Der 1973 erschienene Roman wurde mehrfach verfilmt, er bekam ein Denkmal in Hannover und es gibt sogar eine Oper: "Momo" von Michael Ende. In Kuhlhausen wurde die Handlung am Sonnabend bei einer Performance gezeigt.

Kuhlhausen l Die grauen Herren versuchen in einer Phantasiewelt, den Menschen ihre Zeit zu stehlen. Diese sollen sie für später sparen - weshalb die Menschen vergessen, im Jetzt zu leben. "Fünf vor Zwölf" greift der weise Meister Hora ein, der geheimnisvolle "Verwalter der Zeit". Er schickt seine Schildkröte Kassiopeia und das kleine Mädchen Momo in den Kampf gegen die grauen Herren.

Spielleiter Thomas Harzem - der Theaterregisseur wohnt seit einem Jahr in Kuhlhausen - hat die Handlung in die Gegenwart adaptiert, die Performance wurde in Etappen rings um die Dorfkirche aufgeführt. Er selbst mimte den Fremdenführer Gigi. Mit integriert waren auch die jugendlichen Kuhlhausener Nadin Däumeland als Vorleserin und Melissa Camacho Garcia als Straßenkehrer Beppo. Los ging es am Wohnhaus des Organisators, dem Fachwerkhaus neben der Gaststätte. Hier wohnt er seit einem Jahr mit Gatis Silde.

"Mit Kuhlhausen haben wir einen Ort gefunden, wo wir uns richtig wohlfühlen", berichtet der aus Berlin stammende Theaterschaffende. Er ist übrigens nicht nur Regisseur, sondern auch Videokünstler und Bühnenbildner - sowie Theaterpädagoge. Im November geht es wieder nach Warschau, wo er das Stück "Selfie" inszeniert. - So heißen die Selbstporträts, die mit dem Handy geschossen werden.

Er ist sozusagen aus Berlin aufs Land geflüchtet und möchte hier, in dem "alten slawischen Runddorf mit seiner besonderen Energie", Begegnungen der Dörfler mit den Großstädtern ermöglichen. Wie eben beim Erntefest mit der Momo-Performance.

Regionales im Bullenstall

Oder gleich zum Start mit einem gemeinsamen Abendessen, was am Freitag im umgebauten einstigen Bullenstall stattgefunden hatte, auf dem Gehöft von Thomas Harzem. Bei der Erntetafel zum Erntedankfest der besonderen Art wurden Produkte von regionalen Äckern kredenzt, wie Kartoffeln, Kürbisse oder Käse aus dem Havelland.

Danach ging es im Dunkeln an die Havel, hin zum Feuer illuminierten Badestrand der Kuhlhausener. Mit einem Boot ging es zum anderen Ufer, wo ebenfalls alles erleuchtet war - hier erwartete die Gäste eine Klanginstallation. "Es war ganz toll", schwärmte die Kuhlhausenerin Karin Pommerening.

Zum Erntefest gehört natürlich auch eine Prozession, diese fand am Abend statt. Eigens dazu kam eine Erntekönigin in alter Tracht aus Warschau, sie saß auf einem Hänger, der vom Traktor zum Weidendom am Karpfenteich gezogen wurde.

Mit Bummelkasten-Bernhard, einem Berliner Performance-Künstler für Kinder, ging das Programm am Sonntag weiter. Zudem wurde der Ex-Kindergarten zum Petitionsbüro gegen das geplante Freihandelsabkommen.

 

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