Der Förderverein Naturschutz im Elb-Havel-Winkel ist am Sonnabend auf seine alljährliche Pilzexkursion gegangen. Der Vereinsvorsitzende Klaus Heidrich konnte dazu am Rastplatz in Wöplitz über 20 interessierte Pilzsammler begrüßen.

Havelberg l Ganz besonders freute es Klaus Heidrich, dass die zweistündige Pirsch auf die Früchte des Waldes wieder unter der Leitung von Wolfgang Fischer aus Potsdam stand. Dieser feierte am 25. August seinen 83.Geburtstag; seit rund 60 Jahren ist er einer der aktivsten Brandenburger Floristen. Unzählige Artikel, Aufsätze und einige Bücher stammen aus der Feder des promovierten Experten. Auch heute noch ist er trotz seines fortgeschrittenen Alters dank einer recht stabilen Gesundheit recht rastlos.

Wolfgang Fischer reiste bereits am Freitag an, um sich einen Überblick über den Pilzbestand rund um Wöplitz zu verschaffen. Er konnte zu Beginn der Wanderung den Anwesenden mitteilen, dass er in gut zwei Stunden Waldgang 45Arten von Pilzen gefunden hatte. "Maronen gibt es in diesem Jahr sehr viele, dagegen habe ich hier keinen einzigen Fliegenpilz sehen können." Dass es diesen und auch viele andere bekannte und nicht bekannte Pilze in den Wäldern rings um Wöplitz gibt, sollte sich während der Exkursion dann aber herausstellen. "Bringen Sie alle Pilze mit, die Sie sehen, dann können wir sie bestimmen und sagen, ob sie essbar oder giftig sind", gab Dr. Fischer den Anwesenden mit auf den Weg.

Dann schwärmten die Pilzsucher aus und es dauerte auch nicht lange, bis die ersten Pilze in den Körben lagen. Wer an der Seite des Experten durch den Wald ging, konnte gleich erfahren, welcher Pilz gefunden worden war. Viele Sammler staunten dabei nicht schlecht, mit welchen Namen die Pilze bezeichnet sind.

Essbarer Holzbewohner

Da wurden unter anderem Weichritterlinge gefunden. In Europa kommen im engeren Sinn rund 80 Arten dieser Gattung vor, sie gelten als ungiftig. Der aus der Blätterpilzgattung stammende Pilz ist an der Hutoberseite in der Regel dunkel gefärbt, die Lamellen hingegen sind weißlich. Auch Butter- oder Kastanienrote Rüblinge mit einer grauhütigen Form, Speisepilze aus der Familie der Schwindlingsverwandten, wurden gefunden.

In einigen Körben befanden sich auch Rehbraune Dachpilze, auch Hirschbrauner Dachpilz genannt. Wie bei der Pilzbestimmung am Ende der Wanderung von Fischer zu erfahren war, ist dieser Pilz eine Art aus der Familie der Dachpilzverwandten. Er ist ein saprobiotischer Holzbewohner, der morsche Stümpfe, Strünke, gefällte Baumstämme, stärkere Äste und freiliegende Wurzeln in der Final- und späten Optimalphase der Vermorschung besiedelt. Der essbare Pilz kann daher leicht erdig schmecken.

Ein sehr schmackhafter Pilz mit dem Namen Edel-Reizker oder Echter Reizker aus der Familie der Täublingsverwandten ist auch in den Wäldern rund um Wöplitz beheimatet. Das Charakteristische an ihm ist der an verletzten Stellen austretende Milchsaft, der im Unterschied zu anderen Reizkern lebhaft und unverändert orangerot gefärbt ist. Der Pilz lebt mit Kiefern in Symbiose. Deshalb wird die Art auch Kiefern-Blutreizker genannt.

Der Blätterpilz gilt als guter Speisepilz. Nach dem Verzehr verfärbt sich der Harn rot, was jedoch harmlos ist. Der deutsche Name Reizker ist ein Wort slawischen Ursprungs und lässt sich als "Rotmilchling" übersetzen.

Auch Fliegenpilze im Korb

Nach und nach kamen die Pilzsammler aus den Wäldern zurück und legten ihre "Fundsachen" auf den Tisch, um von Fischer zu erfahren, welche Pilze sie entdeckt hatten. Die Arten reichten hierbei von Austern-Seitlingen, Rostrote Körnenschirmlinge, Perlpilze bis zu Zitronen-Täublingen, Blutblättrige Hautköpfen und Rehbraunen Dachpilzen. Natürlich wurden auch der sehr giftige Grüne Knollenblätterpilz und auch einige Fliegenpilze aus dem Wald mitgebracht. Zu allen Arten gab es fachkundige Informationen, Ratschläge und Tipps, die dankend von den Wanderern angenommen wurden.

Der Waldspaziergang endete mit einer gemütlichen Runde mit Kaffee und Kuchen. Hierbei gab es noch einmal ein großes Dankeschön an den Pilzexperten aus Potsdam.

 

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