Das 19. Ultraleichtfliegertreffen in Havelberg hat am Sonnabend viele Besucher ins Modellsportzentrum gelockt. Gern kommen auch die Piloten in die Hansestadt. Manch einer teilte das Freiheitsgefühl hoch oben in den Lüften und nahm Besucher mit ins Cockpit.

Havelberg l Neben verschiedenen Doppeldeckern und solchen Unikaten wie dem "fliegenden Gartenstuhl" oder dem Wikinger gehörten zwei Gyrokopter zu den Hinguckern beim Ultraleichtfliegertreffen im Modellsportzentrum. So mancher Besucher nutzte das Angebot der Piloten zu einem Mitflug. So auch der Havelberger Michael Möhring.

Etwas skeptisch war er zunächst, ob sein Magen wohl solch einen Flug in luftiger Höhe frei sitzend ohne Fenster oder Dach überstehen würde. Doch sofort nach der Landung ging sein Daumen hoch. "Es war ein entspannter Flug, der Blick auf die Havel und auf unser Haus auf der Stadtinsel war toll", zeigte er sich begeistert. Pilot Bernd Krüger war schon zum vierten Mal mit seinem Gyrokopter - oder auch Tragschrauber genannt - in Havelberg. "Das ist einfach faszinierend hier, allein die Kulisse ist klasse, und wo sonst darf man auf einem Modellflugplatz landen", sagt der Mann aus der Nähe von Wolfenbüttel. "Außerdem trifft man viele Gleichgesinnte, die genauso luftverrückt sind wie ich."

Wie es ihm gelingt, skeptischen Besuchern die Angst vor einem Mitflug zu nehmen, erklärt er so: "Sie sehen, wie einfach das hier geht. Und wer hier starten und landen kann, der kann auch fliegen." Eine Warnung gibt er seinen Fluggästen dann aber doch: "Es besteht die Gefahr, dass es süchtig macht."

Die Havelberger Modellsportler freuen sich an diesem Sonnabend über den großen Zuspruch von Seiten der Piloten und der Zuschauer. Der Vorsitzende des Fördervereins des Modellsportzentrums Thomas Wojtalla wechselt sich in der Moderation mit Andreas Velten ab. Beide sind ebenfalls UL-Flieger, können Interessantes berichten. Die Zuschauer bekommen viel zu sehen. So zum Beispiel den Verbandsflug mehrerer Doppeldecker, Fallschirmabsprünge und Tiefdecker mit Einzelfahrwerk. Aus Sandau und Stendal waren Thomas Gniech und Andreas Steinkopf angereist. In rund 1300 Metern Höhe stiegen die Mitglieder des Stendaler Vereins Skydive aus den Ultraleichtfliegern aus. Nach gut drei Sekunden öffnete sich ihr Schirm in etwa 800 Metern Höhe und sie schwebten zur Erde zurück.

Zum ersten Mal als Ultraleichtflieger kam Normen Klatt nach Havelberg: mit einem Drachentrike. Den Modellflugplatz kennt er sehr gut, viel Freizeit hat er in seiner Kindheit und Jugend dort als Modellflugzeugbauer verbracht. Jetzt genießt er es, selbst zu fliegen und die Freiheit in den Lüften zu genießen. Inzwischen in Bielefeld zu Hause, machte er sich zum ersten Mal im Flieger auf den weiten Weg in seine alte Heimat. Immerhin drei Stunden Flug sind es, genauso viel Zeit braucht er mit dem Auto auch. Seine Mutti Heidi Klatt hat er am Freitag zu einem Flug eingeladen. Sie hatte bis dahin schon Angst, mit in das fliegende Trike zu steigen. Doch als ehemalige Fallschirmspringerin - während ihres Sportstudiums gehörte das mit zur Ausbildung - dachte sie sich, dass sie ihre Angst überwinden und den Testflug wagen sollte "Es war richtig toll, es hat Spaß gemacht", ist das Fazit der Lehrerin.

Weil das Hochwasser im vergangenen Jahr zum Ausfall des Treffens führte, gab es in diesem Jahr erst die 19. Auflage. Im nächsten Jahr, zur Bundesgartenschau 2015, findet dann das 20. Ultraleichtfliegertreffen in Havelberg statt.

   

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