Wust l Die Wuster Wolfgang Siegl und sein Nachbar Olaf Bötel fühlen sich im Stich gelassen - wieder einmal, wie schon bei der Flut. Doch jetzt ärgern sie die Schwerlasttransporte, die seit kurzem des Nachts durch den Ort fahren. Ihr Ziel ist ein Windpark nahe Mangelsdorf im Nachbarkreis Jerichower Land.

Davon erfahren hatte Wolfgang Siegl erst durch einen Anruf seines Gutachters, "wir Wuster wurden vorab nicht darüber informiert". Dann hätte er sicher früher dagegen aufbegehrt, denn die Transporte sind bei dem noch immer aufgeweichten Boden nach der Flut gefährlich für die Häuser. Was ihm sein Gutachter berichtete. Das Wasser hatte hier recht lange gestanden.

"Der Untergrund wurde nach der Flut nicht untersucht, noch immer sacken jetzt hier Gebäude ab", berichtet der Wuster. Beispielsweise wächst seit Dezember ein treppenartiger Riss an seinem Stallgebäude, was nun womöglich auch noch abgerissen werden muss. Kleine Risse zeigen sich auch am Wohnhaus, er will deren Enden nun zwecks Kontrolle mit Gipsmarkierungen und dem Datum versehen. Noch schlimmer sind die Risse am Nachbarhaus, wo Olaf Bötel wohnt. "Es wackelt jetzt mehr als vor der Flut", berichtet er. Das Haus steht an der Durchgangsstraße, auf der seit einiger Zeit der Umleitungsverkehr nach Rathenow entlangfährt. Und wo jetzt auch noch die Schwerlaster hinzukommen, welche den nassen Boden noch ärger belasten. Der Gutachter hatte erklärt, dass es bis zu fünf Jahre dauern kann, bis der Untergrund wieder so stabil ist wie vor der Flut.

Wolfgang Siegl hatte in Schönhausen in der Verwaltung angerufen, doch hier wusste niemand von den Schwerlasttransporten. Diese sollen noch bis 21. November durch Wust fahren - dann wäre wohl auch die Straße nach Melkow ein Sanierungsfall. In Jerichow konnten die Schwerlaster nicht abbiegen, die Kurve war zu eng.

Wolfgang Siegl will nun auf seine Art zum Widerstand aufrufen und Unterschriften gegen die Schwerlaster sammeln. Am ersten Tag hatten schon alle Angesprochenen in der Breiten Straße - sie ist die Durchgangsstraße - unterschrieben. Auch die Nebenstraßen kommen noch an die Reihe.

Die Listen sollen dann nach Stendal an den Landrat Carsten Wulfänger geschickt werden - in der Hoffnung, dass wenigstens er den Wustern helfen wird.