Gestern Morgen öffneten die Handelsplätze des Havelberger Pferdemarktes ihre Pforten. Manche Händler stellten sich schon am Freitag in die Elbstraße, um zu den ersten zu gehören, die ihre Stände aufbauen.

Havelberg l "Wir sind am Sonnabend angekommen. Wir sitzen hier zusammen, treffen Freunde, erzählen, was man so das Jahr über erlebt hat. Nachher hat man gar keine Zeit mehr dafür, dann trifft man nicht mehr alle", erklärt Dieter Walter, weshalb er trotz Voranmeldung schon frühzeitig nach Havelberg reist. Mit seinem Sohn Marcus kommt der Magdeburger seit rund 20 Jahren zum Pferdemarkt und bietet allerlei Trödel an. "Der Zusammenhalt hier ist klasse und wir können mal richtig von der Arbeit und vom Alltag abschalten, mal wieder richtig Kerl sein", nennt Marcus Walter Gründe für sein Pferdemarktfieber.

Zwangspause bedauert

Um acht Uhr am Montag vor dem Start des Pferdemarktes am Donnerstag öffnen der Trödel- und der Handelsplatz offiziell, der Pferdeplatz eine Stunde früher. "Als ich kurz nach halb sechs ins Mühlenholz gefahren bin, habe ich die Hufe von den Pferden schon gehört", berichtet "Pferdelady" Sigrid Wiedenhöft. Die Chefin vom Pferdehandelsplatz hat mit ihren Kollegen, darunter auch freiwillige Helfer, bereits ab sechs Uhr die Händler auffahren lassen. Zwei Stunden später waren schon 36 Pferde angemeldet. Die Händler holten nach und nach ihre Pferde nach Havelberg. "Alle sind glücklich, jetzt endlich wieder hier sein zu können", sagt Sigrid Wiedenhöft. Dass der Pferdemarkt im vergangenen Jahr aufgrund der Flutkatastrophe ausfallen musste, haben alle sehr bedauert. In vielen Telefonaten im Vorfeld haben Händler ihr davon berichtet.

"Wir waren die Ersten, die sich hier heute angemeldet haben", sagt ein Mitglied der großen Pferdehändlerfamilie Nickel. Am Sonnabend sind sie angereist. Für 20 Pferde wollen sie neue Besitzer finden. Spaß am Handeln und Freunde treffen ist seit 40 Jahren Motivation, aus der Nähe von Weißenfels am ersten Septemberwochenende nach Havelberg zu fahren. "Dieses Jahr geben wir um so mehr Gas und hoffen auf gute Geschäfte", sagen Nickels mit Blick auf die Zwangspause im vergangenen Jahr.

"Das ist hier der beste Markt und man hat viel Spaß", findet der Braunschweiger Frank Rettig, der seit 20 Jahren als Händler zum Pferdemarkt fährt. Der Ausfall im vergangenen Jahr "war eine Katastrophe".

"Ein Jahr ohne Pferdemarkt ist wie ein Jahr ohne Leben", sagt Gregor Leske aus Radeberg. Dieses Mal ist er mit einer ganzen Karawane aus der Dresdener Region nach Havelberg gefahren und erst am Morgen angekommen. "Sonst war ich auch schon eher hier und habe die Nacht im Wald geschlafen. Morgens von den Vögeln geweckt zu werden, ist herrlich." Von Leipzig aus ist der Belgier Karl-Heinz Berkau am Sonntagabend mit Freunden angereist. Antike Türklinken hat er im Gepäck. Er meldet sich nicht vorher an, entscheidet spontan, ob er nach Havelberg fährt, "um eine Woche zu feiern und zu verkaufen".

Nicht ganz so weit war der Weg für Harald Brust aus Arneburg. Auch er hat diversen Trödel an Bord, extra für den Pferdemarkt. Er ist kein professioneller Händler. "Hier auf dem Pferdemarkt meinen Stand aufzubauen, hat seit 20 Jahren Tradition. Ich kenne den Markt aber schon als Kind, als ich mit meinen Eltern hier war."

Die Elbstraße war gestern Morgen auf einer Seite zugeparkt. Lückenspringen war für all diejenigen angesagt, die Richtung Fähre unterwegs waren. Schwierig wurde es, wenn die großen Lkw von der Deichbaustelle entgegen kamen. "Die ersten Händler standen Freitagmittag in der Buswendeschleife", erzählt Marktmeister Dieter Härtwig. Am Sonnabend war das Areal dann fast voll, die Schlange in der Elbstraße bildete sich ab Sonntag.

Urlaubstage auskosten

"Zwei Jahre kein Pferdemarkt, da wollen viele von Anfang an dabei sein, auch wenn sie einen Vertrag und somit ihren Standplatz sicher haben. Händler haben mir erzählt, dass das ihre einzige Woche Urlaub im Jahr ist. Die wollen sie auskosten." Die Nachtschicht sortierte die wartenden Fahrzeuge vor, damit Montagfrüh alles reibungslos bei der Anmeldung klappt. Bis kurz nach neun Uhr hatten 188 Trödler ihren Standplatz. Kurz nach neun war die Autoschlange in der Elbstraße fast abgebaut. Auf dem Handelsplatz läuft die Sache erfahrungsgemäß etwas ruhiger an. Dennoch waren mehr als in den Vorjahren schon am Morgen am Aufbauen.

Auf dem Rummelplatz stehen mit "Shaker", "Melodie-Star", Geisterbahn, Autoscootern und "Rocket" schon etliche Großfahrgeschäfte. "Da fehlen nur noch der ,Breakdancer` und ,No Limit`, das Riesenrad baut heute noch auf", berichtet der Marktmeister vom entspannten Aufbauen, bei dem keiner den anderen behindert. 30 der rund 75 Schausteller waren bis gestern Morgen schon da. Mit der Eröffnung des Pferdemarktes an diesem Donnerstag, 4. September, um 15 Uhr mit dem Fassbieranstich hoffen sie auf viele Besucher und vier tolle Markttage in Havelberg.

   

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