Klietz l Drei Stunden hatten sich der Landesminister und Burkhard Henning vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz (LHW) Zeit genommen, um zu den zahlreichen Teilnehmern der Veranstaltung im "Seeblick" zu sprechen und Fragen zu beantworten. Fazit: Knapp anderthalb Jahre nach der Flut ist beim Wiederaufbau einiges geschafft, aber es ist noch viel zu tun. Der DIN-gerechte Bau neuer Deiche geht voran und die Hochwasserschutzinitiative will die Planung von möglichen Polderflächen entlang der Elbe aktiv begleiten. Die Frist für die Abarbeitung der Schäden muss verlängert werden.

Zunächst zollte der Minister der Initiative seine Anerkennung: "Gut, dass Sie sich zusammengeschlossen haben, um Sorge zu tragen, dass das Geschehene nicht in Vergessenheit gerät - das ist bürgerschaftliches Engagement für die Heimat!" Der Vorsitzende Arno Brandt hatte zuvor nach einem Jahr seit der Gründung Bilanz gezogen. "Wir sind ins Gespräch gekommen, pflegen Kontakte zum Ministerium, zum LHW und zum Landkreis. Wir reden über Hochwasserschutz vor und hinter dem Deich - die Schaffung von Polderflächen ist eine länderübergreifende Angelegenheit, alle müssen gezielt Wasser aufnehmen, um solche Katastrophen wie in Fischbeck zu verhindern." Bei der Schadensregulierung hätte man sich die versprochene unbürokratische Abwicklung gewünscht. Arno Brandts Hinweis, dass das Bauamt der Verbandsgemeinde personell weiter verstärkt werden muss, bestätigte der Leiter Hans-Dieter Sturm. "80 Millionen Euro Wiederaufbaumittel müssen umgesetzt werden. Das ist ein enormer Aufwand. Wir müssen Geduld haben, denn jedes einzelne Projekt bedarf der sorgfältigen Planung und es müssen auch Fristen eingehalten werden."

Burkhard Henning zählte eine Reihe von Deichbaumaßnahmen im Elbe-Havel-Land auf. 55 Prozent aller Deiche im Land sind DIN-gerecht, "bis 2020 auch der Rest. 530 Millionen Euro sind seit 2002 verbaut, 600 Millionen brauchen wir für den Rest." Deiche sind zu erneuern und den Flüssen ist mit Polderflächen mehr Raum zu geben. Die zahlreichen anwesenden Landwirte erklärten, dass die Entschädigung für den Verlust der gefluteten Flächen aber auch gesetzlich geregelt werden muss. Der Minister versprach, dass die Schaffung von Polderflächen mit und nicht gegen die Landwirtschaft erfolgen soll. Zu den möglichen Flächen, die bei extremen Hochwassern geflutet werden, um die Scheitel zu senken, gehört eine Fläche zwischen Neuermark-Lübars und Scharlibbe. Das sei bisher allerdings nur ein Vorschlag - ob dieses Gebiet tatsächlich infrage kommt, muss in aufwendigen Untersuchungen erst ermittelt werden. "Wir werden diesen Prozess begleiten", erklärte Werner Grabolle, der als Vorstandsmitglied der Initiative die Versammlung souverän leitete.

Marina Hebekerl aus Fischbeck und Ottmar Kapl von der Scharlibber Agrargenossenschaft berichteten von ihren Erfahrungen bei der Flutschadensbeseitigung, auch Gäste meldeten sich zu Wort, dazu demnächst mehr.

Bei der fünften Info-Veranstaltung im Frühjahr soll es um den Katastrophenschutz gehen.