Sandau liegt direkt am Elbdeich - weshalb die Bürger beim Thema Hochwasserschutz besonders sensibilisiert sind. Mit den geplanten Deichrückverlegungen soll die Stadt besser geschützt werden.

Sandau l "Die Planfeststellung ist erfolgt, noch in diesem Jahr wird mit dem Bau im Nordbereich begonnen", freute sich Bürgermeister Henry Wagner auf der Ratssitzung im Feuerwehrgebäude. Eingeladen waren hierzu Fachleute vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz LHW sowie andere Beteiligte an den beiden Deichrückverlegungen.

Planer Jörg Priebe aus Neuruppin informierte, dass erste Ideen bereits vor der Flut 2002 entwickelt worden waren. Im September 2004 wurden dann erste Pläne vorgestellt, diese dann in Zusammenarbeit mit Sandau optimiert sowie der nach 2002 geänderten Anschlaglinie angepasst. Der Planfeststellungsbeschluss für den Nordbereich kam im Januar des Vorjahres, damit herrschte Baurecht. Im Mai begann die Ausführungsplanung.

Das Planungsbüro hat sich inzwischen im Rathaus eingemietet, in der Bauphase wird hier ein Ansprechpartner sitzen. Erste Transporte kamen auch schon nach Sandau, der Boden stammt von der Deichbaustelle in Quitzöbel. Die Trasse an der Königsallee ist auch schon mit Pflöcken markiert.

Am 10. November beginnen die vorbereitenden Arbeiten - die Archäologen untersuchen das Areal vorm Beseitigen der Baumstubben und auch danach. Im Frühjahr startet dann die europaweite Ausschreibung, wenn alles klappt, ist im Mai Baustart. Die Schlitzung des Altdeiches soll dann 2018 erfolgen.

Im Südbereich geht es zäher voran, hier ist wegen der vielen Eigentümer ein Bodenneuordnungsverfahren nötig. Die Stadt Sandau hat hierfür Flächen zur Verfügung gestellt, um die Sache zu beschleunigen. Die Naturschutzplanung für den Bereich ist über zehn Jahre alt, sie muss aktualisiert werden. Ziel des Bauherren ist ein Planfeststellungsbeschluss Ende 2015. Im November 2017 könnten dann die vorbereitenden Arbeiten starten, 2018 und 2019 wird der neue Deich errichtet und 2021 der Altdeich auch hier geschlitzt.

Zum Grundwasserstand infolge von Hochwasser informierte der Planer, dass laut Gutachten auf Wulkau keine Auswirkungen zu befürchten sind - wohl aber auf Sandau. Deshalb wird zuerst auch der Nordbereich fertiggestellt, womit der Anstieg wieder abgemildert wird.

Damit die Kosten für den Deichbau in Grenzen gehalten werden, wird Boden ausgetauscht. Immerhin sind im Nordbereich 148000 Kubikmeter Material vonnöten, im Süden sogar 246000 Kubikmeter. Die bei den Deichschlitzungen im Norden entnommene Erde wird für den Deichbau im Südbereich verwandt, mit der Erde aus den Süd-Schlitzungen könnten dann hier die Entnahmestellen verfüllt werden.

Baustraßen im Nordbereich sind die Wege am Autohaus, in Sancoussi und am Havelberger Möwenwerder. Das gehe nicht anders, antwortete der Planer auf einen Einwand von Peter Busse. Da in zwei Abschnitten gebaut werde, müsse auch der recht neue Weg in Sancoussi mit genutzt werden. Überdies würden die Wege nach dem Bau alle wieder hergerichtet, zuvor wird deren Zustand dokumentiert.

"Ich freue mich, dass es endlich los geht - im Vorjahr haben wir gemerkt, wie schlecht unsere Deiche hier sind", erklärte Silvio Wulfänger. Und wies zugleich auf den Bau von Verteidigungswegen hin. Dazu erhalten die Deiche eine befahrbare Berme, kam die Antwort. Aber auch die Krone wird befestigt.

Das Ratsmitglied wollte zudem wissen, was mit dem Deich nahe Sandau geschehen werde - dieser Abschnitt sei dann schließlich niedriger als die neuen Wälle ringsum. Dazu gibt es auch Überlegungen, bis 2020 sollen schließlich alle Deiche im Land der Norm entsprechen, antwortete Reinhard Kürschner vom LHW. Dazu müssten sie im Schnitt um 40, 50 Zentimeter erhöht werden. Doch allein im Flussbereich Genthin sind es 92 Kilometer Deiche, das alles gehe nur nach und nach. - Zuerst kommen die Schwerpunkte an die Reihe: Hohengöhren, Neuermark-Lübars, Havelberg-Nitzow oder Quitzöbel.

Was mit der geplanten Sanierung der Königsallee sei, wollte Wolfgang Hellwig wissen. Diese erfolge erst, wenn die Deichrückverlegung in diesem Bereich abgeschlossen sei, antwortete Bauamtsleiter Ulf Wabbel. Der Antrag sei im Zuge der Flutschadensbeseitigung aber bereits gestellt worden.

Auch an den Naturschutz wurde gedacht, es werden Fledermauskästen aufgehangen. Ebenso eingeplant wurde hier womöglich lagernde Munition aus den letzten Kriegstagen.

Verzögerungen beim Baubeginn könnte es lediglich geben, wenn die Achäologen etwas finden sollten - für ihre Arbeit sind eigentlich nur zwei Monate vorgesehen.