Mit einem "Festlichen Konzert" gastierte Opernsänger und Entertainer Gunther Emmerlich mit seinem Ensemble im Havelberger Dom. Klassik, Gospel und Folk bestimmten das Programm.

Havelberg l Gunther Emmerlich hatte in den Dom zu Havelberg eingeladen, und viele waren am Abend des Pferdemarktsamstags auf den Domberg gekommen und hatten das schöne Kirchenschiff gefüllt. Dabei war das, was der bekannte und beliebte Sänger vorzustellen gedachte, keineswegs leichte Kost. Zwar appetitlich und fein angerichtet, aber doch ziemlich anspruchsvoll durfte man einen kleinen Spaziergang durch die Geschichte der geistlichen Musik machen. Die Zuhörer ließen sich gerne führen und lauschten hochinteressiert und konzentriert den Klängen und Worten.

Der Raum um den Kreuzaltar im Havelberger Dom ist ja bekanntlich wie eine Bühne gebaut. So gruppierten sich die Musiker vor dem Lettner und dem mit üppigem spätsommerlichen Blumen geschmückten Altar zu einem schönen harmonischen Bild: rechts die Instrumentalisten - die Cellistin Sabina Herzog, der Trompeter Kurt Sandau und der Organist Klaus Bender -, links der Solist und Erzähler.

Texte mit Witz und Doppeldeutigkeiten

Emmerlich hatte ganz verschiedene Texte ausgewählt. Ein langes Lutherzitat aus der Lobrede auf die Musik machte den Anfang und griff auch zeitlich am weitesten, nämlich fast 500 Jahre zurück. "Spielen, zieren und schmücken" solle die Musica, das war denn auch das Motto des Abends. Dazwischen gab es teils informative, teils humorvolle, aber immer tiefgründige Texte als Ruhepunkt. Hier zeigte sich der typische Emmerlich voller Witz, Hintergründigkeit und Doppeldeutigkeiten - das "Wortspiel über Bande", wie er es in einem seiner Bücher nennt. Das Lächeln, auch das Lächeln über sich selbst, macht das Leben leichter und schöner, und hinzu kommt "weniger Ich, mehr Du".

Die Musik begann nach einem Orgelvorspiel auf der großen Domorgel mit der Arie "Vaghe luci" (Sanfte Lichter) des derzeit wiederentdeckten Antonio Caldara, einem Zeitgenossen Vivaldis und wie er aus Venedig. Es folgte "Lobe den Herren", einer der berühmtesten Choräle, in verschiedenen Bearbeitungen, wobei die Melodie, der "cantus firmus", nicht wie sonst üblich von der Orgel, sondern in Emmerlichs warmem und tiefen Bass ausgeführt wurde.

Danach gleich vier Höhepunkte von ganz Großen der Musik: von Beethoven "Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" über Händels "Largo" aus Xerxes für Trompete und Orgel und Haydns Bassarie "Nun scheint im hellen Glanze" aus der Schöpfung bis zu "Du bist der Ehren König", dem Bass-Solo aus dem Dettinger Tedeum. Sabina Herzog stellte danach mit der Sonate Nr. 2 von Michel Corrette einen zu Unrecht vergessenen französischen Komponisten des Übergangs von der Barockzeit zur Klassik vor.

Hundert Jahre zurück und nach Norditalien führte die Arie des ebenfalls noch zu entdeckenden Giovanni Aldrovandini. Ihm verdanken wir neben mehreren Opern viele schöne Stücke für Trompete zusammen mit anderen Instrumenten.

Ein besonders intensives Erlebnis dürfte das "Ave verum corpus" gewesen sein. Erklang doch dieses herrliche, sehr katholische Stück aus Mozarts Sterbejahr, gesungen von einem engagierten Protestanten unter dem großen mittelalterlichen Triumphkreuz - eine schöne Synthese. Zwei Instrumentalstücke, ein getragenes von Vivaldi und ein fröhliches von Schickhard, schlossen den ersten Programmteil ab.

Ganz anders vier sehr bekannte Lieder aus dem Bereich Gospel und Folk. Die gewohnten Melodien wurden von Klaus Bender überraschend neu und spannend arrangiert. Emmerlich zeigte seine Möglichkeiten im Jazz und Rap, sogar das Cello wurde perfekt zum Jazzbass umfunktioniert.

Danach wurde es noch einmal ruhig. Sabina Herzog verließ ihr Cello und überraschte neben Gunther Emmerlich mit ihrem klaren lyrischen Sopran. Zu hören waren "Das ist der Tag des Herrn" von Mendelssohn und die Eigenbearbeitung eines Hymnus von Elgar. Nach dem herzlichen Applaus durften sich die Zuhörer noch über zwei Zugaben freuen. Bei "Der Mond ist aufgegangen" hat bestimmt manch einer mitgesummt. Den endgültigen Abschluss bildete dann eine sehr intensive , getragene Interpretation von "O when the Saints go marchin in".

Vielleicht ein Wiedersehen im Buga-Jahr

Vom Havelberger Dom und seiner Akustik waren die Gäste begeistert. Leider blieb aus organisatorischen Gründen kaum Zeit für einen kleinen Rundgang, was Gunther Emmerlich, auch historisch interessiert, sehr bedauerte. Allerdings könnte er sich, wie die Volksstimme schon berichtete, gut ein Konzert im Buga-Jahr vorstellen, vielleicht mit dem Dresden-Swing-Quartett im Kreuzgang. Wir jedenfalls würden uns freuen, den sympathischen Künstler wieder begrüßen zu können.