Im alten Schollener Schulgebäude sollte ursprünglich der Hort einziehen. Doch drohen die Kosten für den Umbau aus dem Ruder zu laufen - der Verbandsrat stoppte jetzt das Vorhaben.

Kamern l Die Mitglieder des Verbandsgemeinderates hatten es sich am Mittwochabend wahrlich nicht einfach gemacht mit dem Beschluss. Im Kamernschen Versammlungssaal wurden viele Argumente dafür und dagegen vorgetragen. Doch will die Verbandsgemeinde alle Vorschriften einhalten - ein Hort in dem alten Backsteingemäuer droht aber zu einem finanziellen Fass ohne Boden zu werden.

Die Kostenschätzung des mit dem Umbau des Ex-Schulgebäudes zur Kindertagesstätte beschäftigten Planungsbüros für die Ertüchtigung des Altbaus bezifferten die Experten auf vorerst 70000 Euro. Damit wäre aber nur eine vorläufige Betriebserlaubnis für den Hort zu bekommen, informierte Ulf Wabbel, der stellvertretende Verbandsbürgermeister. Für eine dauerhafte Lösung müssten unter anderem auch noch die Toiletten saniert werden - dann würde eine sechsstellige Summe zusammenkommen.

Die Verwaltung trug das Problem dem Verbandsrat vor, weil damit auch verschiedene pädagogische Konzepte einhergehen, denn es gäbe getrennte Betreuungen und Betriebserlaubnisse. Etliche Schollener Eltern bestanden jedoch weiterhin auf einen von der Kita getrennten Hortbereich. Erst muss das geklärt sein, dann kann der Umbau losgehen.

Arno Brandt wies darauf hin, dass zum Beispiel in Kamern auch alle Kinder unter einem Dach betreut werden - was sicher günstiger als in zwei Gebäuden sei. Caren Pfundt schlug vor, dass sich die Gemeinde Schollene an den Umbaukosten mit beteiligen soll, schließlich gehöre ihr das Gebäude. Auch in Wulkau sei der Hort in die Kita integriert, dadurch wurde diese einst sogar gerettet.

"Große Bauchschmerzen" ob der gewaltigen Umbaukosten hat auch Silvio Wulfänger: "Für eine nicht nachhaltige Lösung ist das rausgeworfenes Geld", meinte er. Für nur zwei Räume sei die Summe nicht vertretbar. Die ursprünglich fürs Backsteingebäude eingeplanten 35000 Euro sollten besser beim Umbau der Kita ins andere Ex-Schulgebäude mit einfließen. Ohne Toilette müssten die Hortkinder über den Hof - und das auf einer Baustelle! Wer garantiert da für die Sicherheit der Kinder?

Sebastian Heinike wies darauf hin, dass in der Kita zum Beispiel nur kleine Stühle für die Hortkinder vorhanden seien. Es sei zudem immer gesagt worden, dass der Hort ins Backsteingebäude einziehen werde.

Auf einen wichtigen Fakt gegen den Einzug des Hortes ins alte Gebäude wies Kämmerin Renate Roßkamp hin: Die Kinderzahlen befinden sich in der Seegemeinde im Sinkflug. Wurden 2010 im Schnitt noch 84 Kinder in Hort und Kita betreut, waren es 2012 nur noch 75, im Vorjahr 70 und jetzt sind es nur noch 61 Kinder. Den Hort besuchen aktuell 22 Grundschüler - im neueren Schulgebäude, was zur Kita umgebaut werden soll, wäre für sie ausreichend Platz.

Das Jugendamt hat gegen eine Doppelnutzung des Hauses keine Bedenken. Große Sicherheitsbedenken gibt es in Stendal hingegen zu den fehlenden Toiletten - allein dürfte dort niemand hingehen. Ein weiterer Kostenpunkt wäre zudem, dass der Hort als eigenständiger Bereich agieren würde und eine Leiterin benötigt.

Der Umbau des neueren Schulgebäudes zur Kindertagesstätte steht an oberster Stelle auf der Prioritätenliste, erklärte Ulf Wabbel. Im Etat sind dafür 473000 Euro eingeplant. Der Baustart habe sich bislang verzögert, weil erst das Hortproblem geklärt werden muss, antwortete er auf eine Frage von Sebastian Heinike. "Wir als Verwaltung müssen erst die Richtung wissen."

Darum müsse man möglichst bald Nägel mit Köpfen machen und endlich mit dem Umbau beginnen, schlug Caren Pfundt vor. Auch Gerhard Faller-Walzer meinte, dass alles bereit sei, die 70000 Euro für den Extra-Hort aber nicht gerechtfertigt seien.

Mit 13 Gegenstimmen und einer Enthaltung stimmte der Rat gegen die Mehrausgabe.