Mit Kranzniederlegungen haben gestern Vertreter der Stadt, Bundeswehr und Kirche der Opfer von Krieg und Gewalt gedacht. Zugleich mahnten sie an, alles für ein friedliches Zusammenleben in Europa und auf der ganzen Welt zu tun.

Havelberg l Anna 24 Jahre alt, Lukas 19 Jahre alt, Teofil 61 Jahre alt, Emma fünf Monate alt, Franz 46 Jahre alt, Eva 44 Jahre alt, Franz einen Tag alt, Anna 90 Jahre alt, Hamidalee 60 Jahre alt, Stefan 29 Jahre alt, Franzischka sechs Monate alt. So ließen sich die Namen hundertfach fortsetzen. Sie alle sind von 1915 bis 1921 im Interniertenlager Havelberg gestorben. 726 Frauen, Männer und Kinder aus neun Nationen.

Auf dem Interniertenfriedhof bei Müggenbusch legten Bürgermeister Bernd Poloski und der Kommandeur des Panzerpionierbataillons 803 Havelberg Oberstleutnant Stefan Gruhn gestern Morgen als erstes Kränze zum Gedenken nieder. 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkrieges wurde nicht nur der gefallenen Soldaten gedacht, sondern aller Opfer von Krieg und Gewalt. Im Paradiessaal am Dom fand das Gedenken mit einer von Pfarrer Frank Städler geleiteten Andacht seine Fortsetzung. Am Sowjetischen Ehrenmal berichtete Oberstleutnant Wolfgang Schürmann vom Besuch einer deutschen Militärdelegation im Jahr 2007 an der Pionierschule im westsibirischen Tjumen. Ein Schulkommandeur, der im Zweiten Weltkrieg gegen die Hitler-Wehrmacht gekämpft hatte, sagte: "Es ist gut, dass Ihr hier seid. Wir müssen nicht auf die Feindschaft zurückblicken, sondern wir müssen als Freunde in die Zukunft schauen."

In die Zukunft blickte auch Stefan Gruhn beim Gedenken am Ehrenmal in der Elb-Havel-Kaserne: "Stellen Sie sich vor, es ist Volkstrauertag und keiner geht hin." Er sprach von der immer geringer werdenden Resonanz auf den Volkstrauertag. "Gerade für jüngere Menschen ist der zeitliche Abstand zu den Katastrophen des 20. Jahrhunderts zu groß und die persönliche Trauer über die vielen Toten zu gering. Außerdem wird die staatlich verordnete Trauerarbeit oft als autoritative Geste empfunden. Dabei sind solche Tage von eminenter Bedeutung für die Gesellschaft und den Einzelnen. Der Volkstrauertag und der Totensonntag konfrontieren mit der eigenen Vergänglichkeit, die in der Spaß- und Erlebnisgesellschaft gezielt und erfolgreich ausgeblendet wird." Stefan Gruhn weiter: "Um wirklich populär zu werden, muss der Volkstrauertag an die weltweiten Opfer erinnern. Auch an die gefallenen Bundeswehrsoldaten in Afghanistan und die vielen Flüchtlinge, die in den vergangenen Monaten im Mittelmeer ertrunken sind. Erinnerungen sind wichtig, müssen aber zugleich auf die Zukunft gerichtet sein." Seine Botschaft: Schüler und junge Soldaten für Gedenkveranstaltungen zu gewinnen und aktiv zum Mitmachen anzuregen.

Am Denkmal für die Opfer des Faschismus sprach Pfarrer i.R. Ulrich N. Wolff. Auch auf dem Saldernberger Friedhof wurden Kränze niedergelegt. Die Ehrenformation der Bundeswehr begleitete das Gedenken. Der Posaunenchor Glöwen-Havelberg spielte unter anderem "Ich hatt einen Kameraden". Einige Bürger, Stadträte, die beiden Regionalbereichsbeamten der Polizei in Havelberg nahmen außer den Vertretern von Stadt, Bundeswehr und Kirche teil.

 

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