Vor einem dreiviertel Jahr sind fünf neue Windräder am Rande des schon bestehenden Fischbecker Windparks in Betrieb gegangen. Für den Besitzer, das Hannoveranische Unternehmen "enercity", Anlass, zu einem Windfest einzuladen.

Fischbeck/Kabelitz l "Das war toll!" Überwältigt steigt Beate Poll aus dem schmalen Aufzug. Zusammen mit Carsten Reineke von enercity war sie die 93 Meter hoch bis zur Narbe des Windrades gefahren und genoss an diesem schönen Spätsommersonntag den Ausblick in Richtung Elbe. "Ich wollte schon immer mal auf ein Windrad." Mit etwas Glück ging dieser Wunsch in Erfüllung. Denn die ersten fünf Drehenden am Glückrad, die auf "Hauptgewinn" landeten, kamen in den Genuss, ein Windrad hoch zu fahren. Beate Poll hatte zwar kein Glück, aber Egon Zacharias trat ihr seinen Hauptgewinn ab. Auch Gisela Ladwig aus Schönhausen, Detlef Mangelsdorf aus Fischbeck und Willi Heinemann aus Kabelitz konnten sich das Innenleben eines Windrades ansehen.

Zehn davon drehen sich auf der Fläche zwischen Fischbeck und Kabelitz schon seit einigen Jahren, fünf kamen jetzt noch hinzu. Sie sind mit 150 Meter Blatthöhe noch etwas größer als die Ersten.

Baubeginn war am 20. September 2013. "Wir wollten ja schon eher anfangen", erinnert Geschäftsführer Matthias Rudloff sich an den 10. Juni, als er im Radio vom Fischbecker Deichbruch hörte. "Das war natürlich ein Schock! Wir hatten eine Woche zuvor die Verträge für das 25-Millionen-Euro-Projekt unterschrieben." Um keine Verluste bei Förderungen zu machen, sollte die Anlage noch 2013 in Betrieb gehen. "Es war keine leichte Baustelle. Die Äcker waren noch sehr nass und auch Starkregen hat für zusätzliche Erschwernisse gesorgt. Am 14. November wurde der erste Turm errichtet und der letzte Stern am 18. Dezember hochgezogen. Die erste Einspeisung ins Netz erfolgte am 19. Dezember", so die Chronologie. Das Genehmigungs- und Bauplanungsverfahren lag übrigens in den Händen von Paul Eckhoff und seinem Team, der auch schon die ersten zehn Windräder aufstellte und nun das fertige Projekt für die zusätzlichen Anlagen an das zu den Stadtwerken Hannover gehörende Unternehmen enercity abgegeben hat.

Mit der Leistung der ersten Monate - der erzeugte Strom wird über eine zehn Kilometer lange Trasse unter der Elbe durch zum Umspannwerk im Tangermünder Gewerbegebiet geleitet - ist die Firma zufrieden, "der Mai war super, im Juli war der Wind etwas flau".

Mit einem 5000-Euro-Scheck bedankten sich die Investoren bei der Gemeinde. Wie gestern berichtet, wird das Geld für den Neubau des Fischbecker Gerätehauses verwendet.

"Wir Anlieger zahlen einen hohen Preis!"

Etliche Dorfbewohner aus Fischbeck, Kabelitz und Wust und auch von weiter her kamen zum Windfest. Sie erfuhren Wissenswertes über erneuerbare Energien, Kinder konnten mit Wind und Sonne experimentieren und Drachen steigen lassen.

Nach der Akzeptanz zu den Windrädern befragt, sagte beispielsweise Friedrich Klühe, dessen Haus am Kabelitzer Ortsrand recht nahe am Windpark steht: "Es ist schon belastend! Gerade bei böigem Wind sind richtige Schläge zu hören. Jede Medaille hat zwei Seiten: Wir wollen Strom aus erneuerbaren Energien, aber die Anlieger zahlen dafür einen hohen Preis."

Bürgermeister Bodo Ladwig nutzte die Gelegenheit, die ersten Fluthelfer-Medaillen auszureichen (dazu demnächst mehr).

   

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