"Zurück zu den Wurzeln" heißt es beim Wasser- und Schifffahrtsamt: Für den Naturschutz werden jetzt Buhnen aus Totholz angelegt - deren Bauweise ähnelt jener zu Zeiten von Bismarck.

Schönfeld l Die Elbe ist auf weite Strecken ein unverbauter Fluss - was unter anderem darauf zurückzuführen ist, dass sie über Jahrzehnte als innerdeutsche Grenze herhalten musste. Zudem hatte die DDR nicht genügend Material, um den Fluss entsprechend auszubauen.

Dieser Glücksfall wird nun in den Plänen zur Gewässerunterhaltung vom Wasser- und Schifffahrtsamt WSA berücksichtigt: Einerseits muss die Wasserstraße entsprechend unterhalten werden, andererseits ist den Belangen des Naturschutzes Rechnung zu tragen - ein Spagat.

Dieser ist bei einem Pilotprojekt im Brandenburgischen gelungen. Im Wittenberger Raum wurden seit 2007 gute Erfahrungen mit sogenannten Totholzbuhnen gesammelt, eine Art Benjeshecke in der Elbe. Diese Erfahrungen griff nun auch der Außenbezirk Tangermünde des WSA Magdeburg auf. Gegenüber von Schönfeld entstehen gleich drei solcher Buhnen.

Angelehnt ist die Bauweise an jene aus früheren Jahrhunderten, als die Buhnen ebenfalls aus hölzernen Faschinen und Sandsteingroßpflaster errichtet wurden - so wird zugunsten des Naturschutzes zugleich historische Wasserbaukunst bewahrt.

Alte Baukunst bewahren

Für die "ökologisch optimierte Buhne" - so der Fachausdruck - wird das angrenzende Ufer, der Buhnenflügel, von den Schüttsteinen befreit. Zum Ufer hin wird auf der Buhne eine Flutmulde angelegt, diese wird somit zur Insel. In den mittleren Buhnenkörper werden haltbare Holzpfähle aus Douglasie und Lärche eingerammt, zwischen diesen wird das in und am Wasser aufgesammelte Totholz aufgestapelt und mit Seilen gesichert. Mit Naturstoffen wie Holz und Kies gefüllte Big Bags sichern das Ganze zusätzlich gegen Eisgang. Zuletzt wird auf dem Buhnenkopf das Kopfpflaster mitsamt der Vorlageschüttung instandgesetzt.

"Das alles kann aber nur dort geschehen, wo es baulich möglich ist", informierte Kati Erlecke, die Leiterin des WSA-Außenbezirks Tangermünde. Solch ein Areal befand sich am Elbufer gegenüber von Schönfeld. Hier werden gleich drei Buhnen in dieser Bauweise saniert, die erste im Vorjahr, zwei in diesem Jahr.

Klar ist den Wasserbauern aber auch, dass diese Öko-Buhnen mehr Pflege benötigen, vor allem nach Eisgang. Das Elbwasser nagt gewaltig an den Buhnenkörpern, zwischen tiefstem Niedrigwasser und höchstem Hochwasser klafft ein Unterschied von immerhin sieben Metern! Die Erfahrungen besagen jedoch, dass die Bauwerke eine Lebensdauer von etwa 20 Jahren besitzen, denn das im Innern zumeist verbaute Eichenholz verrottet nur langsam. Wie in einer Benjeshecke im Wald siedeln sich auch in den Faschinen in der Elbe allerlei Lebewesen an, die Buhne wird zum Biotop.

Für den Heimatfreund dürfte von Interesse sein, dass sich vor über 160 Jahren schon einmal jemand intensiv mit dem Buhnenbau bei Schönfeld befasste: Deichhauptmann Otto von Bismarck ließ nach der Walpurgis-Deichschau im Mai 1848 protokollieren, dass sechs "inclinirte Buhnen" das Deichvorland schützen sollen, denn dieses drohe abzubrechen.

"Wir können der Gemeinde Hoffnung machen, dass fiskalischerseits der Arbeitslohn bezahlt wird, ... obwohl der Fiskus dazu nicht verpflichtet ist" heißt es ferner. - Die Baukosten hatte also damals die Kommune zu tragen. Bis zur nächsten Deichschau sollte das Werk vollendet sein, ansonsten drohte eine Geldbuße von 30 Reichstalern.

Schönfeld legte Widerspruch ein - es argumentierte, dass das Ufer dem Gutsbesitzer aus dem westelbischen Niedergöhren gehöre. Dieser zahlte aber bereits die Instandsetzung dreier Buhnen, die restlichen sechs blieben der Kommune. Denn diese hatte diese Buhnen 1838 "unter Beihülfe des Staats" errichten lassen, argumentierte Bismarck. Doch hob die königliche Regierung die Forderung auf - der Gemeindedeich dort sei kein Hauptdeich und der als solcher geltende Landdeich wäre durch den Abbruch noch nicht gefährdet.

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