Wie ein Teehaus mutet derzeit die turmlose Garzer Kirche an. Die Sanierung erfolgt zum Großteil mit Fördermitteln aus dem europäischen Leader-Programm, deren Management kürzlich hier zu Besuch war.

Garz l "An diesem maroden Dachstuhl sieht man, wie gut das Geld hier genutzt wird", erklärte Gerhard Faller-Walzer, der Vorsitzende der Lokalen Leader-Aktionsgruppe "Im Gebiet zwischen Elbe und Havel", an der Garzer Kirche. Auf dem Kirchhof stand das neun Meter hohe Holzgerüst, das einst den Kirchturm darstellte. Etliche der Hölzer waren verfault."Nach der Freilegung der Hölzer mussten wir drastische Maßnahmen ergreifen, das Schadensausmaß hatte unsere Vorstellungen überstiegen", berichtete Kirchenältester Wilhelm Schröder vom Baubeginn. Das den Turm tragende Gerüst wurde vom Kran komplett herausgehoben, draußen zu ebener Erde kann es besser saniert werden.

"Hinein ins Chaos!" meinte der Garzer beim Eintritt in die Kirche ironisch. Er verteilte an die Gäste - neben dem Leadermanagement waren auch regionale Fördermittelempfänger nach Garz gekommen - Postkarten, auf denen die achteckige Fachwerkkirche noch in voller Pracht zu sehen war.

Im Vorbau zeigte Planer Stefan Tietke aus Havelberg einen sogenannten Feierabendstein - dieser war beschriftet und trug unter anderem die Jahreszahl 1688: das Baujahr der Kirche. Diese ist im Innern kaum noch als solche zu erkennen, denn Altar und Empore wurden zu ihrem Schutz eingehaust, etliche Gefache in den Außenwänden fehlen.

Schon seit längerem fiel die Schieflage der Kirche ins Auge, im März 2013 wurde ein angebrochener Balken entdeckt. Eine Notsicherung erfolgte, zudem wurde ein Holzschutzgutachter bestellt. Wegen der Flut verzögerte sich die Begutachtung, nach dieser stand fest: Eine Kernsanierung des Gotteshauses ist bitter nötig. Der Dachstuhl hatte bereits seine tragende Funktion eingebüßt, seine Last ruhte vielmehr auf den Stützen - das war nicht länger zu verantworten. Doch blieb es nicht nur beim Dachstuhl, auch das Fachwerk war marode - weshalb die Gefache freigelegt werden mussten. Mindestens drei Eckpfeiler müssen ausgewechselt werden.

Bis zu 25 Zentimeter ist die Kirche aus dem Lot, eventuell soll die Laterne aber dennoch senkrecht eingesetzt werden. Um die 350000 Euro werden insgesamt benötigt, so die Schätzungen. Davon seien aktuell 92 Prozent gesichert, berichtete Wilhelm Schröder.

Havelhöfe sind besser ausgelastet als gedacht

Mit allerhand Geld aus dem Leader-Topf wurden auch die benachbarten Havelhöfe saniert. "Unsere Besucher sagen, wir haben hier wirklich was Tolles geschaffen", berichtete Astrid Braunsdorf - die Ortsbürgermeisterin ist auf den Höfen angestellt. Einer von insgesamt fünf Arbeitsplätzen.

Die Havelhöfe, die Kirche und die neue Frau-Harke-Wegemarke - allesamt aus dem Leadertopf gefördert - bilden eine Einheit, erklärte Astrid Braunsdorf weiter. Und die Garzer samt ihrem Ortsverein ersannen zur Buga im kommenden Jahr ein weiteres Projekt: die "Garzer Gärten".

Die Doppelhöfe sind inzwischen gut ausgebucht, die Nachfrage ist stärker als gedacht. Es entstanden Wohnhäuser, Ferienwohnungen und eine Radlerpension, Scheunen und Ställe wurden ausgebaut und die Höfe gestaltet. Bauherr ist inzwischen ein Verein, ihm steht Marion Steitzer vor.

Dass beim Bau nicht alles reibungslos vonstatten gegangen war, kritisierte Joachim Klose, der einstige Besitzer: "An bestimmten Stellen war unsere Schmerzgrenze erreicht, da waren wir den Tränen nah." Denn mittendrin wurden plötzlich die Bestimmungen durch die Geldgeber geändert, die Fördergelder mussten daraufhin von den Bauherren erst einmal privat vorgeschossen werden. "Wir brauchen aber klare Spielregeln, die nicht mittendrin geändert werden!", mahnte der Redner.

Unklar war zu Baubeginn zudem oft, was überhaupt gefördert wurde. Fliesen, Treppen, Sanitär, Fußböden blieben außen vor - viel blieb am Ende nicht mehr übrig. Sogar die über 1000 Euro teure Brandschutzprüfung war nicht förderfähig, auch auf diesen Kosten blieb der ehrenamtliche Verein sitzen. Zum Glück sprang die Volksbank mit einer Zwischenfinanzierung ein - andere Vereine hätten schon längst das Handtuch geworfen.

Diese bittere Erfahrung hatte auch der Sandauer Wolfgang Hellwig machen müssen. Die Vereine haben kein Eigenkapital zur Vorfinanzierung, beim Turmbau in Sandau sind teils hohe fünfstellige Summen nötig. "Es ging sogar soweit, dass wir unsere Grundstücke als Sicherheit verpfänden sollten", blickte der Sandauer auf schlaflose Nächte zurück. Zudem wurde das Geld im Vorjahr erst so spät bewilligt, dass der Abrechnungstermin gar nicht einzuhalten gewesen war - auch bei der Ausschreibung sind Fristen zu beachten.

Den Leader-Leuten sind die Probleme durchaus bekannt. Manchmal ändert sich auch was zum Guten: So soll künftig auch die Mehrwertsteuer förderfähig sein - das wären immerhin 19 Prozent mehr.

 

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