Schönhausen (tro) l Mit zwei Gottesdiensten wurde im Pfarrbereich Schönhausen an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor genau 100 Jahren erinnert. Im Rahmen einer Trauerliturgie wurden dabei die Namen der Gefallenen stellvertretend für alle Opfer des Krieges verlesen. In Schönhausen waren es über 80 und in Schollene beinahe 60 Männer, die an den Fronten in Frankreich, Russland und Galizien den Tod fanden. Kaum einer von ihnen hatte das dreißigste Lebensjahr erreicht.

Allein an diesen Zahlen lässt sich ermessen, welchen tiefen Einschnitt die vier Jahre Krieg bedeuteten. In seiner Predigt erinnerte Thomas Roloff besonders an zwei Mordtaten, die am Anfang und am Ende des Krieges standen, an das Attentat von Sarajewo, dem Franz Ferdinand d´ Este mit seiner Gemahlin zum Opfer fiel, und an die Erschießung von Kaiser Nikolaus II. mit seiner ganzen Familie in Jekaterinburg.

Er sagte: "Der vor 100 Jahren heraufziehende Weltkrieg war ganz ohne Zweifel eine gewaltige und verhängnisvolle Katastrophe. Ich behaupte: Das christliche Europa hat sich von ihr nicht mehr erholt." Im Zusammenhang mit einer vorgetragenen dramatischen Schilderung der Kriegsrealität in den Schützengräben vor Verdun stellte der Prediger fest: "Die Schilderung der Wahrheit über den Krieg ist immer ein flammender, ein flehender Appell gegen den Krieg." Dann fuhr er fort: "Der Erste Weltkrieg war der Anfang eines Zeitalters der Vernichtung. Er formte eine Weise der Kriegsführung, in der Menschen bedeutungslos wurden. Ohne überhaupt noch ein klares militärisches Ziel ausmachen zu können, wurden Soldaten zu Zehn- und Hunderttausenden in den Tod getrieben. Weil man sich aber nicht eingestehen wollte, in welche Sinnlosigkeit man sich hineinmanövriert hatte, wurde die Strategie der Zermürbung oder des Ausblutens des Feindes erdacht. Nein, es war nicht erdacht, es war die Perversion von allem, was man menschliches Denken nennt."

Die Christen sind aufgerufen, auch mitten in den Krisen und Kriegen unserer Tage das Bekenntnis der siebten Seligpreisung aufrechtzuerhalten: "Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen." Unter diesem Bibelwort standen die beiden Gottesdienste und waren Teil des Themenjahres "Frieden auf Erden", das aus Anlass des 100. Jahrestages des Weltkriegsausbruchs im Pfarrbereich ausgerufen wurde.