Vier gefährliche Deichabrutschungen hatte es im Vorjahr bei der Flut auf Höhe Hohengöhren gegeben. Jetzt ist das Areal eine riesige Baustelle, der Schutzwall wird DIN-gerecht saniert.

Hohengöhren l "Der Hohengöhrener Deich wurde von den Einsatzkräften aufgegeben!" Diese Schreckensmeldung geisterte am 10. Juni 2013 zeitgleich mit der Fischbecker Katastrophe durch die Nachrichten. Das Problem in Hohengöhren: Niemand kam mehr trockenen Fußes an die Abrutschungen heran. Zum Glück hielt der Deich stand - wohl auch, weil Hohengöhrener die Stelle vom Boot aus unter Lebensgefahr sicherten.

Dass kein Herankommen an den Deich mehr ist, soll künftig nicht mehr passieren. Deshalb werden die Wälle bei ihrer Sanierung auch gleich mit einer befahrbaren Berme auf der Landseite ausgestattet. Auf deren Asphaltstreifen können schwere Lkw zwecks Deichverteidigung noch entlangfahren, wenn die Krone bereits aufgeweicht ist.

Zudem wird der Deichkörper durch die viereinhalb Meter breite Berme zusätzlich stabilisiert. Sie ist wasserdurchlässig, so kann die Böschung nicht mehr aufweichen. Der Deich selbst erhält eine ein Meter starke Tondichtung.

Ein Teil des alten Deichkörpers konnte stehenbleiben, er war vorher untersucht worden. Der Altdeich wird abgetreppt, darauf wird dann der neue Deichkörper aufgebaut. Riesige Bagger tragen Schicht für Schicht ab, an anderen Stellen wird der Ton von entsprechenden Walzen eingearbeitet. Im Vorland befinden sich zwei große Lagerplätze, wo Transporter unermüdlich Erdmassen heranschaffen.

"Insgesamt 45000 Kubikmeter Sand-Kies-Gemisch und 20000 Kubikmeter Ton werden auf der Baustelle verarbeitet", berichtet Planer Daniel Wolkenstein vom Büro PPN aus Neuruppin von den enormen Dimensionen. Etwa hundert Meter Deich werden zudem durch Betondeckwerk vor Eisgang geschützt.

Baumaßnahme kostet etwa 2,9 Millionen Euro

Wegen der enormen Länge von 1,4 Kilometern wird in zwei Etappen gebaut. Dieses Jahr werden bis zum Wintereinbruch um die 800 Meter fertig. Weil die Gelder beizeiten bereitstanden, konnte schon im Mai mit den Arbeiten begonnen werden - finanziert wird der Bau komplett aus dem staatlichen Fluthilfefonds.

Die Ausschreibung hatte die Firma Kies und Umwelt GmbH aus Criewitz bei Schwerin gewonnen. "Insgesamt kostet diese Baumaßnahme um die 2,9 Millionen Euro", informierte Planer Steffen Kugust, welcher das Projekt im Auftrag des Bauherren, des Landesbetriebes für Hochwasserschutz LHW, betreut. Drei der Problemstellen sind bereits überbaut, die vierte ist jetzt in Arbeit.

Die Arbeiten kamen bislang gut voran. Begonnen wurden sie an der alten Panzerüberfahrt - hier liegen wie ein Mahnmal an 2013 immer noch diverse alte Sandsäcke von den Deichverteidigern. Das Wetter meinte es auch gut mit den Deichbauern. Der auf der Wasserseite angesäte Rasen ist im ersten Abschnitt bereits aufgegangen.

Wenn saniert wird, müssen die Vorgaben der deutschen DIN-Norm beachtet werden. Die besagt, dass die Böschungen eine Neigung von 1:3 haben müssen. Das war in Hohengöhren vorher nicht der Fall, die Böschung war mit 1:2 weitaus steiler gewesen. Zusammen mit der neuen Berme - auch diese wird in der DIN gefordert, allerdings nicht immer - wird der Schutzwall mindestens 15 Meter breiter. Und er wird auch höher, zwischen 50 und 70 Zentimeter. Dieser Sicherheitszuschlag wurde nach der Vorjahresflut aufgeschlagen.

Der komplette Bau - er endet an der Überfahrt am Grundstück Prigge - soll im November 2015 abgeschlossen sein. Der Bereich dahinter wurde auf 700 Metern Länge bereits saniert. Auf der anderen Seite der Baustelle - also in Richtung Schönhausen - wird der Deich danach auf 1,3 Kilometern Länge weiter saniert.

Auch auf Höhe Neuermark-Lübars wird bald gebaut: An dieser Deichbaustelle rücken die Arbeiter in der ersten Septemberwoche an.