Anlässlich des Tages der Domweihe am 16. August 1170 hatte das Havelberger Prignitz-Museum zu einer Führung zu den alten Grabplatten in Dom und Klostergängen eingeladen. 40 Kinder und Erwachsene folgten den interessanten Ausführungen von Museologin Sabine Ball.

Havelberg l "Wenn Tote reden könnten" lautete das Thema der Führung. Museologin Sabine Ball zeigte gleich im Eingangsbereich des Museums - dem einstigen Kloster - eine Grabplatte. Es ist der jüngste erhaltene Grabstein für den Rektor Adam Gehrendorf aus Bad Wilsnack, der 1711 verstorben ist. "Je älter die Steine sind, desto spärlicher sind die Informationen. Früher war das Geburtsdatum gar nicht so wichtig, sondern vielmehr der Eintritt ins Kloster."

Den Bischöfen und Domherren war es zunächst vorbehalten, im Dom die letzte Ruhestätte zu finden. Später konnte man sich auch einkaufen. Für eine Beerdigung im Dom mussten 50 Taler bezahlt werden, im Kreuzgang waren es 12 Taler und auf dem Friedhof im Klosterhof 6 Taler. Ihre Kollegin Antje Reichel hatte viele Informationen aus der Literatur zusammengetragen. Sie konnte an der Führung nicht teilnehmen, übergab Sabine Ball das Material. Dazu gehörten Zitate. Hier traten die Teilnehmer der Führung in Aktion und berichteten zum Beispiel über die Regeln, die Bischöfe für die Chorherren aufstellten. So mussten diese Stiefel tragen und sollten nicht ihre nackten Waden zeigen. Zwei Mark Silber waren beim Verstoß zu bezahlen.

Ritter zeugte 27 Kinder

Einen Eindruck, wie das Volk Gottesdienste im Dom erlebte, gab es mit der Einspielung eines alten Wechselgesangs, der zum Totengedenken gesungen wurde. Bekanntlich saßen die Bürger vor der Chorschranke. Der kaum einzusehende Altarbereich dahinter war den Prämonstratenser Chorherren vorbehalten. Der Wechselgesang stammt mindestens aus dem 10. Jahrhundert und ist in die Kirchenbücher als Lied "Mitten im Leben sind wir des Todes" eingegangen.

Die Grabplatten waren früher in den Boden eingelassen. Mit dem Einbau des Fußbodens und der Kirchenbänke stand die Frage, was mit ihnen geschehen soll. Viele Grabsteine wurden an den Wänden angebracht. Die der Bischöfe befinden sich nahe am Altar, dann folgen die Pröpste und danach die schlichteren Domherren. Es gibt insgesamt rund 60 Grabplatten, darunter auch von Domherren mit Kindern sowie von adligen Frauen und Männern und ihren Kindern. Der älteste Grabstein, rechterhand vom Altar, stammt aus dem Jahr 1291 und ist der des Bischofs Hermann, Markgraf von Brandenburg. In einer Seitenkapelle gibt es die Grabplatte des Ritters Christoph von der Schulenburg, der 1570 verstarb. Er hatte mit seinen Frauen für reichlich Nachkommen gesorgt: 27 Kinder hatte er. Von ihnen wurden einige Domherren.

   

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