Viele Heimatfreunde, darunter etliche Radfahrer aus der Umgebung, hatten sich am Reformationstag bei herrlichem Spätherbstwetter am Karpfenteich in Kuhlhausen zur Übergabe der neunten Wegemarke am Frau-Harke-Sagenpfad eingefunden.

Von Ingo Freihorst

Kuhlhausen l Frau Harke, die riesige Sagengestalt aus den Kamernschen Bergen - dargestellt von der Molkenbergerin Ans Briesenick - war natürlich höchstselbst mit von der Partie, um den Gästen über die Kuhlhausener Ortsgeschichte zu berichten sowie über die Sage zu informieren. Zunächst jedoch begrüßten Hans-Werner Ramm vom Ortsverein sowie Initiator Günter Klam vom Kamernschen KulTour-Verein die Gäste. Letzterer informierte, dass die nächsten kunstvollen Sitzgruppen bereits in Arbeit beziehungsweise fertig seien - in Neuschollene, Jederitz und Hohenkamern. Alle wurden von der Holzkunstbauschule aus stabilem Eichenholz gefertigt, an der Front ist die stilisierte Frau Harke dargestellt - so auch in Kuhlhausen wieder mit blau leuchtenden Augen.

Die Wegemarken sollen noch mit Informationstafeln zu den jeweiligen Dörfern ergänzt werden, berichtete Günter Klam. Diese Tafeln wollen die jeweiligen Kommunen aufstellen. Er erinnerte zudem an das Flutfest in Garz, wo für die Holzgestalter Spenden gesammelt worden waren.

Typisch für die Wegemarken ist, dass immer Ortstypisches an ihnen zu finden ist. In Kuhlhausen sind das ein Dachziegel und ein Backstein mit dem Aufdruck "G. Siggel, Kuhlhausen". Gestiftet hatten diese Burghard Balzer und Michael Ebendorff-Heidepriem. Diese Ziegelei hatte sich am Fischerberg befunden, berichtete Burghard Balzer am Rande.

Witte Fru stürzte sich mit Gespann in die Bracke

Am Buschberg, in Richtung Jederitz gelegen, hatte es eine weitere Ziegelei gegeben, betrieben vom Bauern Handke. Eine dritte existierte einst an der Straße nach Strodehne, wo jetzt Familie Gratzke wohnt.

Eigentlich sollte die Wegemarke an der Überfahrt auf dem Deich stehen, doch hatte der Ortsverein den jetzigen Standort am Karpfenteich empfohlen, berichtete Günter Klam. Es sei also gut, wenn man sich im Vorfeld abstimmt.

Und auch einen Namen bekam die Wegemarke verliehen: die "witte Fru". Dieser erinnert an eine Sage, die man sich im Ort erzählte. Von dieser wusste Almut Albrecht zu berichten: Eine Bauerntochter aus Kuhl-hausen sollte einen anderen Mann heiraten, obwohl sie einen Geliebten hatte. Der Hochzeitstag kam, die unglückliche Braut stieg auf die Kutsche. Sie riss die Zügel an sich und fuhr mit dem Gespann in ein Gewässer namens Bracke, an der Straße nach Jederitz gelegen. An nebeligen Tagen steigt die Braut aus dem Gewässer - wer ihrer ansichtig wurde, berichtete den anderen von der "witten Fru", der weißen Frau.

Über die von ihr verkörperte Sagengestalt Frau Harke berichtete Ans Briesenick - schließlich ist die Sitzgruppe auch dieser sagenhaften Erdenmutter gewidmet. Auch die Historie von Kuhlhausen kam zur Sprache: Es war einst ein Rundlingdorf mit Kossätenhöfen ringsum, im Jahr 1345 erstmals urkundlich erwähnt. 1540 bekannte sich der Ort zum evangelischen Glauben, 1602 ließ ein Pfarrer Klemm die erste Kirche errichten. Bereits 1626 wurden dem Gotteshaus seine Glocken geraubt - der dreißigjährige Krieg ließ den Ort wie so viele andere ringsum veröden, zwölf Jahre lag er in Schutt und Asche. Die jetzige Schinkelkirche wurde 1829 geweiht, 1877 wurde die Ortsdurchfahrt neu gepflastert. Seit 2005 gehört die Havelortschaft zu Havelberg.

 

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