In Brandenburg an der Havel steht seit vielen Jahren ein Stein kopf. Der Besitzer des Grundstückes hat sich nun intensiver mit diesem Fundstück beschäftigt und herausgefunden, dass dieser Wegweiserstein ursprünglich nahe Havelberg gestanden haben muss.

Havelberg/Brandenburg(Havel)(maz) l Zwölf Jahre lang hat Ralf Krombholz gewartet: 2002 hat er das Grundstück Plauer Straße 1/Klosterstraße 16 gekauft, seitdem mustergültig hergerichtet mit Restaurant, Gewerberäumen und Wohnungen. Im schmalen Innenhof, wo unter anderem die Kräuter für die Restaurantküche wachsen, steht auch ein steinernes Geschichtszeugnis - ein Wegweiser-Stein. Den hat der Käufer mit dem Grundstück erworben.

"Es scheint, als wäre er abgebrochen. Er steht ja auf dem Kopf, die Bruchstelle nach oben. Irgendwo muss ja ein Sockel gewesen sein", sinniert Ralf Krombholz. Eines Tages wurde er neugierig. "Da fiel ein sanftes Streiflicht auf den Stein, das habe ich ausgenutzt, um ihn zu fotografieren. Am Computer konnte ich das Bild drehen und die Inschrift entziffern" (siehe Infokasten). Nachdem dies gelungen war, nahm der Denkmalschützer und Bauexperte Kontakt zum Prignitz-Museum in der Hansestadt Havelberg auf, welches im Dom-Komplex untergebracht ist. Es entwickelte sich ein reger E-Mail-Verkehr. "In meinem Besitz befindet sich ein Wegweiserstein, der sich ursprünglich auf halbem Weg zwischen Havelberg und Nitzow befand. Anbei sende ich Ihnen ein Foto dieses Steins. Soweit der Stein wieder an ursprünglicher Stelle aufgestellt werden soll, kann ich ihn gerne zur Verfügung stellen. Anderenfalls würde ich den Stein bei Gelegenheit in die Gartengestaltung eingliedern", schrieb Krombholz.

"Grundsätzlich sind wir an allen Zeugnissen Havelberger Geschichte interessiert."

Bernd Poloski, Bürgermeister der Hansestadt Havelberg

Antje Reichel ist Diplom-Museologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Prignitz-Museum. "Ganz herzlichen Dank für Ihr Angebot zum Wegweiser, der scheinbar in Toppel gestanden hat. Wir sind natürlich sehr interessiert an dem Stein. Für eine Aufstellung wäre die Stadtverwaltung zuständig. Ich bin mir aber sicher, dass sowohl die Stadt als auch der Heimatverein diesbezüglich positiv denken", schrieb sie zurück nach Brandenburg an der Havel.

Geld oder Anerkennung will Krombholz für den Stein gar nicht haben, seine einzige Bedingung ist, dass er wieder am Ursprungsort aufgestellt wird. Er hat auch keine Eile. "Der Stein frisst kein Gras, ich harre der Dinge, die da kommen werden. Als alter Bürokrat weiß ich, dass es manchmal etwas dauert", sagt der ehemalige Amtsleiter und Baubeigeordnete.

Bis zu Havelbergs Bürgermeister Bernd Poloski war die Nachricht bisher noch nicht gedrungen, er kommt gerade aus dem Sommerurlaub. Dennoch ist er begeistert. "Grundsätzlich sind wir an allen Zeugnissen Havelberger Geschichte interessiert." Er müsse nun gemeinsam mit den Museumsmitarbeitern sowie den Stadtverwaltern recherchieren zur geschichtlichen Bedeutung und Einordnung des Wegweisersteines, Zustand sowie Kosten und Aufwand sind zu betrachten. Schließlich muss das gute Stück abgeholt, transportiert, mit einem neuen Sockel versehen und aufgestellt werden.

Zudem muss herausgefunden werden, ob es den genauen früheren Standort des Hinweis-Steines noch gibt, ob dieser bebaut ist oder ob sich die Fläche noch in städtischem Besitz befindet. Gleichwohl verspricht der Bürgermeister: "Ich werde sofort den telefonischen Kontakt zu Herrn Krombholz aufnehmen, das lassen wir uns wohl nicht entgehen."

Zudem sei er selbst ohnehin alle paar Wochen in Brandenburg an der Havel wegen der Zusammenarbeit in Vorbereitung der Bundesgartenschau im nächsten Jahr, da werde er einen Abstecher in die Klosterstraße machen und nach "seinem" Stein schauen.