Wunsch nach zwei Zugaben erfüllten.

   

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