Havelberg l "Farbe" ist das Thema des diesjährigen Tages des offenen Denkmals. Im Landkreis Stendal findet die Eröffnungsveranstaltung am Sonntag, 14. September, im Havelberger Prignitz-Museum statt. Der Leiter der Museen des Landkreises Frank Hoche begrüßt um 11 Uhr gemeinsam mit dem 1. Beigeordneten des Landrates Denis Gruber die Gäste. Musik erklingt, bevor Helfried Weidner vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in seinem Fachvortrag ab 12 Uhr über die "Historische Fassadenfarbigkeit im Wandel der Stilepochen, sowohl in der Altmark als auch in Sachsen-Anhalt", spricht.

Im Anschluss daran sind alle Interessenten zu einem Stadtspaziergang eingeladen. Dieser beginnt um 13 Uhr auf dem Domplatz. Dort entsteht derzeit der Anbau des Krankenhauses. Dabei hat der Denkmalschutz ein gewichtiges Wort mitzureden. Denn in unmittelbarer Nähe zum Dom war die Frage der Architektur entscheidend, damit der Neubau sich gut in das Ensemble einpasst.

Die Befürchtung war, dass das Gebäude neben der Töpferei zu groß wird, sagt Carola Jensen von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises im Gespräch mit der Volksstimme. Ursprünglich standen dort die kleinen sogenannten Handwerkerbuden. Das vor Jahren sanierte Gebäude der Töpferei hat drei verschiedene Fassadengestaltungen. Daneben stand ein zerfallenes Gebäude, das gleich hoch war. Der leere Platz daneben war durch einen Bretterzaun abgegrenzt.

Mit dem Krankenhausanbau wurde neben der Töpferei ein etwas höheres Gebäude im Stil der "Handwerkerbuden" neu gebaut. Daran schließt sich der dreietagige Funktionsbau an. Dieser erhält ein Flachdach und das zweite Obergeschoss wird etwas nach hinten gesetzt. Auch die Farbigkeit der Fassade, am Obergeschoss ist schon der endgültige Putz zu sehen, wurde entsprechend gewählt.

Kubatur und Farbigkeit passen ins Domensemble

"Die Kunst des Architekten war es, eine Lösung zu finden, dass die Kubatur des neuen Gebäudes nicht das gesamte Umfeld erschlägt", sagt Carola Jensen. Immerhin galt es, ein gesundes Verhältnis vom ein- zum dreigeschossigen Gebäude herzustellen und vor allem auch die Blickachse vom Platz des Friedens aus zum Dom nicht zu behindern.

"Das Gebäude nimmt sich gut zurück, ich bin sehr positiv angetan", schätzt Carola Jensen ein. Gut ist auch, dass mit dem Neubau nun auch wieder die alte Bauflucht aufgenommen und somit die Platzkante hergestellt und der Platzcharakter besser erlebbar ist. Die Denkmalschützer freuen sich außerdem, dass die KMG im Zuge der Bauarbeiten der Fassade des Altbaus einen neuen Anstrich geben wollen. Das - schon in die Jahre gekommene - Zitronengelb wird durch einen erdigen Ton ersetzt.

Auf der anderen Seite am Platz des Friedens wird mit dem Gebäude Nummer 10 ein weiteres Haus denkmalgerecht saniert. Am Giebel ist die endgültige Fassadenfarbe bereits zu sehen. Ein Beispiel dafür, wie aufgrund von Farbbefunden Fassaden saniert werden, ist gleich in der Nähe die mit historischen Baumethoden restaurierte Domkurie "D8".

Der Stadtspaziergang führt anschließend hinunter auf die Stadtinsel, wo es etwa mit dem Marktensemble, auf dem Kirchplatz und ganz aktuell mit der Langen Straße 39/40 viele sanierte Häuser gibt, die die bauzeitliche Architekturfarbgebungen widerspiegeln. Ein Blick in die Stadtkirche ist möglich, wo die Sanierung des Gewölbes gerade erfolgt ist.