Die Stadt Sandau und der Förderverein zum Wiederaufbau des Sandauer Kirchturms hatten zu einem Konzert eingeladen, und über 140 Besucher waren gekommen und füllten die Kirche. Im Rahmen des 19. Jugendmusikfestes Sachsen-Anhalt war die Bigband des Goethe-Gymnasiums Schwerin "BAGGS" zu Gast.

Sandau l Sie besteht aus 24 Schülern des erfolgreichen Musikgymnasiums. Mit ihren Bandleadern Michaela Geisler und Matthias Strauch heizten sie bereits mit dem ersten Song "Power to spare" von Jeff Jarvis ordentlich ein. Schon hier zeigte sich in mehreren Soloparts an Saxophon und Posaune das musikalische Können der Jugendlichen. Beim getragenen "I don`t mean a thing" zeichnete sich Kasjana Bukowska mit ihrer tiefdunklen Stimme aus: Man fühlte sich in amerikanische Jazzclubs des letzten Jahrhunderts zurückversetzt. Auch die zweite Sängerin Anne Dose wusste bei "A day in a life of a fool" zu überzeugen.

Akkordeon ergänzt Bigband

Nach zwei Standards von Joe Zawinul und Count Basie gab es Tango. Friederike und Benedikt Haberl ergänzten die Band mit ihren Akkordeons. Die beiden Solisten haben mit ihrem Akkordeonspiel bereits zahlreiche Preise, unter anderem bei Jugend musiziert, gewonnen und sind als Duo bundesweit unterwegs. Das Bläserarrangement nach Astor Piazolla zeigte, wie feinfühlig Tango auch mit Blech gespielt werden kann.

Den zwei Stücken von Errol Garner "Misty" und Thelonius Monk, den Mitbegründer des Beebop "Well you needn`t", folgte der "St. Louis Blues" von William Handy. Diese Musik entstand weit vor der Zeit der Bigbands und wurde später entsprechend arrangiert. Das jüngste Bandmitglied, der 14-jährige Hendrik Marin, spielte dabei ein Solo am Tenor-Saxophon.

Viele Soloeinlagen

Natürlich durften auch Stücke von Glenn Miller und Duke Ellington nicht fehlen. Mit "Caravan" kreierte Duke Ellington den Jungle Style als ironische Antwort auf das diskriminierende "Vorführen" schwarzer Musiker. Krasjana Bukowskas Stimme gab dem anschließenden Evergreen "Son oft he preachermann" das notwendige Feeling. Zum Abschluss erklang "What is hip" von Kupka/Castillo/Garibaldi mit besonders vielen Soloeinlagen, wobei sich die jungen Künstler nochmals präsentieren durften. Da der nicht endend wollende Applaus eine Zugabe forderte und die Bigband erst seit vier Wochen in dieser Besetzung spielt, wurde das Eingangsstück wiederholt.

Musik auf hohem Niveau

Erstaunlich, wie sich die Jugendlichen in dieser kurzen Zeit zusammengefunden haben. Es war Musik auf hohem Niveau mit sichtbarer Spielfreude und vielen lachenden Gesichtern, sowohl beim Publikum wie auch im Orchester. Es hat ganz offensichtlich allen Spaß gemacht. Der Schirmherr des Konzertes, Bürgermeister Henry Wagner, schlug danach die Brücke von der Musik zu ihrem Aufführungsort, der Sandauer Kirche mit ihrem renovierten Turm. Der Förderverein lud die jungen Musiker zu einem Imbiss ein. Währenddessen wurden die Zuhörer zu einer Turmbesichtigung eingeladen. Bürgermeister Wagner betätigte sich als Liftboy im neu gebauten Aufzug. Während der letzten drei Monate sind dort 56000 Euro investiert worden. Es ist nun möglich, barrierefrei und ohne Treppen den renovierten Turm zu besichtigen. Rosel Warnstedt ließ sich als erster Gast in die 5. Etage, den Glockenboden, fahren und freute sich über den atemberaubenden Blick auf die Elbe.

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