Unscheinbar wirkt die Kirche in Sydow von außen, doch im Innern birgt sie wahre Schätze. Allein das steinerne Taufbecken sowie die dreidimensionalen geometrischen Zeichnungen suchen weit und breit ihresgleichen.

Sydow l "Wer da gleubet und gedauffet wirt, der wirt sälig werden" - so ist es in Stein gemeißelt auf dem mit Engelsköpfen, Teufelsfratzen und Jakobsmuscheln reich verzierten Taufbecken zu lesen. Wie an der in gleicher Weise dekorierten Kanzel ist auch hier ein Familienwappen zu erkennen: Die Landadelsfamilie derer von Hopkorf besaß Güter in Derben, Detershagen, Nedlitz, Tuchen und eben in Sydow.

Allerdings hatte die Patronatsfamilie 1616 einen Umbau veranlasst, welcher der Kirche nicht gut bekam: Für den Einbau eines herrschaftlichen Gestühls wurde die Nordmauer des Chores abgerissen und nach außen erweitert, ein barocker Turm mit achteckiger Laterne und welscher Haube kam hinzu, die neu entstandene Kanzel wurde in den Triumphbogen eingearbeitet, auch das Taufbecker stammt aus jenen Jahren. Nicht nur die Romanik wurde dadurch arg getilgt, durch den Eingriff litt auch die Statik enorm.

Der letzte derer von Hopkorf verstarb Ende des 17. Jahrhunderts, Hans Christoph von Katte aus Vieritz erwarb einige Jahre später das Patronat. Die Kattes blieben bis 1946, dann wurden sie bei der Bodenreform enteignet. Der Krieg hinterließ seine Narben an dem Gotteshaus, der 230 Jahre alte barocke Turm wurde in den letzten Kriegstagen zerstört. Wilfried Danker leitete den Wiederaufbau, diesmal entstand ein Backsteinturm.

Sechs Ecken am Taufstein stehen für die Wochentage

Über die Symbolik in der Kirche weiß deren einstiger Pfarrer Karlheinz Stephan noch allerhand zu berichten. Bei der monatlichen Zusammenkunft von Geschichtskreis und Marionettenbühne GuM gab er am Donnerstagabend eine Lehrstunde in Sachen Kirchenführung. Denn der GuM finanziert mit seinen Führungen zugleich den Unterhalt der sechs Kirchen in der Region Wust-Wulkow.

Schon die Kirche allein sei ein Symbol, erklärte der Pfarrer im Ruhestand. Der Versammlungsraum der Gläubigen, das Kirchenschiff, stehe für den Leib Christi, das Rechteck mit dem nicht mehr vollständigen Rundbogen für den Hals und die runde Apsis ist der Kopf. Letztere besaß einst einen extra Eingang für den Pfarrer. Wichtig sei die Verbindung des Leibes - als Symbol für das Irdische - mit dem Haupt, es steht für das ersehnte Paradies.

Sogar die Steine stecken voller Symbole: Gemauert mit dem Mörtel des Glaubens und gebrannt wie Christus Leiden. Der Pfarrer glaubt zudem, dass die Kirche vor 1250 errichtet wurde, allein die Apsis deutet auf eine ältere Entstehungszeit - etwa um 1200.

Die sechs Ecken des Taufbeckens stehen symbolisch für die sechs Wochentage, denn am siebenten ruhte Gott. Das Becken in Melkow hat acht Ecken: sie stehen für die sieben Wochentage und die neue Schöpfung. Das steinerne Sydower Taufbecken ist in der Region ein Unikat, oft wurde Holz als Baustoff verwandt.

Ebenso reichlich ausgestattet ist die Kanzel. Die vier Evangelisten sind in voller Größe mit ihren Symbolen zu erkennen: Matthäus mit dem Engel als Gottesbote und Zeichen der Menschwerdung Jesu, Marcus mit dem kraftstrotzenden Löwen als Wächtersymbol, Lucas mit dem Stier als Opfer - inzwischen hat das Lamm dessen Stellung eingenommen. Letzter im Bunde ist der Johannes mit dem Adler, dieser steht für die geistige Auferstehung - die Himmelfahrt. Über allen thront die Jakobsmuschel als Zeichen der Auferstehung.

Das Herzstück des Gotteshauses ist die Apsis, sie stellt den Himmel dar. Oben an der Decke wacht das allsehende Auge Gottes, umrahmt von Sternen aus Metall. Der Altar ist typisch evangelisch, denn dessen Platte fehlt.

Das Wertvollste in der Kirche wurde erst vor einigen Jahren wiederentdeckt. Um die drei Fenster in der Apsis, im Chorraum, dem Triumphbogen sowie dem Kirchenschiff wurden romanische Wandmalereien für erste Untersuchungen freigelegt. Entdeckt wurden Weihekreuze, Fenster- und Bogenrahmungen sowie Materialimitationen zur Absetzung einzelner Bauglieder. Vor allem die Fensterrahmungen sind sehr farblich - das Ostfenster besticht sogar mit einer dreidimensionalen Imitation eines laufenden Bandes.

"Das Mittelalter war also gar nicht so düster, sondern farbenfroh", schlussfolgerte Karlheinz Stephan. Ihm war es auch zu verdanken, dass die alten Zeichnungen nicht übergeweißt wurden.

Der Putz im unteren Bereich wurde abgeschlagen, anfangs lief das Wasser heraus. Ringsum sind außen Lehmpackungen nötig, um das Gemäuer richtig trockenzulegen. Dazu ist Geld vonnöten, was auch dank des GuM fließt.

 

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