Die Kunde vom Spinnertreffen in Garz ist inzwischen bis hoch nach Rostock gedrungen - ein Trio kam am Sonnabend aus dem Mecklenburgischen auf die Havelhöfe.

Garz l "Die meisten Spinnertreffen finden tief im Süden Deutschlands statt, da ist es ja bis hier nur ein Katzensprung - das muss man doch nutzen", erklärten Birgit Sedl, Christiane Quiring und Katrin Amft. Im Internet waren sie auf die Seite des "Havelspinners" Rainer Wittenburg gestoßen. Hier in Garz wollte das Trio bei dessen Treffen mal "über den Gartenzaun schauen", Erfahrungen mit Gleichgesinnten austauschen. Im Internet hatten sie sich vorher den Ort auf Fotos angeschaut - aber in Wirklichkeit sei er viel schöner, schwärmten die Gäste aus dem Norden.

Sie sind im Spinnkreis Retschow - im erst kürzlich nach einer Gebietsreform neu gebildeten Landkreis Rostock-Mecklenburg gelegen - organisiert. Im dortigen einstigen Pfarrhaus drehten sich schon zu DDR-Zeiten die Spinnräder. Die Kirchgemeinde hatte dies damals ermöglicht, viele der Interessierten können hier sogar dieses uralte Handwerk erlernen.

Im bereits seit zehn Jahren bestehenden Spinnkreis sind inzwischen mehrere Generationen vertreten, berichtet Birgit Sedl - als sie dort anfing, waren es nur betagte Rentnerinnen. Jetzt sind auch etliche Jüngere vom "Spinn-Virus" befallen, zudem wird fleißig gestrickt und Wolle mit Naturfarben gefärbt. Natürlich haben sie auch eine Auswahl ihrer Produkte mitgebracht - aber nur zum Anschauen.

Hightech-Spinnrad besitzt vier Gänge und zwei Pedale

Organisator Rainer Wittenburg betrachtete natürlich gleich einen der Webstühle - dessen Spule dreht sich kugelgelagert. Das dadurch superleise Hightech-Spinnrad besitzt vier Gänge und zwei Pedale - so kann die Spinnerin auch mal den tretenden Fuß und je nach Wollart die Gänge wechseln. Gefertigt wurde das gute Stück im Mecklenburgischen in einer Garage, der Hersteller ist schon über 80 Jahre alt. Trotz der Finessen kostet das Gerät nur 250 Euro - dafür bekommt man sonst nur gute gebrauchte. Gute neue Spinnräder kosten schon mal bis zu knapp 600 Euro, ansonsten ist der Preis nach oben offen.

Das älteste Spinnrad beim Treff besaß übrigens Gabriele Schulz von der Klietzer Spinngruppe - es hat immerhin etwa um die 120 Jahre auf dem Buckel. Aus dieser Truppe waren zudem Ulrike Salzmann und Christel Lühmann nach Garz gekommen. Deren Produkte konnten Besucher gern käuflich erwerben - mit den Einnahmen kann das nicht ganz billige Hobby besser finanziert werden.

Organisator Rainer Wittenburg, der inzwischen auf den Havelhöfen wohnt und eine Ausstellung sowie eine Werkstatt eingerichtet hat, besitzt selbst um die 15 Spinnräder. Einige hatte er davon ausgestellt. Auf dem Hof zeigte er, wie eine Kardiermaschine funktioniert. Mit dieser Nagelwalze wird die verfilzte Wolle zum Spinnen aufbereitet.

Zwei dunkel gehaltene Räder aus Neuseeland hatten die sieben Mitglieder der "Spinnweben" aus Rathenow mitgebracht, dieser Truppe gehört auch Rainer Wittenburg an. Ein Spinnrad mit einer runden Holzscheibe stammt aus Holland - "sie sind nicht schön, aber funktionell", meinte Rainer Wittenburg dazu.

Mit dabei war auch die Filzdesignerin Natascha K. Cronacher aus Hohennauen - ihr nächster Filzkurs auf den Havelhöfen ist für Oktober geplant. Diesmal hatte sie unter anderem diverse schmucke Hüte mitgebracht, sogar eine Hochzeitsecke hatte sie eingerichtet.

Draußen saßen Gäste aus Berlin, die viele Wollprodukte und ähnliches anboten. Anna Schulze arbeitete an einem Webstuhl im Miniformat - das aus den USA stammende Gerät heißt "Inkleloom". Damit können Bänder mit diversen Mustern gewebt werden. Die Berlinerin spinnt seit 35 Jahren und leitet in der Hauptstadt seit 15 Jahren die "Berliner Spinner" an, auch hier sind viele junge dabei. Zur Klarstellung: "Wir sind die unpolitischen Spinner in Berlin."

 

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