Sandau l Vorschläge und Ideen dafür zu bündeln war das Ziel der Zusammenkunft mit Eltern, Vertretern von Vereinen sowie anderen interessierten Sandauern am Mittwochabend im Versammlungsraum der Feuerwehr. "Denn so wie jetzt kann es nicht weiter gehen", finden die beiden Initiatorinnen der "Initiative für die Jugend". Für die Kinder und Jugendlichen in der Elbestadt gibt es keine Örtlichkeit, wo sie sich treffen können - so wie vor vielen Jahren in der alten Turnhalle am Fehnweg, in der sich mal ein Jugendklub befand.

"Junge BMX-Fahrer provozieren die Kraftfahrer förmlich."

Nachdem dieser - insbesondere auch aus finanziellen Erwägungen heraus - vor etlichen Jahren geschlossen worden ist, steht der Nachwuchs in der Elbestadt praktisch auf der Straße. Wo Jugendliche aus der Langeweile und aus ihrem Frust heraus sich bereits zu kriminellen Handlungen hinreißen ließen und wo sie, besonders an der Bundesstraße, auch selbst gefährlich leben. So beim Skateboardfahren auf der B 107 und kommunalen Straßen der Stadt oder beim Überqueren des Fußgängerüberweges in Höhe der Kirche mit BMX-Rädern. "Diese jungen BMX-Fahrer provozieren dabei förmlich die Kraftfahrer. Einige Pkw und auch Lkw mussten hier bereits scharf abbremsen, um einen Unfall mit den Faxen machenden Jugendlichen zu verhindern", berichtete ein Teilnehmer der Zusammenkunft am Mittwoch. Solches "Spiel" könne ganz schnell schlimmste Folgen nach sich ziehen.

"Das war der größte Fehler, den die Stadt gemacht hat."

Fazit: Die Jugend muss weg von der Straße. Nur wohin? Das ist die große Frage. Die alte Turnhalle am Fehnweg steht nicht mehr zur Verfügung, ist verkauft. "Das war der größte Fehler, den die Stadt in der Jugendfrage gemacht hat", fand Peter Damker. "Denn an diesem Ort haben die jungen Leute so gut wie niemanden gestört."

Eine Räumlichkeit in der neuen Sporthalle zu schaffen, sahen die meisten Teilnehmer der Zusammenkunft am Mittwoch als Alternative. Als echte Lösung aber nicht. Wenn, dann müsse dort immer ein Betreuer beziehungsweise eine Aufsicht die Kontrolle über die jungen Besucher haben. Diese gibt es derzeit nicht. Und sie würde Geld kosten. Welches in der Stadtkasse derzeit so gut wie nicht vorhanden ist.

Guter Rat ist also teuer. "Wo müssen wir zuerst ansetzen?", fragte Birka Müller in den Raum. Denn von heute auf morgen könne das Problem sicher nicht gelöst werden. "In kürzester Zeit kriegen wir das wirklich nicht aus dem Boden gestampft", erklärte Jörg Müller. Im Stadtrat werde schon seit Jahren konstruktiv darüber diskutiert, sagte er. Was doch auch zeige, dass den Stadträten und dem Bürgermeister die Sandauer Jugend alles andere als egal sei.

Offenbar aber hat sich das Thema festgefahren, weil Lösungswege zwar gesucht, aber nicht gefunden worden sind. Auch beim Treff am Mittwochabend war das (noch) nicht anders. "Ich fände es gut, wenn die größeren Kinder und die Jugendlichen zur nächsten Zusammenkunft mit dazu geholt werden und uns sagen, welche Vorstellungen beziehungsweise Wünsche sie mit einem festen Treffpunkt verbinden", schlug Jörg Müller vor. "Das sollte nach der heutigen Beratung auch unser zweiter Schritt sein", antwortete Heike Heller. Ihr und Birka Müllers Vorschlag: "Wir bereiten für den 14. Januar zusammen mit der Stadt einen Treff mit den Kindern und Jugendlichen vor." Einladungen dafür sollen rechtzeitig verteilt werden.

Briefe an den Landkreis und an die Agentur für Arbeit

Bis zu dieser nächsten Zusammenkunft wollen sich die Organisatorinnen aber auch in anderen Fragen, vor allem rechtlichen Dingen, schlau machen. So wurde am Mittwochabend angeregt, Kontakt zum Förderverein "Jugendzentrum Elb-Havel-Winkel" aufzunehmen, der mittlerweile seit über 20 Jahren erfolgreiche Jugendarbeit betreibt und damit über reichhaltige Erfahrungen verfügt. Unter anderem soll in diesem Gespräch die Frage im Raum stehen, ob Sandau auch einen solchen Förderverein für die Förderung der Kinder- und Jugendarbeit braucht oder ob auch andere Wege beschritten werden können, das ersehnte Ziel - einen Jugendklub oder einen anderen dem gleichgestellten Treffpunkt, in jedem Fall mit einer Betreuerperson - zu erreichen.

Ob darüber hinaus auch der Landkreis und die Arbeitsagentur Hilfe geben können, steht auf einem ganz anderen Blatt. Zumindest soll diesen in Briefen die Jugendproblematik in Sandau alsbald ausführlich geschildert werden. Unter anderem ist damit die Hoffnung verbunden, eventuell eine Arbeitsmaßnahme für die Jugendbetreuung in der Elbestadt erwirken zu können.