Havelberg l Architekt und Baustatiker waren das berufliche Ziel von Lars Kripke. Lehre und Abitur waren fast geschafft, der Studienplatz ausgesucht. Da entschied er sich anders. Seine erste Frau kam aus einer Goldschmiede-Familie, hatte diesen Beruf erlernt. "Ich empfand inzwischen meinen Beruf als fürchterlich langweilig. Es gab nicht immer Baumaterial, man musste warten und sah nie ein Objekt fertig werden. Da hat mir die Arbeit des Goldschmiedes wesentlich besser gefallen", erzählt er im Gespräch mit der Volksstimme.

Er erlernte den Beruf und eröffnete vor 25 Jahren, am 1. August 1989, sein eigenes Geschäft in Havelberg. Familiäre Wurzeln führten ihn von Magdeburg aus in die Stadt, in der seine Großeltern zu Hause waren. Im Haus seines Opas Dr. Steffen am Markt durfte nach längerem Prozedere die kleine Boutique eröffnet werden. Eine Wohnung wurde dazu umgebaut. Schaufenster sollte es zunächst nicht geben, der Wohnraumcharakter erhalten bleiben. Der Kompromiss sind zwei kleine Schaufenster, wie sie noch heute am Haus zu finden sind. Das Geschäft hatte damals ein Viertel von der Fläche des heutigen.

Mal abgesehen davon, dass es an Baumaterial mangelte, fehlte es auch an Gold und Silber in der DDR. Entsprechend hoch waren die Preise. Ein Gramm reines Gold kostete 245 Mark, Silber 60 Mark. Aktuell ist das Gramm Gold für 30 Euro zu haben. Einem Jungmeister standen drei Gramm Gold pro Jahr zu. Was man damit machen kann? "Gar nichts", antwortet Lars Kripke. "Daraus kann man zehn Gramm 333-er Gold herstellen." Selbst Schmuck zu bauen, war nicht möglich, denn es waren ja auch Reparaturen zu erledigen. Doch wie das so war in der DDR: Mit Beziehungen kam man auch an Gold. Viel Schmuck wurde aus Silber gebaut. Das war auch nicht leicht zu bekommen. Aber zum Beispiel durch das Einschmelzen alter Bestecke wurde Material gewonnen.

Viel Geld hatte Lars Kripke investiert, um sein eigenes Geschäft zu eröffnen. Nur wenige Monate später war das alles nichts mehr wert. Die Mauer fiel, plötzlich gab es Gold und Silber zu Hauf. Der Goldpreis lag bei 9,50 Mark. "Ich war einmal komplett pleite", sagt Lars Kripke. Er nahm neue Kredite auf, fing noch mal von vorn an. Große Unterstützung erhielt er von seiner jetzigen Frau, die ihm während seiner Meisterausbildung viel Arbeit abnahm und den Laden managte. 1998 folgte dann nochmal ein kompletter Umbau. Die wirtschaftliche Lage ist über die Jahre nicht einfacher geworden. "Und pünktlich in meinem Jubiläumsjahr werde ich ausgeraubt", erinnert er an den nächtlichen Überfall auf sein Geschäft durch maskierte Täter im März dieses Jahres.

Das Goldschmiedehandwerk wird verdrängt durch Schmuckangebote aus aller Welt. Doch Lars Kripke liebt seinen Beruf. "Man unterhält sich mit dem Kunden, entwirft und baut den Schmuck. Das ist vom Anfang bis zum Ende reine Freude", sagt er. Aber auch das tägliche Geschäft mit der Kundschaft macht ihm Spaß.

Stolz ist er noch immer auf sein Meisterstück, das Kleopatra-Collier. Und die Amtskette des Bürgermeister in vergoldetem Silber. Die Wappen der einstigen Dom- und Berggemeinden Havelbergs sind abgebildet, ebenso das alte und das neue Wappen der Stadt. Ansonsten gibt es eine breite Vielfalt an Schmuckstücken, selbst kreiert nach den Wünschen der Kunden. Ein Armreif aus einer Gabel gehört genauso dazu wie eine eingefasste Tigerkralle für einen Zirkus oder Schmuck mit einer Münze und einem aus dem Urlaub mitgebrachten Stein.

An diesem Sonnabend will Lars Kripke mit seiner Kundschaft auf das Jubiläum anstoßen. Von 9 bis 13 Uhr gibt`s viel Gelegenheit zum Plaudern. Und auch Musik. Dieses Mal aber nicht live von ihm. Damit ist der Vorsitzende des Vereins "Kunst im Rathaus Havelberg", der gern zur Gitarre greift und singt, erst später am Tag in Jederitz zu erleben.