Unter dem tristen grauen Himmel kamen die farbigen Fassaden Havelbergs gestern beim Stadtspaziergang anlässlich des Tages des offenen Denkmals gut zur Geltung.

Havelberg l Die Gäste in einem Denkmal der Spitzenklasse und historisch wertvollsten im Landkreis Stendal begrüßen zu können, freute den Leiter des Prignitz-Museums, Frank Hoche. Hier am Dom hatten sich die Gäste gestern um 11 Uhr eingefunden.

Für Bürgermeister Bernd Poloski war es eine Freude und Ehre, dass der Landkreis für die zentrale Eröffnungsfeier des Tages des offenen Denkmals die 1066 Jahre alte Domstadt ausgewählt hat. Es sei wichtig, sensibel und verantwortungsvoll mit dem großartigen Erbe umzugehen, um es auch für die nachfolgenden Generationen zu erhalten und lebendig zu gestalten. "Wir müssen wissen, wie unsere Geschichte aussieht, denn gerade die Denkmale sind es, die uns unverwechselbar machen. Ich kenne kaum einen Havelberger, der nicht stolz auf seinen Dom ist", sprach das Stadtoberhaupt von der Leidenschaft der Domstädter. Er würdigte die Arbeit der Denkmalpflege, "wenn es sie nicht gäbe, würden wir wesentlich ärmer sein und so manches Wertvolle wäre längst verschwunden".

Zu den vorgegebenen Farben gebe es immer mal wieder Diskussionen, denn nichts sei bei einer Sanierung so wahrnehmbar wie die Farbgestaltung. Kontroverse Diskussionen hätte es auch in Havelberg zur Gestaltung der Fassaden am Salzmarkt, der D8 oder der Stadtwerke gegeben, sprach er die derzeitigen starken Proteste der Stendaler zur farblichen Gestaltung ihres Rathauses an. Darauf ging auch Helfried Weidner vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie ein. Sein Vortrag stand unter dem Motto "Historische Fassadenfarbigkeit im Wandel der Stilepochen sowohl in der Altmark wie auch in Sachsen-Anhalt". An praktischen Beispielen wurde das Thema anschließend beim Stadtrundgang verdeutlicht. Der Spaziergang führte über den Domplatz vorbei am Krankenhausneubau zur D8, weiter zur Sankt-Annen-Kapelle, entlang der Langen Straße über den Markt hin zum Kirchplatz, wo in der Stadtkirche eine Präsentation der restauratorischen Arbeiten und der "Farbenfrohen Blumenhalle" zur Buga 2015 stattfand.

Denis Gruber, der erste Beigeordnete des Landrates, ging in seiner Rede kurz auf die Geschichte der Farbe ein, die schon in der Steinzeit bei den Höhlenmalereien eine Rolle spielte. Musste man sich einst auf organische Farbstoffe beschränken, so gibt es heute eine schier unendliche Auswahl. "Farben erzählen Geschichte und prägen die Wahrnehmung. Deshalb muss man zielgerichtet damit umgehen und fachkundigen Rat der Denkmalpfleger einholen." In Havelberg gebe es dafür viele gute Beispiele, Farben aus alter und neuer Zeit fügen sich harmonisch zusammen.

Volker Stephan als Vertreter der Deutschen Stiftung Denkmalschutz nannte als historisches farbiges Beispiel die 22 großen Fenster mit Glasmalereien aus dem 15. Jahrhundert im Stendaler Dom, "ein Schatz und fantastisches Kulturerbe". Er dankte allen Ehreamtlichen, die sich um die Denkmäler bemühen und auch am Tag des offenen Denkmals einen Blick in die Vergangenheit ermöglichen. Sein Dank galt auch Carola Jensen von den Denkmalbehörde des Kreises, die die Eröffnungsveranstaltung vorbereitet hatte. Für die musikalische Umrahmung der Zeremonie war die Havelbergerin Judith Tetzlaff gewonnen worden, die mit ihren Spiel auf der Querflöte unterhielt.

Im kommenden Jahr steht der Tag des offenen Denkmals unter dem Motto "Handwerk, Technik und Industrie".

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