Lange schon war sie in der Diskussion, im Juli hat sie begonnen: die Rückverlegung des Polderdeiches um Jederitz.

Jederitz l Es ist schon beeindruckend, was für gewaltige Technik bei einem Deichbau auffährt: Immerhin sechs Kubikmeter Sand fasst die Kippmulde des riesigen Frontladers. Das aus einer Kiesgrube nahe dem brandenburgischen Glöwen gewonnene Material ist für den Stützkörper des mitten auf einem Acker entstehenden Polderdeiches bei Jederitz bestimmt.

Verteilt wird der Sand mit modernster Technologie: Die Raupe fährt satellitengesteuert, die zuvor eingelesenen Höhen des Projektes werden also dank dieser GPS-Technik genau eingehalten. Neben dem entstehenden Deich ist eine Walze im Gange, sie verdichtet den Schotter für die künftige Baustraße. Eventuell bleibt diese später als Verteidigungsweg bestehen - was aber noch geklärt werden muss.

Der neue Polderdeich wird näher an Jederitz heranrücken - wogegen es im Ort Proteste gegeben hatte. Sogar der Petitionsausschuss des Landtages war hier gewesen - und hatte nach eingehender Prüfung die Rechtmäßigkeit der Deichrückverlegung bestätigt.

Ein Argument der Jederitzer war, dass der Altdeich noch in Ordnung wäre, schließlich habe er die Polderflutung 2002 gut überstanden. Doch im Vorjahr hatte hier "die Luft gebrannt", an vielen Stellen musste der Wall abgedichtet werden - wegen aufgeweichter Wege in Handarbeit. Zudem wurde sicherheitshalber ein Notdeich errichtet - in etwa auf der Trasse des jetzt entstehenden Walles.

Archäologen hatten diverse Urnen gefunden

Das alles wäre womöglich nicht erforderlich gewesen, hätten die Jederitzer dem Vorhaben gleich zugestimmt, so die Meinung von Reinhard Kürschner, Flussbereichsleiter des Landesbetriebes für Hochwasserschutz LHW in Genthin. Denn einige Jederitzer wollten ihr Land für den Bau nicht zur Verfügung stellen, wodurch ein langwieriges Enteignungsverfahren nötig wurde.

Somit konnte erst im Juli dieses Jahres mit dem Bau begonnen werden, zuvor hatten Archäologen auf der Trasse dutzende bronzezeitliche Urnen gefunden - und sogar ein Gefäß aus der Jungsteinzeit.

Der neue Polderdeich wird maximal etwa zwei Meter hoch gebaut, seine Breite beträgt je nach Höhe zwischen zwei und 20 Meter. Hinzu kommen land- und wasserseitig fünf Meter breite Schutzstreifen. In sandigen Bereichen wird dieser Deich noch eine Tondichtung samt wasserseitigem Sporn erhalten, informierte Reinhard Kürschner. "Dieser Deich hätte im Vorjahr sogar den Wassermassen aus Fischbeck standgehalten" ist sich der LHW-Fachmann sicher.

Viele Gründe hatten den LHW veranlasst, dass der Deich so wie jetzt errichtet wird. Die vor allem von den Jederitzer Landwirten geforderte Ertüchtigung des 5,7 Kilometer langen Altdeiches hätte über drei Millionen Euro gekostet, der Bau des nur noch 1,6 Kilometer langen neuen Walles schlägt mit etwa einer Million Euro zu Buche. Zudem wäre bei einer Sanierung des Altdeiches massiv in Naturschutzgebiete eingegriffen worden - dort brütet unter anderem eine seltene Seeschwalbenart.

Ein vier Kilometer kürzerer Deich lässt sich mit geringerem Kostenaufwand pflegen - und im Bedarfsfall auch besser verteidigen. Und nicht zuletzt steht mehr Überflutungsfläche in dem Jederitzer Polder zur Verfügung.

Vor Arbeitsbeginn erst Frösche einsammeln

Die Ausschreibung hatte die Firma Meyer-Bau aus dem niedersächsischen Uelzen gewonnen. Im November sollen die Arbeiten beendet sein.

Die Arbeiter mussten vor Baubeginn landseitig noch einen Graben umleiten, der vorher die Trasse durchquert hatte. Zudem stehen an einigen Stellen grüne Amphibienzäune: Bevor die schwere Technik angeworfen wird, müssen die Fahrer erst einmal Frösche einsammeln.