Klietz l "Wir müssen die übende Truppe hier in Klietz auf der Waldkampfbahn so ausbilden, dass sie anschließend auch im Wald kämpfen kann", erklärte Hauptmann Oliver Franke den jungen Bundesforstbeamten. Der Offizier ist auf dem Klietzer Übungsplatz für den Schießbetrieb zuständig.

Im Wald muss der Soldat bestimmte Anforderungen beachten. Wegen der geringen Sichtweite und der hier möglichen guten Tarnung des Feindes muss man rasch reagieren - ähnlich wie beim Häuserkampf. Trampelpfade sind hier fehl am Platz, der Wald soll so gut es geht naturbelassen bleiben. Das bedeutet auch, er geht aus der Bewirtschaftung raus.

Normale Anpflanzungen sind hier weniger gefragt, vielmehr sollte sie beschusshart sein - also eine dicke Borke aufweisen. So wie die Kiefer. Auch sollten sie rasch wieder ausschlagen, so wie die Weide. Diese Art kann hier wegen des sandigen Dünenbodens aber nicht angepflanzt werden, erklärte Revierförster Gunnar Wislaug.

Es gibt zwei Waldkampfbahnen, weil bei den hier aufgestellten festen Zielen oftmals Trampelpfade entstehen. Das aber ist nicht gewollt, weshalb die Plätze ab und an gewechselt werden. Gekämpft wird hier mit Handfeuerwaffen wie dem Sturmgewehr G36 oder Maschinengewehren, geschossen wird mit Übungsmunition.

Auf der 580 Meter langen und 70 Meter breiten Waldkampfbahn an der Umgehungsstraße wird der Soldat von den Zielen überrascht - die hochmoderne Anlage ist computergesteuert und kann verschiedene Szenarien abspielen. So sind auch Doppelschüsse oder pyrotechnische Simulationen von Handgranaten- oder Panzerfaustbeschuss möglich. Die Zielsektoren sind nicht immer einsehbar.

Es ist bereits der fünfte Bundesforst-Lehrgang in Klietz, erklärte dessen Leiter, der Forstoberamtsrat Timo Tönnies aus Bonn. In diesem Jahr hatte der Bundesforstbetrieb 27 Absolventen von Fachhochschulen und Universitäten eingestellt, 20 von ihnen nahmen am Lehrgang teil. Der nächste Lehrgang folgt bereits im April des kommenden Jahres. Klietz bietet gute Bedingungen, untergebracht sind die Teilnehmer hier im Landguthotel, in dessen Saal auch unterrichtet wird.

"Der einwöchige Lehrgang dient dazu, unseren neuen Kollegen das zu vermitteln, was die Bundesforst von der Landesforst unterscheidet", erklärte Timo Tönnies. Die Landesforstämter arbeiten gewinnorientiert, der Bundesforstbetrieb versteht sich mehr als Dienstleister, sozusagen als "grüner Hausmeister". Auf den Übungsplätzen müssen beispielsweise optimale Verhältnisse für die Übenden geschaffen werden. Die Pflege der Freiflächen ist übrigens Aufgabe des Dienstleistungszentrums der Bundeswehr.

Geschossen wird auch bei höchster Waldbrandgefahr

Bei der Waldkampfbahn geht es hingegen um Lärm- und Sichtschutz, der Wald ist so anzulegen, dass möglichst wenig Übungslärm ins nahe Klietz dringt. Die Kampfbahn ist auch nicht zu nah an den anderen Schießbahnen, so können möglichst viele gleichzeitig genutzt werden. Das ist nötig, da im Zuge der Bundeswehrreform weitere Plätze schließen werden - die verbleibenden müssen optimal genutzt werden. Die übende Truppe hat immer Vorrang - sogar bei der höchsten Waldbrandwarnstufe 5. Um die Brandgefahr auch dann möglichst gering zu halten, muss der Wald eben entsprechend umgebaut werden.