Wust l "Bei der Planung der kulturellen Abendveranstaltungen waren wir uns einig, dass die Flut noch einmal eine Rolle spielen sollte", stimmt der Sommerschulleiter Jörg Hellmuth am Montagabend die Besucher im Speicher auf die Vorträge ein. Die Entscheidung war richtig, "denn das ist heute neuer Zuschauerrekord", freute er sich über die vielen Gäste. Während Hartwin Ebel aus Sydow Fotos, die er und Anke Schleusner-Reinfeldt im Sommer 2013 in Wust und Fischbeck gemacht hatten, auf Leinwand abspielen ließ, berichtete Bürgermeister Bodo Ladwig von den dramatischen Stunden am 9. Juni auf dem Deich, wie ihn um 0.10 Uhr die Nachricht ereilte, dass der Wall gebrochen sei und er zur Milchviehanlage flüchtete, wo er und weitere sechs seiner Kollegen in den kommenden Tagen alles Menschenmögliche taten, um die 1100 Rinder zu retten.

Noch heute sei unverständlich, dass es der Krisenstab nicht möglich machen konnte, einen Dieselbehälter einzufliegen, um die Notstromaggregate betreiben und die Kühe melken zu können. So war man - nachdem aller Kraftstoff von den Traktoren abgezapft war, auf die kleinen Kanister, mühsam mit Booten herangefahren, angewiesen. "Dafür bin ich der Feuerwehr und Fischer Quaschny unendlich dankbar." Klaus Wittmüß, der mit Frau und Hund erst am Mittwoch evakuiert wurde, schilderte ebenfalls die bangen Tage und seine schnelle Wiederkehr, um mit den rund 20 Gebliebenen vor Ort alles zu regeln. "Am schlimmsten war es, die toten Tiere einzusammeln!" Und dann musste nach und nach das Leben der Wiederkehrenden organisiert werden. Abfallentsorgung, Stromversorgung, Waschsalon, Essenzubereitung - es waren viele Kleinigkeiten, um die sich der Krisenstab kümmerte.

15 Häuser in der Gemeinde sind bereits abgerissen oder stehen kurz davor, 307 Häuser sind geschädigt. Die privaten und zahlreichen kommunalen Schäden, die fast alle noch zu beheben sind, machen zusammengerechnet über 30 Millionen Euro aus.