Schönhausen (asr) l Im Schönhauser Wiesengrund, wo das Fischbecker Deichbruchwasser am höchsten und längsten gestanden hatte, ist gerade das dritte Haus abgerissen worden. Während die Familien Mente und Thiemann bereits beim Wiederaufbau sind, geht es bei Borowskis erst im Herbst los.

Dass der Abrissbagger erst über ein Jahr nach der Flut anrollte, hatte seinen Grund. "Eigentlich wollten wir nicht neu bauen, sondern hofften, dass eine grundlegende Sanierung reicht", erzählt Holger Borowski, der 1986 zusammen mit seiner Frau und zwei Töchter in den Wiesengrund gezogen war. Über den Winter sollte alles austrocknen, und dann hat sich das Problem mit dem Schimmel sicher auch gelegt, hoffte das Ehepaar. Doch stattdessen kam ein weiteres Problem dazu: Risse in der Kellerwölbung. Die würden sich reparieren lassen, aber das Absacken des Fundaments nicht.

Ein Riss, der sich von der einen Seite zur anderen des Gebäudes zog, ist immer größer geworden. Irgendwann ließen sich die Fenster nicht mehr öffnen und eine Scheibe ist sogar gesprungen - ein Beweis dafür, dass das Haus auch so viele Monate nach dem Rückzug des Wassers immer noch in Bewegung ist. Nach Rücksprache mit Bauexperten fiel die unabwendbare Entscheidung, abzureißen. "Jetzt mit Mitte 50 noch einmal neu anzufangen, fällt nicht leicht. Auch wenn eine gute Versicherung hinter einem steht und es Wiederaufbaumittel gibt, so bleibt doch ein nicht unerheblicher Eigenanteil, den man finanzieren muss. Denn ein Haus bauen zu lassen und einzurichten, ist eine nicht zu unterschätzende Herausforderung, auf die ich gern verzichtet hätte", so Holger Borowski.

Schmerzlich ist für ihn und seine Frau Benita, dass die Flut bis auf das Schlafzimmer im Obergeschoss alles vernichtet hat, viele alte Möbel waren Erbstücke und damit Erinnerungen an die Kindheit zu Hause auf dem Schönhauser Damm. Was nicht direkt vom Wasser betroffen war, vernichteten Feuchtigkeit und Schimmel. Denn die Wiesengrundbewohner konnten erst nach über drei Wochen mühsam auf ihre Grundstücke gelangen.

Einheimische Firmen beginnen im September mit dem Neubau des Hauses. Es wird, da nur eine Etage ohne Keller, kleiner, jedoch die Bodenplatte höher gesetzt.

Seit die entkernte Ruine verschwunden ist, gewöhnen sich Borowskis an den Gedanken an ein neues Haus. "Anderen ergeht es ähnlich. Wir müssen jetzt nach vorn blicken und uns der Situation stellen."