Nein, es waren nicht die Lauscher des amerikanischen Geheimdienstes NSA, welche in der Vorwoche mit Peilantennen bewaffnet durch die Havelberger Region streiften. Vielmehr waren die Trupps auf der Suche nach Teichfledermäusen, einer in Deutschland sehr seltenen Art.

Von Ingo Freihorst

Müggenbusch l "Im Vorjahr hatten wir unter den abgefangenen Fledermäusen auch Jungtiere und weibliche Teichfledermäuse mit angetretenen Zitzen gefunden, ein Indiz auf Wochenstuben", erklärte Peter Busse aus Sandau, der das Abendseglercamp im Forsthaus Rothehaus nahe Müggenbusch organisierte. In den Wochenstuben ziehen die Fledermäuse ihre Jungen auf, eine Art Kindergarten auf Zeit.

Weil Teichfledermaus-Wochenstuben im Bundesland und der Umgebung bislang noch nie nachgewiesen worden waren, beschafften sich die Experten von der Arbeitsgruppe "Fledermäuse in Sachsen-Anhalt" in diesem Jahr zur Ortung dieser Unterkünfte Peilsender samt Antennen. Das Geld spendete die Stiftung Umwelt-, Natur- und Klimaschutz des Bundeslandes (SUNK).

Sender auf dem Rücken

So fand denn in diesem Jahr vorm 17 Jahre alten Abendseglercamp erstmals noch ein Teichfledermauscamp statt. In der Nacht wurden Tiere dieser Art abgefangen und bekamen mit medizinischem Hautkleber einen Peilsender auf den Rücken geklebt. Das winzige Gerät ist ein halbes Gramm schwer und sendet bis zu sechs Tage lang ein Funksignal, das in bis zu zwei Kilometern Entfernung geortet werden kann. Erst wird mit Rundstrahlantennen gesucht, dann mit gerichteten Antennen.

Dank dieser modernsten Technik war die Aktion von Erfolg gekrönt. Auf einem Privatgrundstück in einem Ortsteil von Havelberg wurde anderntags die in Auflösung befindliche Wochenstube mit immerhin noch 30 Tieren gefunden. Die Jungen waren bereits flügge, es waren also anfangs wohl noch mehr Tiere. - Den genauen Ort verrät Peter Busse nicht, um sowohl die äußerst seltenen Tiere als auch die Bewohner vor Nachstellungen zu bewahren.

Um die zwölf Fachleute, darunter auch Ornithologen, hatten sich danach auch am Abendseglercamp beteiligt, welches am Wochenende hinterm Forsthaus stattgefunden hatte. Sie kamen aus verschiedenen Bundesländern, jede Nacht wurde gearbeitet.

Dabei wurde auch eine Fransenfledermaus besendert: Weil jeder Sender mit einer eigenen Frequenz arbeitet, kann man mehrere Tiere gleichzeitig verfolgen. Nach einer bestimmten Zeit fällt der Sender übrigens von alleine wieder ab.

Suche nach Abendseglern

Bei den Abfängen sichteten die Fachleute natürlich Abendsegler sowie Breitflügel-, Rauhhaut-, Zwerg- und Mückenfledermäuse. Zudem viele Wasserfledermäuse, sogar seltene Mops- und Bartfledermäuse sowie Teich- und Fransenfledermäuse. Auch den fliegenden Säugetieren setzt die Hitze zu, sie weichen deshalb oft in kühlere Quartiere aus.

Eine weitere Suche galt dem kleinen Abendsegler, diese elegant aussehende und in Baumhöhlen lebende Art jagt in großer Höhe und ist dabei sehr schnell. Das wird den Tieren bei Windkraftanlagen zum tödlichen Verhängnis, ihr Bestand nimmt derzeit ab. Das Besondere: Die kleinen Tierchen fliegen zum Überwintern bis nach Spanien, eine für sie enorme Strecke.

Gesucht wird die Art an Waldwegen mit Pfützen, diese ziehen Insekten und natürlich deren Vertilger, die Fledermäuse, magisch an. Im kommenden Jahr soll dann die Telemetrie, wie die Peilsuche in der Fachsprache heißt, dieser Art gelten, erklärte Bernd Ohlendorf von der Referenzstelle für Fledermausschutz. Ein Dankeschön von ihm ging an die SUNK, welche auch Geld für Klammern bereitstellte, mit denen die Tiere gekennzeichnet werden.

Die Peilsender werden übrigens in Sachsen-Anhalt angefertigt - in Dessau. Der Firmenchef war eigens mit nach Müggenbusch gekommen. "Diese Minisender sind weit besser als jene aus den USA oder Australien", schwärmte Peter Busse. Da kann der "große Bruder" USA mitsamt seiner NSA wohl sogar noch von den Deutschen lernen - denn Hauptabnehmer solcher Peilsender sind natürlich die Geheimdienste.