Havelberg l Eine Stunde lang berichtete der Leiter des Jugendzentrums Rolf Müller über die Anfänge, Aktivitäten, Projekte, Erfolge und Schwierigkeiten in den vergangenen 20 Jahren. Dabei nannte er nur die Schwerpunkte - er könne ganze Bände schreiben, machte er auf die Vielfalt der Kinder- und Jugendarbeit aufmerksam.

Im Januar 1994 wurde das Jugendzentrum in Havelberg eröffnet. Dem zuvor gegangen war die Schließung des damaligen "Haus der Interessen" und die Initiative von 19 Jugendlichen und Junggebliebenen, die Kinder- und Jugendarbeit fortzusetzen. Im Oktober 1993 gründeten sie den Förderverein. Um die inhaltliche Arbeit kümmerten sich Wulf Gallert und Hartmut Gropius. Als Vorstandsmitglied von Anfang an dabei ist Wolfgang Masur, der durch seinen Sohn auf die Einrichtung aufmerksam geworden war. Es galt etliche Hürden zu meistern. Dies geschah mit Bravour und bis heute sucht das Jugendzentrum mit seinen Jugendklubs und -räumen auch in Nitzow, Warnau, Klietz, Scharlibbe, Neuermark-Lübars, Jederitz, Kamern, Wulkau und Schollene seinesgleichen. "Wir wollten unsere Arbeit von Anfang an nicht auf Havelberg beschränken."

"Die Kontinuität sichert den Erfolg", bedankte sich Rolf Müller vor allem bei den Kommunen, die trotz großer Sparzwänge alljährlich einen Teil der Finanzierung von Personal-, Sach- und Betriebskosten verlässlich mit absichern. Die Finanzierung der Kinder- und Jugendarbeit war schon immer nicht einfach. Oftmals hätten die Mitarbeiter bis April des Jahres auf gutes Vertrauen gearbeitet, dass die Fördergelder vom Kreis auch kommen. Eine große Hilfe war eine Zeitlang die großzügige Förderung durch das Arbeitsamt, das ABM- und SAM-Kräfte zu hundert Prozent förderte und oft 20 Prozent an Sach- und Betriebskosten beisteuerte.

Finanzielle Einschnitte

Vier Schwerpunkte hat sich der Förderverein gesetzt: die Betreibung des Jugendzentrums in Havelberg, die Betreuung der Jugendgruppen im Elb-Havel-Winkel, die soziale Betreuung von Jugendgruppen und sozial benachteiligter Kinder und Jugendlichen sowie die Organisation von Jugendprojekten und Ferienfreizeiten. Dabei sind Kinder und junge Leute von 7 bis 27 Jahren angesprochen. Ein breitgefächertes Freizeitangebot mit Brett- und Computerspielen, Sport, Hauswirtschaft, Töpfern, Fahrradwerkstatt wird montags bis sonnabends von hauptamtlichen Betreuern und Streetworkerin Heidrun Maas gewährleistet. Allerdings müssen sie mit finanziellen Einschränkungen leben, ihre Arbeitszeiten wurden aus Kostengründen von einst 40 über 36 auf zunächst 32 reduziert. Mittlerweile arbeitet die Mehrheit 30 Stunden pro Woche - die absolute Untergrenze, um eine kontinuierliche und qualitative Jugendarbeit gewährleisten zu können, so Rolf Müller. Immer schwieriger wird die Unterstützung durch das Jobcenter. Viele Ehrenamtliche unterstützen etwa bei Turnieren in Billard, Tischtennis, Volleyball, Fußball und Dart sowie bei Tagesfahrten. Überregional bekannt ist das Juze für seine jährlichen Paddeltouren in den Sommerferien und die Zeltlager.

Eine gute Zusammenarbeit gibt es seit 20 Jahren mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband als Dachverband. Daraus resultierte auch die Gründung des Erlebnispädagogischen Centrums ELCH, berichtete Rolf Müller. Kreis-Kinder- und Jugendring, Jugendamt des Landkreises Stendal, Bundeswehrverband und Rotary Club nannte er unter anderem als verlässliche Partner des Juze. Geht es um die Organisation von Osterfest, Kinderfest und Drachenfest gehören Stadtwerke und Modellsportzentrum zu den Partnern.

Nicht unerwähnt blieb die Hochwasserkatastrophe vom Juni 2013. Der Jugendklub in Kamern wurde geflutet und muss abgerissen werden. Die Hoffnung ist, dass er im nächsten Jahr gebaut wird, berichtete Kamerns Bürgermeister Arno Brandt. Wie seine Amtskollegen würdigte er die Leistungen des Juze. Havelbergs Bürgermeister Bernd Poloski: "Wir haben Dank zu sagen, denn Kinder- und Jugendarbeit ist die Aufgabe, die ihr für die Kommunen erfüllt." Er kritisierte die Einstufung als freiwillige Aufgabe, was verschuldeten Kommunen die Bereitstellung von Geldern erschwert. Dabei sei Jugendarbeit Bestandteil der Bildungsarbeit mit hohem Stellenwert.

   

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